Mit einem Ball kommt ein Sport-Minigolfer nicht aus. Für den perfekten Schlag zählt jedes Detail: Material, Härtegrad, Beschichtung, sogar Temperatur.
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Mit einem Ball kommt ein Sport-Minigolfer nicht aus. Für den perfekten Schlag zählt jedes Detail: Material, Härtegrad, Beschichtung, sogar Temperatur.

Auf den richtigen Ball kommt es an

MGC putter Künzell spielt bereits sechste Bundesliga-Saison im Minigolf - doch der Nachwuchs fehlt

Auf die große Bühne schafft es der Minigolfsport nur selten. Dabei glänzen die besten Teams mit Topleistungen. So auch der MGC putter Künzell, der im kommenden Jahr in seine bereits sechste Bundesliga-Saison geht.

Künzell - Es gibt nicht viele osthessische Teams in der Bundesliga. Da wäre, na klar, der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, der in der Tischtennis-Bundesliga dreimal die Deutsche Vizemeisterschaft errang. Nicht sofort in den Sinn dürfte einem eine weitere Mannschaft kommen: der MGC putter Künzell, der sich seit drei Jahren in der Minigolf-Bundesliga mit den besten Teams der Republik misst.

Es ist schließlich kein Geheimnis, dass der Minigolfsport meist abseits der großen Bühnen stattfindet. Wer aber einmal ein Heimspiel der Künzeller besucht, der wird feststellen: Das tut er zu Unrecht. Konzentration, Präzision und Nervenstärke verlangt der Sport vom Spieler. Leistungen nahe der Perfektion gibt es bei den Heimspielen im Grezzbachpark zu sehen – und natürlich große Emotionen. Kurzgesagt: Minigolf wird unterschätzt.

Minigolf: MGC putter Künzell stieg 2013 erstmals in die Bundesliga auf

Die Frage, ob ihr Sport denn auch wirklich ein Sport sei, hören die Künzeller in schöner Regelmäßigkeit. „Ich sage dann immer“, so berichtet MGC-Sportwart Christoph Wess: „Kommt einfach vorbei und schaut euch an, was wir hier machen. Denn nur dann kann man verstehen, wie unser Sport funktioniert.“

Bundesligist Michael Dittrich beobachtet, ob sein soeben geschlagener Ball in die gewünschte Richtung geht. Präzision gehört zum Minigolfsport ebenso dazu wie Emotionen.

2013 stieg der MGC putter erstmals in die Bundesliga auf. Nach dem Abstieg 2015 folgte 2017 die Rückkehr ins Oberhaus. Mit einem Erfolg auf eigener Anlage am letzten Spieltag stellte die Mannschaft damals den Aufstieg sicher. Insgesamt 632 Schläge benötigte das siebenköpfige Team für vier Runden auf der Beton-Anlage bei einem Streichergebnis pro Durchgang – macht durchschnittlich 26,3 Schläge pro Runde. Wess selbst stellte an diesem Tag mit einer 21er-Runde den Bahnenrekord ein. Nur dreimal also war ihm kein Ass gelungen.

Professioneller Minigolfsportler achtet auf Wahl des Balls - Jedes Detail ist wichtig

Der professionelle Minigolfsport unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom Freizeitspiel. Das trifft insbesondere auf die Wahl des Balls zu: Während unsereins auf die hauseigenen Bälle zurückgreift, verfügen Wess und Co. über ein Arsenal an Bällen. Material, Härtegrad, Beschichtung, Temperatur – jedes Detail zählt für den perfekten Schlag. Und so wird auch mal der Ball in einer eigens mitgeführten Socke in die Hose gesteckt, um körpernah auf die gewünschte Temperatur gebracht zu werden. Hinzu kommen die äußeren Umstände, das Wetter etwa und der Zustand der Bahn. Nur wenn der Spieler alle Faktoren korrekt berücksichtigt, gelingt das Ass. Ohne Erfahrung geht nichts.

Vor einem Spieltag investieren die Künzeller daher viel Zeit ins Training. Mehrere Wochenenden verbringen sie von morgens bis abends auf der Anlage des jeweiligen Spielorts, um jede Facette jeder Bahn kennenzulernen.

Wegen Corona: Bundesliga-Saison für MGC putter Künzell gelaufen - Kein Minigolf möglich

In diesem Jahr aber kam, natürlich, auch im Minigolf alles anders als erwartet. Die gesamte Saison wurde aufgrund der Covid-19-Pandemie gestrichen. Zudem musste die Feier zum 50-jährigen Vereinsbestehen verschoben werden. Wess ringt der Situation zumindest etwas Positives ab: „Wir sind ein Jahr länger in der Bundesliga“, stellt der 41-Jährige nüchtern fest. Und: „Letztlich sind wir froh, dass wir die Anlage überhaupt für den Publikumsverkehr öffnen konnten.“

Bei dieser Anlage, dem Minigolfpark Künzell, handelt es sich um eine national und international geschätzte Spielstätte. Bewirtschaftet wird sie von Peter Trettl, der guten Seele des Vereins. Was immer im Grezzbachpark passiert, der 78-Jährige hat es im Blick. „Was Peter leistet, ist einfach Wahnsinn“, sagt Wess anerkennend. Drei Systeme können hier gespielt werden: Beton, Eternit und Filz – macht dreimal 18 Bahnen, also insgesamt 54. Zahlreiche große Turniere fanden bereits in Künzell statt. Besonders stolz ist der Verein auf die Abwicklung der Senioren-Europameisterschaft 2011.

Beim MGC putter Künzell fehlt der Nachwuchs - Konkurrenz im Freizeitangebot so groß wie nie

Alles in Butter also beim MGC putter? Nicht ganz. Auch die Künzeller kämpfen mit der Situation im Nachwuchsbereich. „Klar würden wir uns gerne verjüngen, aber die Konkurrenz im Freizeitangebot ist so groß wie nie“, sagt Wess. Zusätzlich erschwert wird das Werben um den Nachwuchs dadurch, dass es derzeit keine zweite Mannschaft beim MGC gibt, Talente sich also rasch auf höchstem Niveau beweisen müssen.

Die Türen aber stehen jedem ambitionierten Spieler offen. Und wer noch immer meint, locker mithalten zu können, für den hat Wess ein verlockendes Angebot für den Einstieg: „Wer glaubt, er könne das auch, kann gerne mal um ein Bier gegen mich spielen“, sagt er und lacht. (von Patrick WIchmann)

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