Das Leih-Pferd Saint Boy wollte den Parcours erst nicht betreten und verweigerte beim Springreiten vor Hindernissen.
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Das Leih-Pferd Saint Boy wollte den Parcours erst nicht betreten und verweigerte beim Springreiten vor Hindernissen.

Kritik an Fünfkämpferin

Olympia-Skandal hat Folgen: Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Annika Schleu

  • Eike Zenner
    VonEike Zenner
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Das Reit-Drama von Tokio hat ein juristisches Nachspiel: Der Deutsche Tierschutzbund hat nach den Vorkommnissen bei den Olympischen Spielen Strafanzeige gegen Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner gestellt.

Berlin - Der Deutsche Tierschutzbund wirft Fünfkämpferin Annika Schleu aufgrund der Ereignisse beim Reitwettbewerb in Tokio Tierquälerei und Raisner Beihilfe zur Tierquälerei vor. Das hat die Organisation mitgeteilt.

Das Schleu zugeloste Pferd „Saint Boy“ hatte im Parcours in Tokio verweigert, Raisner hatte die weinende Berlinerin mit den Worten „Hau mal richtig drauf!“ zum Einsatz der Gerte aufgefordert. Das Verhalten von Athletin und Trainerin hat viel Kritik hervorgerufen - unter anderem auch von Berufsreiter Heinrich Brähler aus Herbstein.

Olympia-Skandal in Tokio: Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Annika Schleu

In einem leistungsorientierten Wettkampf zwischen Menschen hätten Tiere nichts zu suchen, sagte Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder. Die Anzeige diene auch der grundsätzlichen Klärung dieses Problems. Schleu habe in anschließenden Interviews Einsicht vermissen lassen, kritisierte der Tierschutzbund.

„Natürlich steht eine auf Olympiagold fixierte Sportlerin in dem Moment unter enormem Stress. Aber das ist keine Entschuldigung für Tierquälerei. Und es belegt, dass Tiere dem auf keinen Fall ausgeliefert sein sollten - wie ein Sportgerät, das zu funktionieren hat“, so der Tierschutzbund.

In einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte sich Schleu zuletzt erneut gegen den Vorwurf gewehrt, ihr Pferd im Wettkampf gequält zu haben. „Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst“, sagte die 31-Jährige.* Sie bekannte aber auch, dass sie eventuell früher hätte sagen können, „okay, es hat einfach keinen Wert“.

Vom Weltverband habe sie sich danach allein gelassen gefühlt, dessen deutscher Präsident Klaus Schormann habe nicht mit ihr gesprochen. Tierschutzbund-Präsident Schröder bezeichnete einen Rücktritt von Schormann (75) als überfällig.

Der Tierschutzbund verweist in einer Pressenotiz auf das Tierschutzgesetz. Einem Tier Schmerzen zuzufügen, es zu etwas zwingen, dass es nicht freiwillig tun wolle oder zu dem es sogar psychisch wie physisch nicht in der Lage ist, sei tierschutzwidrig.

Video: Kritik nach Fünfkampf-Drama um Schleu: Debatte entbrannt

„Letzteres ist auch im Tierschutzgesetz ausdrücklich verboten und kann mit Geldbuße bis 25.000 Euro geahndet werden“, erklärt die Organisation.

Der Dachverband des Modernen Fünfkampfes und die Besitzer von „Saint Boy“ haben sich vor einigen Tagen in den sozialen Medien zum Zustand des Pferdes geäußert. Die Organisation veröffentlichte zwei Fotos und schrieb, dass das Pferd zurück in seinem Zuhause in der japanischen Präfektur Shiga und bei guter Gesundheit sei.

Das Schicksal des Pferdes sorgt auch in der Kategorie „Promi-News“ für Schlagzeilen: US-Schauspielerin Kaley Cuoco, bekannt aus „The Big Bang Theory“, hat angeboten, Pferd Saint Boy zu kaufen. (mit dpa-Material) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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