Seit mehr als 20 Jahren ist der Einsatz von Harz im hessischen Handball verboten. (Symbolfoto)
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Seit mehr als 20 Jahren ist der Einsatz von Harz im hessischen Handball verboten. (Symbolfoto)

20 Jahre verboten

Handballer dürfen wieder harzen: Haftmittel erlaubt, wenn Eigner der Halle zustimmt

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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  • Ann-Katrin Hahner
    Ann-Katrin Hahner
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Der Hessische Handball-Verband hat das Benutzen von Haftmitteln in den Oberligen der Männer, Frauen sowie A- und B-Jugend erlaubt – sofern der Eigner der Halle dem zustimmt.

Fulda - Seit mehr als 20 Jahren ist der Einsatz von Harz im hessischen Handball verboten. Lediglich die Vereine von der 1. bis zur 3. Bundesliga dürfen mit dem Hilfsmittel trainieren und ihre Spiele bestreiten.

Der Hessische Handballverband war bis zur aktuellen Entscheidung einer von drei Verbänden in ganz Deutschland, in denen ein komplettes Haftmittelverbot herrschte. Harz wird genutzt, um den Handball, der mit Schweiß und Staub in Berührung kommt, deutlich griffiger zu machen. Zudem vereinfacht es das Passen und Fangen, wodurch Spielzüge und spektakuläre Abschlüsse erst möglich werden.

Hessen: Handballer dürfen wieder harzen - Haftmittel erlaubt, wenn Eigner der Halle zustimmt

Mit Baumharz, das früher für den Sport verwendet wurde, hat das heutige Harz oder besser das Haftmittel nur noch wenig zu tun. Die meisten Produkte sind wasserlöslich und sorgen bei Weitem nicht mehr für eine so starke Verschmutzung des Hallenbodens, wie es früher der Fall war. Ob das Nutzen von Haftmitteln in Zukunft im osthessischen Handball Einzug halten wird, wird maßgeblich von den Hallenträgern, also den Kommunen und Kreisen der Region abhängen. Denn diese müssen den Vereinen die Nutzung im Training und bei den Heimspielen schriftlich genehmigen. (Lesen Sie hier: Hype um Trainerausbildung in Hessen - Region Fulda ist Schlusslicht bei den lizenzierten Fußball-Trainern).

Ob der Kreis Fulda eine Nutzung in seinen Hallen erlaubt, ist unklar: Auf Nachfrage unserer Zeitung hieß es, das zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht beantworten zu können.

Handballer dürfen wieder harzen: Das sagen Stimmen aus der Region

Das sagen Kai Gerhardt, Vizepräsident Jugend Hessischer Handballverband, Frank Hartmann, Handball-Abteilungsleiter Großenlüder, und Jonathan Malolepszy, Spieler bei Drittligist TV Gelnhausen, zu der neuen Regelung.

Kai Gerhardt, Vizepräsident Jugend Hessischer Handballverband: „Letztendlich zeigen die vergangenen Jahre, dass hessische Vereine im Übergang von der Oberliga in die 3. Liga aber auch im Jugendbereich bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaften und in den Qualispielen benachteiligt waren, da in den hessischen Ligen Haftmittelverbot herrschte und manchmal ohne Vorbereitung Spiele mit verpflichtender Haftmittelnutzung absolviert werden mussten.“ Dies habe zur Folge gehabt, dass talentierte Spieler häufig in andere Ligen abgewandert seien. Langfristig sei es für den HHV wünschenswert, die Haftmittelnutzung auf die Klassen unterhalb der Oberliga auszuweiten. Dass es zunächst in den Oberligen eine Art Flickenteppich geben wird, weil der Verband sich gegen eine verpflichtende Nutzung von Haftmitteln entschieden hat, ist Gerhardt bewusst.

„Nicht alle Vereine werden von den Halleneignern eine Freigabe erhalten oder diese bis zum Sommer geklärt bekommen. Die Praxis in anderen Verbänden hat aber gezeigt, dass die Halleneigner oft nur die Uralt-Baumharze kennen und keine Erfahrung mit den modernen Haftmitteln haben. Eine Praxisvorführung des Haftmittels und der entsprechenden Entfernung wirkt oft besser als alle theoretischen Unterlagen“, empfiehlt Gerhardt, um die Kommunen für das Harzen zu gewinnen. Als Mitglied des Arbeitskreises „Haftmittelnutzung“ des Hessischen Verbands hat Kai Gerhardt die Entscheidung mitgestaltet, Haftmittel zu genehmigen.

Frank Hartmann: Es macht unseren Sport attraktiver, und Spieler und Zuschauer werden sich freuen

Frank Hartmann, Handball-Abteilungsleiter Großenlüder: „Prinzipiell macht es unseren Sport attraktiver, und Spieler und Zuschauer werden sich darüber freuen. Für uns ist es allerdings ein enormer Aufwand“, gibt Großenlüders Abteilungsleiter Frank Hartmann zu bedenken. Sein Verein ist in der Spielgemeinschaft mit Hainzell bislang der einzige Verein in der Region, der von der neuen Regelung betroffen wäre und Haftmittel in der Oberliga nutzen dürfte. Allerdings zweifelt Hartmann daran, dass das für die kommende Saison umsetzbar wäre. „Wir müssten zunächst ein Konzept erarbeiten und Gespräche mit dem Landkreis als Hallenträger führen. Man müsste ein Haftmittel wählen, das gut zu entfernen ist. Wände und Türgriffe müssten gegebenenfalls händisch gereinigt werden.“ Zudem müsse man beim Verbleib in der Oberliga weiterdenken und die Jugend im Umgang mit Haftmitteln ausbilden.

Jonathan Malolepszy, Spieler bei Drittligist TV Gelnhausen: Der ehemalige Hainzeller Spieler spielt in Gelnhausen nur noch mit Haftmittel und möchte die „Patte“ nicht mehr missen. „Als ich zum TVG gewechselt bin, musste ich mich natürlich erst dran gewöhnen, aber jetzt bin ich ein Fan. Haftmittel steigert die Wurfhärte, da nicht mehr so viel Griffkraft an den Ball verloren geht. Außerdem nehmen die Pass- und Fangsicherheit zu, was für das Spiel mit dem Kreisläufer von Vorteil ist. Schließlich kann man Dreher machen und andere Trickwürfe.“ Obwohl Malolepszy ein Befürworter des Spiels mit Haftmittel ist, weiß der 21-Jährige, dass die Hallenreinigung eine finanzielle Belastung – gerade in Zeiten der Coronakrise – für die Vereine darstellen kann. „Es gibt Lösungsmittel und manchmal werden sogar spezielle Reinigungsmaschinen angeschafft. Das kann schon zum Kostenfaktor werden, wenn dann noch jemand für die Reinigung angestellt werden muss.“ Daher müssten sich Vereine gut überlegen, ob sie die Verwendung von Haftmittel finanziell stemmen können und wollen.

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