Inklusionslotsin Franziska Werner
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Inklusionslotsin Franziska Werner.

26-Jährige im Interview

Inklusionslotsin Franziska Werner möchte „Türöffnerin“ in den Vereinssport sein

  • Eike Zenner
    vonEike Zenner
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Franziska Werner ist seit dem 1. Oktober Inklusionslotsin im Sportkreis Fulda-Hünfeld. Die 26-jährige Studentin möchte Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den Weg in den Vereinssport ebnen – und die Vereine unterstützen, inklusive Sportangebote zu entwickeln.

Sie sind die erste Inklusionslotsin im Sportkreis Fulda-Hünfeld. Was sind Ihre Aufgaben?
Als Inklusionslotsin bin ich Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche mit Behinderung, die gerne einen Sport im Verein ausüben möchten. Gemeinsam überlegen wir, welche Sportart und welcher Verein in Frage kommen. Ich stelle dann den Kontakt her und begleite das Kind oder den Jugendlichen zu den ersten Übungsstunden, um den Einstieg zu erleichtern. Aber auch Vereine oder Verbände, die Inklusionssport anbieten möchten, können sich an mich wenden. Zudem möchte ich helfen, inklusive Angebote für Menschen mit Behinderung in der Region zu schaffen oder auszubauen.
Was hat Ihr Interesse an dem Amt als Inklusionslotsin geweckt? Wie gefällt Ihnen die Aufgabe?
Ich bin bereits seit neun Jahren Übungsleiterin für Kinder- und Jugendliche in meinem eigenen Sportverein in Frankfurt. Außerdem helfe ich seit einigen Jahren beim Down-Sportlerfestival in Frankfurt. Dabei habe ich festgestellt, wie viel Spaß der gemeinsame Sport Kindern mit und ohne Behinderung macht und wie gut ihnen das gemeinschaftliche Erlebnis tut. Sowohl in körperlicher als auch in sozialer Hinsicht. Als Inklusionslotsin kann und möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass inklusive Angebote ihren Platz in den Sportvereinen der Region finden.
Wie ist Ihr Eindruck nach den ersten sechs Wochen?
Ich bin vom Sportkreis-Team sehr offen und freundlich aufgenommen worden, habe mich gleich wohlgefühlt. Große Unterstützung erfahre ich vom Sportkreis-Vorsitzenden Harry Piaskowski. Aber auch Tina Steinmark vom LVKM Hessen und Stefan Vicen Moreno von der Sportjugend Hessen stehen mir mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem haben mir die anderen hessischen Inklusionslotsen, die schon etwas länger im Amt sind, gute Informationen vermittelt.

Inklusionslotsin Franziska Werner sieht in der Region Fulda eine „gute Entwicklung“

Haben Sie bereits erste Kontakte in den Vereinen geknüpft?
Ja, ich habe bereits einige Vereine angeschrieben und mich und meine Arbeit vorgestellt. Ich habe auch schon etliche positive Rückmeldungen erhalten. Von Vereinen, die sich vorstellen können, inklusive Angebote einzurichten. Natürlich ist das mit der Corona-Situation aktuell schwierig, aber vielleicht kann es im neuen Jahr losgehen. Wegen der Kontaktbeschränkungen konnte ich noch keine Kinder oder Jugendliche in Vereine vermitteln. Natürlich bin ich dennoch immer offen für Anfragen, egal ob von Kindern, deren Eltern oder Vereinen. Ich freue mich über jedes Interesse.
Wie schätzen Sie die Inklusionssituation in Osthessen ein? Sind die Vereine gut aufgestellt?
Allgemein sehe ich eine gute Entwicklung in der Region. Es gibt bereits einige Vereine mit inklusiven Sportangeboten. Mein Wunsch ist natürlich, dass es noch viele mehr werden. Die positiven Rückmeldungen aus den Vereinen machen mir da aber Mut. Kinder und Jugendliche mit Behinderung stehen häufig vor dem Problem, dass sie keinen passenden Verein in der Nähe ihres Wohnortes finden und deshalb weit fahren müssen. Das macht es schwierig, über den Sport hinaus Freundschaften zu knüpfen. Deshalb wäre es schön, wenn sich in möglichst vielen Vereinen, vor allem den kleinen auf dem Land, inklusive Sportgruppen bildeten.
Planen Sie Vernetzungen mit anderen Sport-Inklusionsprojekten in der Region?
Ja. Ich habe mich bereits mit Ines Prokein vom HBRS (Hessischer Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband), mit Anne Effe, Regionalkoordinatorin Hessen der Special Olympics, sowie mit Magdalena Kalb von antonius – Netzwerk Mensch ausgetauscht. Wir haben darüber gesprochen, wie wir möglicherweise in Zukunft zusammenarbeiten können. Mit Sarah Heinisch und Ute Weber vom Hochschulprojekt RinkA (Regionale inklusive Bewegungs-, Sport- und Freizeitangebote) habe ich mich gerade in dieser Woche getroffen, um über mögliche gemeinsame Projekte zu sprechen.

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Wie viel Gestaltungsspielraum gibt Ihnen Ihr Amt? Möchten Sie in der Zukunft eigene Initiativen auf den Weg bringen?
Die Projektkoordinatoren lassen uns Inklusionslotsen viel Freiraum. Sie geben Tipps, was wir machen können, lassen uns aber auch freie Hand. Ich bin derzeit noch dabei, mich einzuarbeiten, erst mal alle Leute und Vereine kennenzulernen. Mit der Zeit würde ich mich aber gerne mit eigenen Ideen hier im Sportkreis einbringen. Vielleicht ergeben sich auch Projekte aus den Wünschen, die von Kindern und Jugendlichen an mich oder die Lotsen aus den anderen Sportkreisen herangetragen werden. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt darauf, was sich ergibt und freue mich auf die Zeit. Im neuen Jahr kann ich hoffentlich richtig durchstarten.

Hintergrund

Die Inklusionslotsen der Hessischen Sportkreisjugend sind Teil des Projekts „Mit dir inklusiv im Sport“, dass der Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Hessen (LVKM) in Kooperation mit der Sportjugend Hessen ins Leben gerufen hat.

Fünf Modellregionen in Hessen wurden ausgewählt, in denen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit erhalten sollen, durch die Unterstützung eines Sport-Inklusionslotsen ein geeignetes Sportangebot zu finden. Neben dem Sportkreis Fulda-Hünfeld sind das die Sportkreise Bergstraße, Hochtaunus, Werra-Meißner sowie Kassel.

Gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch und dem Hessischen Ministerium für Inneres und Sport. Es läuft zunächst bis zum 31. Oktober 2024 und richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre mit einer Behinderung sowie Vereine und Verbände.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet: mitdirinklusivimsport.de

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