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Bei Kickers Offenbach ging Max Lesser (rechts) den ersten Schritt im Profifußball – jetzt folgt der nächste.

Neue Herausforderung für 25-jährigen Maberzeller

Interview mit Max Lesser über sein neues Amt in Stuttgart, Offenbach und die freie Zeit

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Max Lesser geht in der neuen Saison den nächsten Schritt in seiner Trainerlaufbahn. Als Co-Trainer Analyse bei der U 21 des VfB Stuttgart beginnt eine neue Herausforderung für den 25-jährigen Maberzeller.

Warum haben Sie sich für den Schritt nach Stuttgart entschieden?
Der VfB hat eines der besten Nachwuchsleistungszentren des Landes und ist nicht umsonst deutscher Rekordmeister im Jugendbereich. Es gibt ja zahlreiche Spieler, die über die U 21 den Sprung in die Bundesliga geschafft haben. Ich denke dabei an Akteure wie Weltmeister Sami Khedira oder die späteren Nationalspieler Antonio Rüdiger, Sebastian Rudy und Bernd Leno, die allesamt in Stuttgarts Nachwuchsbereich ihre ersten Gehversuche unternommen haben.
Im Gegensatz zu anderen zweiten Mannschaften gibt es in Stuttgart eine U 21 und keine U 23. Warum?
Einige Spieler des Kaders könnten noch für die A-Jugend spielen, werden aber frühzeitig hochgezogen und damit bestmöglich auf spätere höhere Aufgaben vorbereitet. Wir wollen junge, hochtalentierte Spieler entwickeln und ihnen eine Plattform geben. Viele trainieren schon bei der ersten Mannschaft mit, spielen dann aber in der U 21, um Praxis zu sammeln. Die Durchlässigkeit ist gegeben.
In der unterbrochenen Oberliga-Saison liegt Stuttgart auf Rang eins, noch ist aber unklar, wie es mit der Spielzeit weiter geht. Nur wenige Tage vor dem Aussetzen des Spielbetriebs haben Sie einen langfristigen Vertrag unterschrieben...
Ich bin sehr froh, dass es vorher noch geklappt hat. Die langfristig angestrebte Zusammenarbeit war für mich ein ausschlaggebendes Kriterium. Ich habe schon im November in Stuttgart hospitiert. Dabei wurde schnell deutlich, dass Verein und ich über die selbe Denkweise verfügen, deswegen bin ich nach Ausschreibung der Stelle schnell proaktiv geworden. Ich wollte zu einem Club, der langfristig plant und bei dem ein sportliches Fundament gegeben ist. Das ist anders als im Tagesgeschäft Zweite oder Dritte Liga, wo du direkt liefern musst.
Gab es seit Ihrer Entlassung bei Regionalligist Kickers Offenbach im September 2019 andere Offerten?
Im Winter saß ich auf gepackten Koffern, ich war sehr weit mit einem Verein. Das Gesamtpaket war aber nicht stimmig genug – ich hatte nicht die hundertprozentige Überzeugung, in dieser Konstellation im Haifischbecken Dritte Liga eine langfristige Aufgabe antreten zu können.
War eine erneute Zusammenarbeit mit dem Trainer aus Offenbacher Zeiten, Daniel Steuernagel, bei Drittligist KFC Uerdingen ein Thema?
Ich würde immer wieder mit ihm zusammenarbeiten. Die Konstellation in Uerdingen hat eine Zusammenarbeit nicht hergegeben, ich habe aus der Ferne und teils vor Ort aber gerne mitverfolgt, mit welch guter Arbeit Daniel den Verein stabilisiert hat.
Mit einigen Monaten Abstand: Wie beurteilen Sie Ihre Zeit in Offenbach von Amtsantritt im Sommer 2018 bis zum vorzeitigen Ende?
Daniel und dem ehemaligen Sportdirektor Sead Mehic bin ich sehr dankbar, ohne sie würde ich wahrscheinlich heute noch als Torgranate-Redakteur im Büro sitzen. Sie haben einem 23-jährigen No-Name aus Fulda damals einen riesigen Vertrauensvorschuss gegeben. Hinter mir liegt eine herausragende Erfahrung mit einem herausragenden Trainer- und Funktionsteam. Offenbach wird immer ein besonderer Verein für mich sein. Es freut mich zudem sehr, dass sich nach der Bekanntgabe des Wechsels nach Stuttgart so viele ehemalige Spieler bei mir gemeldet und mich beglückwünscht haben. Das zeigt mir, dass in dieser Zeit viele persönliche Bindungen entstanden sind.
