Fußballtrainer Marco Lohsse schaut am Spielfeldrand auf die Uhr
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Wann geht es wieder los? Fußballtrainer Marco Lohsse.

Trainer Marco Lohsse zu Corona

Amateurvereine könnten durch das Raster fallen

Seit annähernd 25 Jahren gehört Marco Lohsse zur hiesigen Fußballszene wie die Wurst zum Brot. Wer aber glaubt, dass der mittlerweile 41-Jährige wegen der Coronapause ins Tal der Tränen gesunken ist, der täuscht sich.

„Ich falle in kein Loch, selbst wenn es – wie für jeden anderen auch – eine ganz andere Zeit für mich ist. Seit ich 18 war, habe ich immer dreimal in der Woche trainiert und am Wochenende war ich sowieso am Sportplatz. Das hat sich jetzt natürlich komplett verändert“, so Lohsse, der sich mit ihm fast fremd gewordenen Dingen beschäftigt.

„Man macht einfach Sachen, für die man vorher keine oder nur bedingt Zeit hatte. Viel Zeit verbringe ich aktuell mit Gartenarbeit. Das habe ich aber schon immer zum Ausgleich gemacht. Dazu habe ich mal wieder das Fahrrad aus dem Keller geholt und auf Vordermann gebracht, so dass ich immer Mal auf dem Rad unterwegs bin. Oder ich gehe ganz einfach im Wald spazieren und genieße das. Mir fehlen zwar die privaten Kontakte, aber das Leben nach der Arbeit hat viel weniger Hektik. Das genieße ich“, verrät der Trainer der zweiten Mannschaft der SG Barockstadt.

Lohsse ist sich sicher, dass die Pause im Amateurfußball noch eine ganze Weile andauern wird. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir so schnell wieder auf dem Platz stehen werden. Vielleicht wird irgendwann in den kommenden Wochen das Training für einen gewissen Rahmen freigegeben, aber ob wir dieses Jahr noch mal spielen dürfen, steht in den Sternen“, gibt sich Lohsse nachdenklich.

Viel hängt momentan in der Schwebe – und der 41-Jährige hat aktuell besondere Schwierigkeiten. Der Grund: Lohsse, der die Barockstadt verlassen wird und ab Juli bei der TSG Lütter zugesagt hat, muss sich um die Belange von zwei Teams kümmern.

„Ich habe keine Ahnung, ob die Saison tatsächlich zu Ende gespielt werden kann und ich mit den Jungs von der Barockstadt noch mal zusammen komme. Wir sind außerdem im permanenten Austausch mit den Verantwortlichen in Lütter. Alle sind gleichermaßen ratlos und müssen die Situation abwarten. Ich würde mir einfach wünschen, dass wir relativ zeitnah eine Entscheidung vom Verband erhalten, damit wir zumindest planen können, wann es ungefähr und wie es dann weitergeht“, so Lohsse.

Er gibt zu bedenken, dass durch die fehlende Planungssicherheit Unsicherheiten aufkommen. „Wir sind ja beispielsweise in Lütter schon sehr weit mit der Kaderplanung. Was aber, wenn die Saison 2020/2021 abgesagt wird und dann ab März 2021 die ausstehenden Rückrundenspiele nachgeholt werden, nur damit die aktuelle Saison zu Ende gespielt wird. Was ist in einem Jahr mit den Spielern, die eigentlich für jetzt zugesagt haben. Das kann dir doch niemand sagen. Der Verband ist jetzt gefordert, Dinge zu entscheiden und diese den Vereinen mit auf den Weg zu geben. Wie auch immer die aussehen werden“, lässt der Coach verlauten.

Ohnehin sorgt sich Lohsse, dass der eine oder andere Amateurverein durch die Zwangspause nun durch ein Raster fallen könnte. „Ich hoffe nicht, aber die Gefahr ist groß. Die Möglichkeit, dass Sponsoren die Bande nicht mehr bezahlen können oder wollen, dass Spieler nach womöglich einem Jahr Pause vielleicht auf andere Interessen den Fokus legen, als auf den Fußball – das ist alles gegeben.“ Für Lohsse ist eines sowieso klar: „Wenn Firmen in die Insolvenz gehen, dann wird das seine Schatten auch auf den Fußball werfen. Wer das nicht glaubt, der träumt.“

kr

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