Maximilian Jäger hat das Ziel klar vor Augen: die Paralympics in Tokio.
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Maximilian Jäger hat das Ziel klar vor Augen: die Paralympics in Tokio.

WM im Visier

Paracycling: Maximilian Jäger vom RC07 Fulda gewinnt Weltcuprennen

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Nach eineinhalbjähriger Wettkampfpause knüpft Maximilian Jäger nahtlos an seine Erfolgsserie an. Beim Weltcup-Auftakt der Para-Radsportler im belgischen Ostende fuhr der 21-jährige Bad Brückenauer, der Mitglied des RC07 Fulda ist, einen Sieg und einen dritten Rang ein.

Fulda/Ostende - „Das Zeitfahren alleine gegen die Uhr liegt mir. Da musst du brutal deine Leistung abrufen, alles aus dir herausholen, fahren bis zum Anschlag, auch wenn die Muskeln brennen, das ist meine Stärke“, sagt Maximilian Jäger vom RC07 Fulda. Er gewann souverän das Rennen auf seinem Renndreirad und setzte ein erstes Ausrufezeichen hinsichtlich der WM in Portugal und den Paralympics in Tokio.

Fast eine Minute nahm Maximilian Jäger in der Startklasse T1 dem zweitplatziertem Italiener Giorgio Farroni ab. Dass es im Straßenrennen „nur“ Platz drei wurde, lag an einem Defekt in der vierten Runde, „sonst wäre ich ganz vorne mitgefahren“, ist sich Jäger sicher.

Die Standortbestimmung nach der langen wettkampflosen Zeit zeigt, dass der 21-Jährige auf dem richtigen Weg ist. Disziplin und Trainingsfleiß in schwierigen Zeiten haben sich ausgezahlt, das professionelle Umfeld im im paralympischen Stützpunkt in Cottbus, wo er die Eliteschule des Sports besucht, trägt sein Übriges dazu bei. (Lesen Sie auch: Sprinter Michael Pohl löst Olympia-Ticket und steigt im Finale aus)

Paracycling: Maximilian Jäger aus Bad Brückenau gewinnt Weltcuprennen

Jetzt kann Maximilian Jäger, dessen linke Körperhälfte in Folge eines vorgeburtlichen Schlaganfalls teilweise gelähmt ist, erst einmal durchschnaufen. Am Dienstag erhielt er als potenzieller Paralympicsstarter in Potsdam seine Corona-Impfung, das nächste Etappenziel ist die WM vom 9. bis 13. Juni in Portugal. Und die ist für den zweifachen Vize-Weltmeister in doppelter Hinsicht richtungsweisend.

Erstens ist davon auszugehen, dass sein ärgster Widersacher Chen Jianxin (China) dort starten wird, um seine WM-Titel zu verteidigen. „Schade, dass er am vergangenen Wochenende in Ostende nicht mit von der Partie war. Dann hätten wir gesehen, wie Maximilians Leistung zu bewerten ist“, bedauert Vater Thomas.

Und zweitens muss in Portugal Jägers Startklasse T 1 von einem internationalen Klassifizierungsteam bestätigt werden. Sollte dies der Fall sein, wovon auszugehen ist, kann der Bad Brückenauer für Tokio planen. Dann geht es Schlag auf Schlag. Höhentrainingslager stehen auf dem Programm, ehe sich das „Team Deutschland Paralympics“ nach Japan begibt.

Dass Maximilian Jäger bei den Paralympics quasi als gesetzt gilt, davon konnte er vor drei Jahren nicht mal träumen. Denn der frühere alpine Skifahrer begann erst mit 18 Jahren mit Paracycling als Leistungssport und startete durch.

Die Unterstützung der Familie ist dem 21-Jährigen gewiss – in ideeller und finanzieller Hinsicht, denn das Sportgerät ist maßgefertigt und hat mit 15 000 Euro seinen stolzen Preis. „Ohne den Sport wäre Maximilian nicht da, wo er jetzt steht“, sagt sein Vater dankbar und wohl wissend, wie der Sport und die Erfolge seinen Sohn im Leben nach vorne bringen. Ursprünglich wollte die komplette Familie Jäger nach Tokio reisen, um Maximilian zu unterstützen. Corona macht einen Strich durch die Rechnung. Nun haben die Eltern umdisponiert und fahren stattdessen zur WM nach Portugal, die Töchter Jette und Anne sind noch nicht geimpft und müssen von zu Hause aus die Daumen drücken.

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