Sara Gambetta ist bereit für ihre zweiten Olympischen Spiele.
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Sara Gambetta ist bereit für ihre zweiten Olympischen Spiele.

Entspannen im Schrebergarten

„Bin im besten Alter“: Kugelstoßerin Sara Gambetta will bei Olympia Finale erreichen und die 19 Meter knacken

  • Angelika Kleemann
    VonAngelika Kleemann
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In ihrem Leben dreht sich alles um eine vier Kilogramm schwere Eisenkugel der japanischen Marke Nishi. „Sie ist abgegriffen“, verrät Sarah Gambetta. So wie es sein soll. Sie begleitet die 28-Jährige durch ihr Leben als Kugelstoßerin und flog mit nach Tokio. 

Rimbach/Halle - Die Altbauwohnung liegt im dritten Stock in der Innenstadt von Halle. Gemütlichkeit ist Trumpf. Lediglich ein Plakat der Olympischen Spielen 2012 in London deutet daraufhin, dass hier eine Leistungssportlerin wohnen könnte. Der Laptop steht auf dem Esszimmertisch, er hat Pause, die letzten Klausuren sind geschrieben. Die anstrengenden Krafteinheiten sind absolviert, ebenso das intensive Techniktraining mit Stoßspitzen – Sara Gambetta ist bereit.

Locker und entspannt lehnt sie mit verschränkten Armen im Türrahmen. „Ich freue mich“, sagt die Kugelstoßerin, die aus Schlitz-Rimbach im Vogelsbergkreis kommt, mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio, die für sie am Freitag mit der Qualifikation beginnen und – so ist der Plan – zwei Tage später im Finale dann möglichst mit Bestleistung und einer 19 vor dem Komma enden sollen. (Lesen Sie hier: „Ich hatte mir mehr erhofft“: Sara Gambetta Vierte bei Olympia-Generalprobe in Thum)

Olympische Spiele in Tokio: Kugelstoßerin Sara Gambetta will die 19 Meter knacken

Halle ist seit acht Jahren ihre Wahlheimat. „Ich fühle mich hier sehr wohl, weil ich gerade das machen kann, was ich gerne mache: Sport“, spielt sie auf die gute Zusammenarbeit mit ihrem Heimtrainer René Sack, ihrem Verein SV Halle und das leistungsträchtige Umfeld an. Das Kugelstoßen gibt den Rhythmus vor mit acht Trainingseinheiten in der Woche, Wettkämpfen – „gefühlt war ich jedes Wochenende auf einem Wettkampf“ – und Trainingslager („wegen Corona dieses Jahr nicht ganz so viele“). Hinzu kommen die Besuche beim Physio.

„Damit bin ich gut ausgelastet, zumal ich wie jeder normale Mensch auch einkaufen gehen muss, koche, die Wohnung hübsch halte und studiere.“ Um den Sport hat sie sich ihr Leben gebaut, studiert seit dem Wintersemester 2017/18 an der Martin-Luther-Universität in Halle Lehramt für Gymnasium in der Fächerkombination Sport und Biologie. Zwei Drittel ihrer Scheine sind bereits geschafft, was okay dafür sei, „dass ich es nebenher mache“.

Den Kopf frei bekommt sie in ihrer kleinen Oase. Der Schrebergarten ist zum Lieblingsplatz geworden. Hier gärtnert sie, baut etwas Gemüse an, bestaunt den Wein, wie er wächst, streichelt die Goldfische im Miniteich oder relaxt im kleinen Swimmingpool. „Tatsächlich entspanne ich auch beim Unkrautzupfen, es ist mal was anderes“, witzelt sie.

Vorbereitung auf Olympia: Im Schrebergarten bekommt Sara Gambetta den Kopf frei

Finanziell abgesichert ist die Sechste der Hallen-EM als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr, der sie seit 2012 angehört. „Mein Auftrag bei der Bundeswehr lautet, Sport zu treiben und die Bundeswehr durch meinen Sport zu repräsentieren. Dem Auftrag komme ich gerne nach“, sagt die Stabsunteroffizierin und will bei den Olympischen Spielen liefern. Zuversicht ist Trumpf. Kein Wunder. In diesem Jahr ist die 28-Jährige besser drauf denn je. (Lesen Sie hier: Olympia-Norm geknackt: Sara Gambetta stößt die Kugel mit 18,86 Metern in neue Dimensionen)

„Ich bin im besten Wurfalter, das geht so von 27 bis 31 Jahre“, schätzt sie. Das deutete sich bereits im Aufbautraining für diese Saison an. Sie habe erstmals das Gefühl gehabt, nicht bei null anzufangen. „Ich konnte viel Gewicht draufpacken, die Zubringerwerte sind in die Höhe geschossen“, verrät sie. Jetzt müsse sie es nur noch auf die Kugel bringen. Als beste deutsche Stoßerin mit Siegen beim Werfer-Europacup in Split und der Team-EM kann sie voller Zuversicht und Selbstvertrauen in Tokio antreten. Mit ihren 18,86 Metern nimmt sie in der Weltrangliste derzeit Position 18 ein.

Sara Gambetta und Olympia: In Tokio soll es für die Kugelstoßerin besser laufen als in Rio

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio lief es für Sara Gambetta (20.) nicht nach Wunsch. Die Ringe und das Logo hat sie sich hinterher trotzdem auf die Wade tätowieren lassen. Das von Tokio soll folgen und das von Paris in drei Jahren auch. Danach lässt sie alles offen, weiter als die dritten Olympischen Spiele 2024 plant sie noch nicht. „Ich muss dann erst einmal gucken, wie es dem Körper geht, und ob ich noch Lust habe. Ich muss noch dafür brennen“, sagt sie und schiebt hinterher: „Außerdem möchte ich irgendwann Kinder haben.“

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