Schwimmer Jan-Philip Glania im Wasserbecken.
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Blickt in eine ungewisse Schwimm-Zukunft: Jan-Philip Glania hat noch nicht entschieden, wie und ob es für ihn sportlich weitergeht.

Schwimm-Ass im Interview

Jan-Philip Glania darf wieder im Wasser trainieren

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Auch wenn das Sportlerleben von Jan-Philip Glania derzeit völlig auf dem Kopf steht: Ein wenig Normalität ist bei dem 31-jährigen Schwimm-Ass aus Petersberg, das für die SG Frankfurt startet, wieder eingekehrt. Doch natürlich sind die auf 2021 verschobenen Olympischen Spiele in Tokio ein nur schwer greifbares Ziel.

Hallo Jan-Philip, Sie können wieder trainieren, wie man hört...
Ja, das stimmt. Seit letzter Woche dürfen die hessischen Kadersportler ins Training.
Und, wie fühlt sich das an?
Sehr gut. Ich bin locker eingestiegen, wir haben einen langsamen Aufbau vorgenommen. Der Rhythmus war aber bei mir zum Glück relativ schnell wieder da. Durch mein Studium und mein Examen bin ich Trainingspausen ja schon etwas gewohnt.
Wie haben Sie als Leistungssportler die vergangenen Wochen „überlebt“?
Angenehm war es nicht. Ich war in einer guten Form, voll im Plan Richtung Olympia-Qualifikation, die ja eigentlich am vorigen Wochenende für mich stattfinden sollte. Da kann man dann auch nicht von Hundert auf Null zurückfahren. Es ist extrem ungesund, aus einem Trainingshoch in den Stillstand zu kommen. Schon von daher muss man etwas machen. Mit Laufen und Radfahren versucht man den gewohnten Umfang halbwegs zu kompensieren, mehr ging allerdings nicht. Immerhin: Ich habe mein Gewicht gehalten und in der Corona-Pause nichts zugelegt.
Wie haben wir uns Schwimmtraining in diesen Zeiten vorzustellen?
Unter strengen Auflagen natürlich. Wir trainieren in Kleingruppen von fünf Leuten. Die Gruppen werden nicht verändert und bleiben in ihrer Zusammensetzung identisch. Jeder Sportler trainiert alleine auf einer Bahn und durch eine mobile Wand lässt sich das 50-Meter-Becken in zwei 25-Meter-Becken teilen. Dadurch können wir mehr Abstand zueinander schaffen. Nach dem Training sind wir angehalten, möglichst schnell nach Hause zu gehen.
Wie ist unter diesen Umständen das subjektive Sicherheitsgefühl?
Das ist schon okay, ich habe da keine Bedenken. Der Weg zum Training mit öffentlichen Verkehrsmitteln ruft da, trotz Mundschutz, etwas mehr Unbehagen hervor.
Wir alle hatten zuletzt mehr freie Zeit als gewöhnlich. Was haben Sie mit ihrer angestellt?
Ich habe sie für meine Doktorarbeit genutzt, da kam keine Langeweile auf. Ich bin froh, dass ich die trainingsfreie Phase zumindest so nutzen konnte. Hätte ich normal weitertrainiert, wäre ich wohl erst im Oktober beim jetzigen Stand gewesen.
Im Oktober sollte eigentlich Olympia in Tokio bereits der Vergangenheit angehören...
Ja, und wer weiß, ob die Spiele im nächsten Jahr stattfinden können. Das scheint ja auch noch in den Sternen zu stehen.
Haben Sie sich schon für oder gegen Olympia 2021 entschieden?
Noch nicht, aber ich muss für mich persönlich in nächster Zeit eine Entscheidung treffen, um das Training für die Olympischen Spiele auch voll fokussiert angehen zu können.
Sie haben ja die Olympia-Qualifikation noch nicht sicher. Wann, glauben Sie, können wieder Wettkämpfe stattfinden?
Wenn ich das wüsste. Leider lässt sich derzeit überhaupt nichts planen, und so setze ich halt mein dosiertes Training vorerst fort: vier Tage die Woche Schwimmen und zweimal Laufen oder Radfahren.
Welches Bild zeigt der Schwimmsport momentan? Wie kommt er durch die Krise?
Für uns Athleten ist derzeit eine gewisse Ungerechtigkeit sichtbar. In manchen Ländern durfte trainiert werden, in manchen nicht. Dass zudem keine Dopingkontrollen stattfinden, sorgt auch noch für ein ungutes Gefühl.

Lesen Sie hier: Das sind die Reaktionen auf das Karriere-Ende von Jan-Philip Glania.

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