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An ihrem Geburtstag: Sara Gambetta verteidigt DM-Titel - ist aber unzufrieden

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Von: Angelika Kleemann, Leon Schmitt

Die Kugelstoßerin Sara Gambetta aus Schlitz-Rimbach hat am Samstag bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund erneut den Titel geholt.
Die Kugelstoßerin Sara Gambetta aus Schlitz-Rimbach hat am Samstag bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund erneut den Titel geholt. © Stefan Mayer/Eibner-Pressefoto/dpa

Sara Gambetta hat ihren Titel bei den Deutschen Hallenmeisterschaften verteidigt - an ihrem 30. Geburtstag. Mit ihrer Leistung ist die Kugelstoßerin aus Schlitz-Rimbach allerdings trotzdem unzufrieden.

Update vom 18. Februar, 18.11 Uhr: Die Titelverteidigung ist Sara Gambetta geglückt: Mit einer Weite von 18,38 Metern hat es die Kugelstoßerin aus Schlitz-Rimbach bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund wieder nach ganz vorne geschafft.

Kugelstoßen: Sara Gambetta verteidigt DM-Titel an ihrem Geburtstag

Trotz des DM-Titels an ihrem 30. Geburtstag ist Gambetta mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden: „Die 18,38 sind einfach nicht das, was ich gerade drauf habe. Im Training läuft es schon wesentlich besser“, sagte sie in einem Interview im sportschau.de-Livestream.

Die Rimbacherin, die sich bei dem Turnier mindestens 18,50 Meter erhofft hatte (siehe Erstmeldung), begründete die für sie unbefriedigende Leistung mit Aufregung: „Ich glaube, das hat ein bisschen was damit zu tun, dass ich im Wettkampf noch angespannt bin und zeigen möchte, was ich mit meinem neuen Trainer erarbeite. Und das fällt mir gerade noch nicht so leicht.“

Gambetta will nun an ihrer mentalen Stärke arbeiten, um ihre guten Leistungen in Training auch bei den kommenden Turnieren - etwa der Hallen-Europameisterschaft im März - abrufen zu können. Aber erstmal wird Geburtstag gefeiert - mit Freunden, von denen Gambetta im Stadion überrascht wurde, wie die frischgebackene 30-Jährige verriet.

Erstmeldung vom 18. Februar, 6.37 Uhr:

Fulda - Ihren heutigen Geburtstag hat Sara Gambetta ohne großes Tamtam begonnen. Die Zahl 30 hat für sie keine Bedeutung. Die 19 oder die 19,50 schon. Da will sie hin. Dem ordnet sie alles unter. Dafür hat sie sich neu aufgestellt. 

Erstes Ziel der gebürtigen Rimbacherin ist heute bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund die Titelverteidigung. Eine „18 hoch“ habe sie derzeit drauf, ist sich Sara Gambetta (SV Halle) sicher. Die 19 wäre ein schöner Ausrutscher nach oben, die 19,50 seien unrealistisch. „Das braucht noch seine Zeit. Wir haben technische Sachen umgestellt, das muss ich erst noch umsetzen“, schiebt die Olympia-Achte als Erklärung hinterher. „Technik und Aggressivität spielen noch nicht so zusammen, da fehlt es noch.“

Sara Gambetta wechselt nach verkorkstem Jahr ihren Trainer

Mit wir ist allerdings nicht mehr ihr langjähriger Trainer René Sack gemeint. Von dem hat sie sich vergangenen Herbst getrennt. Nach neun Jahren. „Ich brauchte eine Veränderung. Ich war einfach unzufrieden“, blickt die Athletin des SV Halle/Saale auf ein verkorkstes Jahr 2022 zurück, das allerdings gut begann und das Zeug gehabt hätte, zu ihrem Jahr zu werden: Mit 19,05 Metern und Bestleistung in der Halle ging es gut los, hatte Sara Gambetta endlich die Marke übertroffen, die das Tor zur Weltspitze öffnet.

