Im gestreckten Galopp geht es über Felder und Wiesen, immer den Hunden hinterher, die mit ihren feinen Nasen der Schleppe folgen. Der rote Rock ist übrigens ein Symbol für den erfahrenen Jagdreiter. Diesen bekommt er nämlich erst nach einer gewissen Anzahl absolvierter Jagden überreicht.
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Im gestreckten Galopp geht es über Felder und Wiesen, immer den Hunden hinterher, die mit ihren feinen Nasen der Schleppe folgen. Der rote Rock ist übrigens ein Symbol für den erfahrenen Jagdreiter. Diesen bekommt er nämlich erst nach einer gewissen Anzahl absolvierter Jagden überreicht.

Kein lebendes Wild mehr

Im Galopp der Meute hinterher: Jagdreiter Fulda führen jahrhundertealte Tradition fort

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Ums Gewinnen geht es hier nicht. Die Jagdreiter Fulda pflegen jahrhundertealtes Brauchtum, die Wildjagd zu Pferd und mit Hundemeute. Früher war diese dem Adel vorbehalten, heute ist jeder Reiter willkommen. Und lebendes Wild wird natürlich längst nicht mehr gejagt.

Fulda - „Der Einklang von Tradition und Moderne, der Sport mit Hunden und Pferden, die Verbundenheit mit der Natur, der Klang der Jagdhörner und das Miteinander der Jagdreiter – all das kann mir nur das Jagdreiten bieten“, schwärmt Sabine Walter über ihren Sport. Walter ist Vorsitzende des Vereins Jagdreiter Fulda, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Brauchtum des Jagdreitens zu pflegen.

Früher sei es Tradition in vielen Reitvereinen gewesen, am Ende der Turniersaison im Herbst eine Jagd zu veranstalten, so Walter. Aus unterschiedlichen Gründen werde das immer weniger. In der Region gehören die Jagdreiter Fulda mittlerweile zu den wenigen Ausrichtern, die noch regelmäßig Schleppjagden veranstalten. Die jährlich im Oktober stattfindende Zwei-Meuten-Jagd rund um Schloss Fasanerie ist laut Sabine Walter mit bis zu 80 Teilnehmern die größte hessische Jagdveranstaltung.

Und eine solche Jagd ist ein echtes Ereignis. Neben den Reitern und ihren Pferden steht dabei vor allem die Hundemeute im Mittelpunkt. Ohne sie geht nämlich gar nichts. Die Jagdreiter Fulda sind in der Regel mit den Beaglen der Vogelsbergmeute oder den Foxhounds der Taunusmeute unterwegs. Die Hunde, angeleitet von der sogenannten Equipage, führt das Jagdfeld an und folgt der Spur, die vom voranreitenden Schleppenleger ausgelegt wird.

Jagdreiter Fulda pflegen jahrhundertealte Tradition

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„Dabei geht es im Übrigen ganz und gar unblutig zu“, erläutert Walter. „Die Wildjagd ist in Deutschland bereits seit 1934 verboten. Unsere Hunde folgen einem flüssigen Duftstoff, der aus einem Kanister tropft, den der Schleppenjäger am Sattel befestigt hat.“ Früher wurde dieser Duftstoff, etwa Pansenlauge oder Fuchslosung, auf eine Kugel oder einen Schwamm gegeben, den der Reiter hinter sich her zog. Daher stammt der Name Schleppjagd.

Hinter der Equipage – die Mannschaft, die sich auch außerhalb der Jagden um die Hunde und deren Training kümmert – folgen im Pulk die Reiter, meist in zwei Feldern. Im einen Feld werden die Hindernisse auf der Strecke übersprungen, im zweiten nicht. So kann sich jeder Reiter nach seinen Fähigkeiten einreihen. „Die Jagdstrecke führt über eine Entfernung von 10 bis 20 Kilometern und ist aufgeteilt in mehrere Schleppen“, erklärt Walter. Jede Schleppe wird im gestreckten Galopp geritten, dazwischen folgen Schrittphasen und Trinkpausen für die Hunde. Wer ein solches Feld schon einmal über Wiesen und Felder hat jagen sehen, vorneweg die freudig bellende Hundemeute, hinterdrein die Reiter in ihrer Jagdkleidung, der weiß: Da zeigt sich ein beeindruckendes Bild.

Die Kleidung kommt übrigens nicht von ungefähr, wie Sabine Walter, seit 25 Jahren passionierte Jagdreiterin, weiß: „Erfahrene Jagdreiter erkennt man am roten Rock. Dieser wird nach einer bestimmten Anzahl absolvierter Jagden verliehen. Der Jagdreiter im roten Rock ist Vorbild für weniger erfahrene Reiter und hat damit eine besondere Verantwortung.“

Außerdem ist Rot als Signalfarbe im Wald gut erkennbar. Denn Nutzen steht bei der Jagdkleidung vor der Optik. So sind die Röcke etwa dicht gefilzt, damit sie die herbstliche Feuchtigkeit und Kälte abhalten. Auch das lange, handgebundene Halstuch, das Plaston, dient nicht nur dem Schmuck, sondern ebenso als Verbandsmaterial bei eventuellen Verletzungen von Pferd oder Reiter.

Und noch eines: Bei der Jagd gibt es weder Gewinner noch Verlierer, den Reitern geht es um das Miteinander mit Tieren und Natur. „Schleppjagd heute ist Sport und Freizeitvergnügen, aber auch die Pflege von Tradition und Brauchtum“, sagt Sabine Walter.

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