Der OFC startete diese Saison mit 13 Punkten aus fünf Spielen und Platz eins erfolgreich, ehe vier Spiele mit nur einem Punkt und Tor folgten. Hat Sie die Entlassung in der Frühphase der Saison überrascht?
Letztlich war ich darauf schon ein wenig vorbereitet und wurde nicht aus heiterem Himmel getroffen. Schon nach der zweiten Pleite hatte sich angebahnt, dass der Stuhl wacklig war. Letztlich konnten wir den Ausfall zweier Eckpfeiler mit Richard Weil und Kevin Pezzoni nicht kompensieren. Diese positive Dynamik nach dem Start mit 8000 Zuschauern bei den Heimspielen ist dann schnell in Richtung Frustration und Angst umgeschlagen.
Wie sind Sie mit Ihrer ersten Freistellung umgegangen?
Ich habe nach der Entlassung erst einmal ein paar Wochen gebraucht, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Ich habe gelernt, was es bedeutet, unter besonderem Druck zu arbeiten. Es gibt immer Stellschrauben, an denen man anders hätte drehen können, ich war und bin sehr selbstkritisch. Am Ende bin ich mit meiner Arbeit aber im Reinen.
Was haben Sie anschließend in Ihren freien Monaten gemacht?
Ich konnte viel Zeit mit meinen Freunden verbringen, die ich durch die Zeit in Offenbach vernachlässigt habe. Ab Sommer werden wieder viele Sachen auf der Strecke bleiben, wenn ich nach Stuttgart ziehen werde. Ich habe auch für meinen Heimatverein Maberzell/Gläserzell in der Reserve zweimal die Schuhe geschnürt und war einige Male bei FT Fulda, Hosenfeld oder Horas Zaungast, um meine Kumpels zu unterstützen. Mit FT-Coach Romeo Andrijasevic und Trainer-Koryphäe Klaus Wächter habe ich mich zudem wöchentlich in einem Fuldaer Café zum Austausch getroffen. Auch mit bekannten Trainern außerhalb der Region – darunter Jens Rasiejewski (ehemaliger Bochum-Trainer, Anm. d. Red.), so etwas wie mein Mentor – tausche ich mich regelmäßig in einem Video-Call aus. Ähnlich Verrückte teilen Gedanken und Ideen, das macht großen Spaß. Ich möchte die freie Zeit einfach nutzen, um mich persönlich weiterzuentwickeln und das Fundament meines Trainerdaseins inhaltlich noch mehr zu vertiefen. Die Zeit für taktische und persönliche Weiterbildungen in diesem Maße ist während eines Trainerjobs einfach kaum gegeben.
Als Co-Trainer Analyse werden Sie künftig Ex-Nationalspieler Frank Fahrenhorst assistieren. Wie kommt der Zusatz „Analyse“ in der Aufgabenbeschreibung zustande?
Ich habe in Offenbach gemerkt, dass ich in der Vermittlung und Videoanalyse meine Stärken habe. Ich sehe mich aber nicht als reiner Analyst, der in seinem Kämmerchen sitzt und dem Trainer nur Sequenzen schneidet. Ich will auf dem Trainingsplatz mitarbeiten und meine bisherigen Erfahrungen einbringen.
Im Stuttgarter Nachwuchs sind spätere Bundesliga-Trainer wie Thomas Tuchel oder Domenico Tedesco in ähnlichem Alter – auch als Co-Trainer – ihre ersten Gehversuche gegangen. Ist für Sie ein ähnlicher Weg möglich?
Das zeigt mir, dass der Verein seine Trainer entwickeln kann und für mich deshalb der optimale Entwicklungsschritt ist. Ich maße mir aber nicht an, mich mit solchen Leuten zu vergleichen. Mein Fernziel ist es, irgendwann in der Bundesliga zu arbeiten. Mir ist klar, dass dort alle hinwollen. Aber ich scheitere lieber an einem großen Ziel und kann mir später nichts vorwerfen, als das Ziel zu niedrig angesetzt zu haben.
Also ist es Ihr Wunsch, über die U 21 in die Profimannschaft des VfB zu gelangen?
Das wäre jetzt der völlig falsche Zeitpunkt und Ansatz. Die Schnelllebigkeit des Fußballs habe ich in Offenbach kennengelernt, wo ich nach fünf Spieltagen wohl noch verlängert hätte, drei Wochen später aber im Café in Fulda saß. Ich möchte einfach der beste Trainer werden, der ich sein kann. Wohin mich das am Ende des Tages führt, wird sich zeigen.

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