Trotz immensen Lernpensums für die Schule guter Dinge: Louis Schubert konzentriert sich an diesem Wochenende auf die Schwimm-DM.
+
Trotz immensen Lernpensums für die Schule guter Dinge: Louis Schubert konzentriert sich an diesem Wochenende auf die Schwimm-DM.

Sportler aus Eiterfeld

Louis Schubert startet bei Schwimm-DM in Berlin – und büffelt für die Mittlere Reife

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
    schließen

Louis Schubert (17) hat seit zwei Jahren keinen wichtigen Wettkampf mehr gewonnen. Ungewöhnlich für den Nachwuchsschwimmer aus Eiterfeld-Leibolz, der in seiner Altersklasse zur deutschen Elite zählt. Der Grund: Corona, was sonst?

Eiterfeld/Leipzig - Land in Sicht, eine wirklich prestigeträchtige Medaille zu gewinnen, ist für ihn noch immer nicht. Die Jahrgangsmeisterschaften sind zum dritten Mal abgesagt worden. Erst in Berlin vor ziemlich genau einem Jahr, dann in Dortmund im vergangenen Dezember. Und vor zwei Wochen, erneut in der Hauptstadt geplant, ging wieder nichts. „Ich verstehe das nicht“, sagt Schubert und fragt: „Wenn es für die offenen Deutschen Meisterschaften möglich ist, Hygienekonzepte zu erstellen, warum nicht für den Nachwuchs? Wir werden unserer sportlichen Ziele beraubt.“

Schwimmen ist ein Knochenjob: Jeden Tag aufs Neue heißt es Kacheln zählen, Bahn für Bahn ziehen. Schubert mag das, hat noch nie Motivationsprobleme gehabt. Doch irgendwann, Anfang dieses Jahres, machten ihm fehlende Wettkämpfe zu schaffen. „Wenn dir die Perspektive fehlt, wann du überhaupt mal wieder im Wettkampf schwimmen kannst, kostet das Prozente, die Laune der Mannschaft geht mehr und mehr in den Keller.“ (Lesen Sie auch: Zu viele Nichtschwimmer: DLRG fürchtet durch Corona mehr Badeunfälle)

Schwimmer Louis Schubert berichtet von Motivationsproblemen

Die Trainer im Leipziger Sportinternat, in dem Schubert seit fünf Jahren lebt und dort zunächst bleibt, obwohl er ab Sommer ein freiwilliges soziales Jahr am Leipziger Olympiastützpunkt absolvieren wird, haben sich deswegen Hilfe geholt. Einen Mentalcoach. „Es hilft“, sagt Schubert, der Einblick gibt: „Er versetzt sich in mich hinein, zeigt mir Perspektiven. Mein Motto lautet jetzt: Come back stronger.“

Stärker zurückkommen also und dabei nicht zu sehr mit dem vielleicht Verlorengegangenen hadern. „Manchmal denke ich schon, dass ich in den letzten beiden Jahren sicherlich einige Goldmedaillen gewonnen hätte. Das malt man sich, glaube ich, automatisch aus.“ Bei den bis dato letzten Jahrgangsmeisterschaften vor zwei Jahren stand er viermal ganz oben am Podium, durfte kurz darauf für Deutschland bei den EYOF starten. Olympia für den Nachwuchs. Eine Ehre.

Jetzt, so ehrlich ist Schubert, weiß er nicht genau, wo er steht. „Ich denke irgendwo da, wo ich mich leistungstechnisch vor der letzten einschneidenden Pause im vergangenen Oktober befunden habe.“ Aber er glaubt nicht, dass er gegenüber der nationalen Konkurrenz etwas aufzuholen hat, „weil schließlich jeder mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatte und ich mein Programm größtenteils durchziehen konnte“. Das war nicht immer im Wasser. Im vergangenen Herbst waren die Schwimmbäder in Leipzig sogar für den Leistungssport dicht. Sieben Wochen verbrachte Schubert zuhause. Ungewöhnlich für ihn. Er hat es genossen.

Genießen will er nun am Wochenende seine Premiere. Erstmals startet er bei den „richtigen“ Deutschen Meisterschaften. Den offenen. Er geht allerdings nur über 50 und 200 Meter Schmetterling ins Wasser. Zu sehr ist er dieser Tage in der Schule eingespannt, schreibt seine Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife. Vielleicht hilft dies die Nervosität für das Event am Samstag und Sonntag in Grenzen zu halten. Vorbereitet ist Schubert, das Training hat nicht gelitten in den vergangenen Tagen. Und damit so etwas wie Wettkampfstimmung aufkommt, organisierte das Sportinternat Kampfrichter, um unter einigermaßen regulären Bedingungen Wettkämpfe in der eigenen Halle zu proben.

Medaillenchancen hat Schubert, einziger qualifizierter Osthesse, nicht. An seine Bestzeiten will er heranschwimmen, die bei 0:25,81 und 2:02,96 Minuten liegen und etwas älter sind. Knackt er die, könnte es für ein A-Finale reichen. Da wäre er bei seiner Premiere gerne dabei. Und dann hofft Schubert auf Jahrgangsmeisterschaften. Ein paar Goldene holen. Gut für die Motivation.

Das könnte Sie auch interessieren