Sportkegler haben kaum noch eine Zukunft ohne die Kegelbahnen in den Gaststätten.
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Wenn die Gaststätten dicht machen, haben auch die Sportkegler kaum noch eine Zukunft.

Kegler suchen nach Alternativen

Sportkegeln: Für die Vereine wird es wegen Corona und fehlender Gaststätten immer schwieriger

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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Hochklassigen Kegelsport gibt‘s dank der KSG 99 Neuhof in Osthessen seit 20 Jahren. Doch die Freunde der neun Kegel und farbigen Kugeln haben zunehmend Probleme, die übrigens nicht nur an Corona liegen.

Fulda - „Natürlich macht uns das Coronavirus zu schaffen“, räumt Werner Balzer ein, der seit 40 Jahren kegelt, viele Jahre für den osthessischen Primus, die KSG Neuhof, die in der 2. Bundesliga aktiv ist. Viel mehr Sorgen bereiten dem 54-Jährigen aber das Gaststättensterben und die Nachwuchsprobleme.

Die identischen Probleme beschreibt Jürgen Pfeiffer, Vorsitzender des VFK Fulda: „Unser Verein betreibt keine eigenen Anlagen, ist also darauf angewiesen, dass die Gaststätten öffnen.“ Über die sozialen Medien bleibe man zwar in Kontakt, aber die Geselligkeit gehe komplett verloren. „Der Saisonabbruch erst durch den Bundes-, später den Landesverband war die einzig richtige Entscheidung“, lobt der 52-jährige Fuldaer. „Sie hätte aber durchaus etwas früher kommen müssen.“

Corona: Keine Wettkämpfe für den Kegel-Nachwuchs

Bezüglich des Nachwuchses räumt Pfeiffer ein, dass der es um einiges schwerer habe. „Die jungen Kegler haben sowieso nur wenige Wettkämpfe, im vergangenen Jahr ist bereits alles ausgefallen, inklusive der WM“, sagt Pfeiffer, der aber hofft, für die Jugend in diesem Jahr noch etwas retten zu können: „Das ist sehr wichtig für die Motivation.“ Balzer hat ein weiteres Problem registriert: „Die Jugend ist schulisch heute sehr viel stärker eingespannt, was die Freizeitmöglichkeiten einschränkt.“

Dem Gaststättensterben soll in Neuhof auf andere Weise begegnet werden. „Weil unsere Kegelbahnen meistens in Gaststätten untergebracht sind, fallen durch das Schließen der Lokale unsere Sportstätten weg“, sagt Balzer. Das stelle viele Sportkegelvereine vor Probleme. Und über kurz oder lang müssten sie aktiv werden.

In Neuhof: Ein Gebäude für viele Vereine

„Wir haben bereits vor zwei Jahren mit Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz gesprochen. Uns schwebt ein Gebäude vor, das mehrere örtliche Vereine nutzen können, für die alleine ein eigenes Vereinshaus eine Nummer zu groß wäre“, formuliert der passionierte Bundesliga-Kegler. Eine Kegelanlage nehme natürlich viel Platz in Anspruch, räumt Balzer ein, der betont, dass „bei Großveranstaltungen die Bahn mit wenig Aufwand umgebaut werden kann“.

Dann wäre ein regelmäßiger Trainingsbetrieb sichergestellt, wenngleich die KSG mit dem Landgasthof Imhof in Rommerz keine Probleme hat. „Wir zahlen die Gebühren für das Anmieten der Anlage trotz der Corona-Pause sogar zum Teil weiter, um unseren Vereinswirt zu unterstützen.“

Restart nach Corona: Kegler hoffen auf Training im April

Balzer und Pfeiffer hoffen, dass es spätestens im April mit dem Training wieder losgehen kann: „Wenn die Gaststätten geöffnet werden, sollten wir unter Auflagen wieder kegeln dürfen“, findet Balzer. Ein Hygienekonzept sei das kleinste Problem: „Die Bahnen sind meist zwei Meter breit und 25 Meter lang. Das sind 50 Quadratmeter pro Spieler“, rechnet der Spitzenkegler vor.

Kugeln und Stellautomaten würden nach jedem Spieler desinfiziert; manche hätten sogar ihre eigenen Kugeln. Im Aufenthaltsraum würde die Anzahl der Zuschauer begrenzt, ferner Möglichkeiten zur Händedesinfektion aufgestellt. Und Pfeiffer ergänzt, dass die beiden vom VFK genutzten Anlagen ebenerdig seien und über zwei Türen verfügen. „Diese sind auf Durchzug gestellt. Außerdem sind die Lüftungen der Anlagen stets eingeschaltet.“

„Wir werden uns langsam steigern“, formuliert Pfeiffer in Hinblick auf zu erwartenden Muskelkater. „Es wird mit 60 bis 70 Wurf angefangen und dann Stück für Stück auf 120 und 150 Wurf gesteigert.

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