Eric Herbert gibt Gas. Eine tiefe 53 über die Langhürden ist das Ziel.	(Archivfoto)
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Eric Herbert gibt Gas. Eine tiefe 53 über die Langhürden ist das Ziel. (Archivfoto)

Leichtathletik

Eric Herbert aus Oberkalbach ist von der Late-Season überrascht

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Eric Herbert ist in die kaum für möglich gehaltene Wettkampfsaison eingestiegen. Auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft hat der 21-jährige Oberkalbacher mehr zu überwinden als die zehn Hürden auf der Stadionrunde. 

Fulda - Eric Herbert ist ein ganz schneller. Im Sport sowieso, aber auch im Studium. Der 21-Jährige hat seit Oktober seinen Bachelor in Wirtschaftsmathematik in der Tasche und inzwischen das erste Viertel seines Masterstudiums in Frankfurt absolviert.

Sportlich wollte er es in diesem Jahr noch mal wissen, gab mit etwas Wehmut sein Startrecht für seinen Heimatverein TV Flieden ab und wechselte zur LG Eintracht Frankfurt. „Wir haben eine super Trainingsgruppe, es funktioniert gut“, ist Herbert voll des Lobes, zumal das Training inzwischen wieder fast Normalität erreicht hat. Fünf Einheiten in der Woche stehen an.

Die Deutsche Meisterschaft-Teilnahme ist allerdings in weite Ferne gerückt, denn der Mathematiker hat sich schlichtweg „verrechnet“. Corona – eine Gleichung mit einer Unbekannten – fordert ihren Tribut. Eric Herbert gesteht: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass eine Saison zustande kommt.“

Wegen Corona: Eric Herbert hat sich von März bis Mai in Oberkalbach fit gehalten

Nach ordentlichem Wintertraining hielt sich Herbert coronabedingt von März bis Mai im heimischen Oberkalbach fit, lieh sich bei seinem langjährigen Fliedener Trainer Gerhard Reichenauer Hürden für das Training aus. An Motivation mangelte es nicht. Doch mit zunehmender Dauer des Sportstätten-Lockdowns, der Absage von Wettkämpfen und nach Bekanntwerden des Verbots von Großveranstaltungen bis Ende August war für Herbert klar, dass keine Wettkampfsaison zustande kommen wird: Sein Enthusiasmus verpuffte zusehends. „Dann bin ich nur noch gejoggt und habe Ausdauer trainiert. Die Grundlagenausdauer ist mehr als gut, das bringt mir aber nichts“, realisiert er, gibt sich jedoch kämpferisch und nimmt die Late-Season in Angriff.

Am Wochenende stand der erste Wettkampf in Wetzlar an. Mit 54,48 Sekunden über die 400 Meter Hürden dominierte Eric Herbert zwar und nimmt den neunten Platz in der Deutschen Bestenliste ein; zufrieden mit seiner Leistung ist er nur bedingt. „Der Lauf war okay. Ich habe keine großen Fehler gemacht, bin aber mit der Zeit nicht zufrieden. Eine 53 sollte schon vor dem Komma stehen.“ Die Konkurrenz fehlte dem Neu-Frankfurter, zudem hatte er mit dem Gegenwind zu kämpfen. „Ich musste schon recht früh den Rhythmus wechseln“, sieht er Verbesserungspotenzial.

Eric Herbert geht nicht davon aus, an der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig teilzunehmen

Die Deutsche Meisterschaft am 8./9. August in Braunschweig sei zwar ein Ziel, doch geht Herbert nicht davon aus, dort in vier Wochen an der Startlinie zu stehen. „Die ersten 16 der deutschen Bestenliste qualifizieren sich, wobei die Zeiten vom vergangenen Jahr einfließen“, erläutert Herbert und weiß: „Mit meiner damaligen Zeit von 53,94 Sekunden kann ich nicht viel anfangen.“

Denn 2019 trat er wegen des Studiums etwas kürzer. Eine Chance, seine Zeit zu verbessern, hat er am 26. Juli in Regensburg. „Eine tiefe 53 wäre schön.“ Dass seine Bestzeit aus 2018 von 52,82 Sekunden derzeit außer Reichweite ist, davon geht Herbert aus. „Vielleicht gibt es einen Ausreißer nach oben, oder es fallen einige Konkurrenten aus“, sinniert er. Realistisch sei eine Deutsche Meisterschaft-Teilnahme allerdings nicht. Aber vielleicht hat sich Herbert hier auch verrechnet.

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