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Großenlüder/Hainzell steigt nach bitterer Niederlage wohl aus Handball-Oberliga ab - fragwürdiges Rot

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Von: Sabine Kohl

Hessen Handball 2021-2022/Oberliga 2021-2022/Abstiegsrunde/HSG Großenlüder/Hainzell (blau) - MSG Umstadt/Habitzheim (weiss) 29:34
Dominik Malolepszy (Mitte) verwandelte vier seiner fünf Siebenmeter – ansonsten verfehlte die HSG Großenlüder/Hainzell in Halbzeit zwei überwiegend das Tor. © Charlie Rolff

20 Minuten dominierte die HSG Großenlüder/Hainzell die MSG Umstadt/Habitzheim im Abstiegsrunden-Spiel der Handball-Oberliga nach Belieben. Dann verloren die Gastgeber völlig die Kontrolle. Am Ende stand die 29:34 (17:18)-Niederlage. Unter anderem wegen einer sehr fragwürdigen Roten Karte. 

Großenlüder - Die Großenlüderer Kreissporthalle am Samstagabend nach gut anderthalb Stunden Handball-Oberliga Hessen endlich verlassen zu dürfen, war aus zwei Gründen eine Wohltat: Erstens waren die Gäste der MSG Umstadt/Habitzheim mit einer Kapelle angereist, die für eine trommelfellzerfetzende Geräuschkulisse gesorgt hatte. Zweitens mochte man sich das Elend, das die HSG Großenlüder/Hainzell vor allem in Halbzeit zwei auf die Platte gebracht hatte, nicht mehr länger ansehen.

Dabei machte die Heimmannschaft ihren wenigen Zuschauern – nur geschätzte rund 100 Heimfans hatten den Weg in die Halle im Kreis Fulda gefunden – anfangs eine Menge Hoffnung, dass es mit den zwei für die Mission Klassenerhalt so wichtigen Punkten tatsächlich klappen könnte, nachdem Großenlüder/Hainzell in der Vorwoche bei der TSG Münster so desaströs mit 17:35 untergegangen war.

Handball: HSG Großenlüder/Hainzell verspielt wohl Klassenerhalt in der Oberliga Hessen

Innerhalb von drei Minuten stand es 3:0 für die Lüdertaler. Die Gäste wirkten zerfahren, verloren ständig ihre Bälle, trafen nicht aufs Tor. Nach einer sehr frühen Auszeit ihres Trainers besserte sich das, doch Großenlüder war weiterhin das klar dominierende Team.

Immer weiter wuchs der HSG-Vorsprung bis auf 15:9 in der 20. Minute. Doch nach zwei Zeitstrafen - erst gegen Dominik Malolepszy (18.), dann gegen Lukas Dimmerling (20.) - verfiel die Mannschaft in Hektik und verlor die Kontrolle über das Spiel. Umstadt nutzte das eiskalt aus und drehte den 9:15-Rückstand innerhalb von nicht ganz zehn Minuten in eine 18:16-Führung.

Diese Wendung stellte auch HSG-Trainer Matthias Deppe vor ein Rätsel: „Ich verstehe überhaupt nicht, warum wir da plötzlich so eine Hektik machen. Wir liegen doch deutlich vorne. Da halte ich doch den Ball, bis der Schiri die Hand hebt.“ Stattdessen folgte ein Fehlversuch nach dem anderen (lesen Sie hier: Phantomtor sorgt für Verwirrung in der Großenlüderer Kreissporthalle).

Handball-Oberliga: Fragwürdige Rote Karte sorgt für Verunsicherung bei HSG Großenlüder/Hainzell

Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann der nächste Schlag gegen die Lüdertaler: Jonas Goßmann bekommt nach einem Zusammenstoß mit einem Umstädter Abwehrspieler, bei dem dieser zu Boden geht, die Rote Karte angezeigt. „Jonas war in der Drehbewegung zum Tor, Der Gegner geht hin, und er trifft ihn dann halt. Aber das war doch keine Absicht“, stellt Trainer Deppe die Schiedsrichter-Entscheidung in Frage.

Ob der Wegfall des starken Rechtsaußen nun das Zünglein an der Waage war, sei dahingestellt. Jedenfalls gelang es der HSG, der außerdem Torjäger Michael Blinzler fehlte, auch nach der Halbzeitpause nicht, ihren Rhythmus wiederzufinden und Ruhe in ihr Spiel zu bringen. Gefühlt ging jeder Torversuch daneben.

Desolate zweite Halbzeit: HSG Großenlüder/Hainzell verliert in der Handball-Oberliga

Dass es am Ende doch noch zwölf Treffer – davon vier Siebenmeter – waren, die ihr Ziel fanden, verwundert fast. „Und hinten wirkt es als hätten wir gar keine Deckung“, bemängelte der Trainer außerdem die Abwehr.

Der Oberliga-Klassenerhalt jedenfalls ist für die HSG Großenlüder/Hainzell nach dieser Niederlage wohl Geschichte. Der rettende dritte Platz der Abstiegsgruppe dürfte realistisch nicht mehr zu erreichen sein.

Die Statistik zum Spiel:

HSG Großenlüder/Hainzell: Stradtmann, Decher, Herber; Sippel (1), Deppe (2), L. Münker (2), B. Dimmerling (4), Goßmann (2), S. Münker, Malolepszy (7/4), L. Dimmerling (5), H. Dimmerling (6).

MSG Umstadt/Habitzheim: Khan, Kuhlmann; Schneider (2), Kraus (5/5), Geist (1), Lubar (3), Göttmann (2), Werner (3), Funck (2), Reeg (4), Schmitt (7), Milosev, Schevardo (4), Seifert (1).

Schiedsrichter: Heinzel/ Wieprecht (Frankfurt). Zeitstrafen: (8/6). Zuschauer: 100. Besondere Vorkommnisse: Rote Karten gegen Jonas Schneider (MSG Umstadt/Habitzheim) und Jonas Goßmann (HSG Großenlüder/Hainzell).

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