„Ich war so positiv gestimmt, hatte mich körperlich weiterentwickelt und wollte bei der Heim-EM in München unbedingt um eine Medaille mitstoßen.“ Doch die erhofften Weiten blieben im Sommer aus. Zudem differierten die Leistungen bei Wettkämpfen teilweise um einen Meter. Am Ende war es bei der EM in München der enttäuschende fünfte Platz mit einer enttäuschenden Weite von 18,48 Metern. Ein halber Meter fehlte zu Bronze.

Als sich dann Gambettas Trainingsgruppe am Bundesstützpunkt in Halle auflöste, stellte sie sich die Frage, ob sie in dieser Konstellation in der Lage sei, 19,30 bis 19,50 Meter zu stoßen. „Die finale Frage habe ich für mich mit einem klaren Nein beantwortet“, sagt sie. Dabei stand das Thema Trainerwechsel schon 2021 einmal im Raum, war dann aber nach erfolgreichem Olympiastart vom Tisch.

Zumindest im privaten Bereich endete das Jahr 2022 mit einem Highlight und einem klaren Ja. Sara Gambetta heiratete ihre langjährige Lebenspartnerin Josephine Terlecki, selbst einmal eine international erfolgreiche Kugelstoßerin und nun sächsische U 18-Landestrainerin im Bereich Wurf in Halle. „Josi sah, wie angespannt ich war, wie ich litt, dass es nicht vorwärts ging.“ So setzte Sara ihre Überlegungen in die Tat um und wechselte zum Leitenden Bundestrainer Wurf/Stoß Sven Lang, dem Trainer der ehemaligen Weltmeisterin Christina Schwanitz. Sie fühlte bei Lang vorsichtig vor, nannte ihm zwei bis drei Optionen, wie sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. „Denn ich wollte nicht komplett wegziehen aus Halle.“

Lang fand das Angebot reizvoll. Seitdem pendelt Sara Gambetta zwischen Halle, wo sie weiterhin mit ihrem Athletiktrainer Simon Overkamp zusammenarbeitet, Chemnitz, dem Sitz ihres neuen Trainers, und dem Olympischen Leistungszentrum in Kienbaum, wo Trainingslager stattfinden. Ihr Lehramtsstudium für Biologie und Sport hat sie vorerst auf Eis gelegt. „Dafür habe ich keinen Kopf, der Stress-Level ist zu hoch. Ob ich nun mit 33 oder 34 Jahren in den Schuldienst gehe, interessiert niemanden“, erklärt sie.

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris, das wären ihre dritten, hat die mehrfache Deutsche Meisterin zwar im Blick, doch bis dahin könne noch viel passieren. „Das ist Zukunftsmusik. Ich bin im ersten Trainingswinter.“ Denn die jüngere Konkurrenz mit der weitenträchtigen Drehstoßtechnik sitzt ihr im Nacken. „Die stoßen reihenweise mehr als 19 Meter“, da müsse man bei Olympischen Spielen schon mit 19,50 Metern kontern. Eine Weite, die für Sara Gambetta möglich ist. Dann hätte sich der Trainerwechsel ausgezahlt.

Beim Rochlitzer Kugelstoßmeeting in Konstanz erzielte die Olympia-Achte aus dem Vogelsberg erneut ein Ergebnis im Bereich von 18,50 Metern.

Vorerst übt sich die 30-Jährige in Geduld. Heute (15.47 Uhr) möchte sie bei der Hallen-DM in Dortmund ihren Titel verteidigen und mit konstanten Weiten jenseits der 18,50 Meter überzeugen. Bei der Hallen-EM in Istanbul (2. bis 5. März.) soll es weiter gehen. Mit ihrer diesjährigen Bestweite von 18,57 Metern rangiert sie im Starterfeld der Hallen-EM unter den Top-5. „Mal gucken, für was es dann reicht“, blickt sie auf den März. Das Wort Medaille nimmt sie vorerst nicht in den Mund, die Zahl 19 auch nicht.

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