Nationalmannschaft

Das Bambi mit dem Magnet im Fuß - Zieht Jamal Musiala auch bei Flick an Sané vorbei?

Jamal Musiala hat Leroy Sané bei Bayern München vorerst den Rang abgelaufen – und schickt sich an, das nun sogar in der Nationalmannschaft zu tun.

Stuttgart - Beim Check-in im Stuttgarter Waldhotel hatte Leroy Sané die Nase vorn. Seine Tasche lässig geschultert und eine schwarze Corona-Maske mit Bayern-Wappen im Gesicht, spazierte der Münchner einige Meter vor Jamal Musiala ins Quartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Beim FC Bayern München aber hat das Ausnahmetalent dem ewigen Hoffnungsträger den Rang abgelaufen – und beim DFB-Neustart unter Hansi Flick droht Sané nun ein Deja-vu der unangenehmen Sorte.

„Gerade in dieser Phase ist es wichtig, dass er unsere Unterstützung bekommt“, sagte Flick zwar und betonte: „Wir halten an ihm fest, wir vertrauen ihm. Er hat eine enorme Qualität, die uns weiterbringt.“ Diese, forderte der Bundestrainer, „möchten wir von ihm sehen“. Sonst ist für den „Zauderkünstler“ (kicker) zumindest in der ersten Elf kein Platz mehr.

Nationalmannschaft: Zieht Jamal Musiala auch bei Flick an Sané vorbei?

Zumal Musiala, der einen Teil seiner Kindheit in Lehnerz im Kreis Fulda verbrachte, mit Macht auch beim DFB in die Stammformation drängt. „Er hat einen Magnet eingebaut, der Ball flippert immer wieder zu ihm zurück“, staunte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann zuletzt über den 18-Jährigen, „er hat offensiv unglaubliche Qualitäten. Vor allem sein Dribbling als Mittelstürmer macht ihn unheimlich gut.“

Einen so guten 18-Jährigen hat Nagelsmann selten gesehen – und noch nie in einer von ihm trainierten Mannschaft. „Da steckt noch viel drin“, sagt Nagelsmann. Zudem zeichne Musiala neben „unfassbarer“ Bescheidenheit etwas aus, „das man heutzutage im Jugendbereich nicht mehr ganz so oft findet: eine gewisse Bolzplatzmentalität.“ (Lesen Sie auch: Darum spielte Jamal Musiala bei der EM 2021 für Deutschland und nicht für England)

Genau diese will Flick in der Nationalmannschaft der Zukunft sehen. Flick meint genau das, wenn er von der Unbekümmertheit Musialas schwärmt: „Er ist einer, der sehr gut im Eins-gegen-eins ist, der mutig Fußball spielt.“ Das, betonte der neue Chef und erhob den Youngster damit zum Vorbild, „möchte ich aber nicht nur von ihm sehen, sondern von allen.“

Auch und gerade von Sané. In seiner Münchner Zeit haderte Flick immer wieder mit dem schlampigen Genie. Der Tiefpunkt kam Ende 2020, als er ihn in Leverkusen nur 36 Minuten nach seiner Auswechslung vom Platz nahm. „Da ist überhaupt nix hängengeblieben“, betonte Flick. Um Sané bestmöglich zu helfen, habe er zuletzt auch mit Nagelsmann gesprochen.

Leroy Sané hat Jamal Musiala den Spitznamen „Bambi“ verpasst

„Lasst den Leroy Leroy sein“, meinte der Bayern-Coach, „dann werden wir sehen, dass er noch früh genug durch die Decke geht.“ Doch darauf wartet Fußball-Deutschland schon (viel zu) lange. 

Die Bayern-Fans verloren jüngst die Geduld und pfiffen Sané aus. Kollegen wie Thomas Müller nahmen ihn in Schutz, Vorstandschef Oliver Kahn sagte dem Sorgenkind Unterstützung zu – verbunden mit der klaren Ansage: „Es gehören immer zwei dazu – er muss das wollen.“

Jamal Musiala, der einen Teil seiner Kindheit in Lehnerz im Kreis Fulda verbrachte, drängt mit Macht beim DFB in die Stammformation.

Sané hat Musiala bei Bayern übrigens mal den Spitznamen „Bambi“ verpasst. Jetzt setzt das Kitz zum Sprung an. Weil ihm Fußball „ganz viel Spaß“ macht. Er will auf dem Platz „einfach kombinieren, einfach confidence“, also Selbstvertrauen, „aufbauen für die Season“, wie der halbe Engländer nach seiner 12:0-Pokal-Gala mit zwei eigenen Treffern in Bremen sagte.

An seine Bambini-Zeit in Fulda erinnert sich Musiala übrigens noch gut und freute sich bei der EM 2021 über die Unterstützung aus Osthessen. (dpa)

Rubriklistenbild: © Tom Weller

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