Strahlende World-Cup-Sieger im Konfettiregen: Joshua Filler (links) und Christoph Reintjes von der SG Johannesberg gewinnen in Großbritannien völlig überraschend.
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Strahlende World-Cup-Sieger im Konfettiregen: Joshua Filler (links) und Christoph Reintjes von der SG Johannesberg gewinnen in Großbritannien völlig überraschend.

Mit Joshua Filler

Poolbillard: Christoph Reintjes von der SG Johannesberg gewinnt als Amateur den World-Cup

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Als Amateur mit dem Ziel angetreten, nicht in der ersten Runde rauszufliegen, kehrt Christoph Reintjes als World-Cup-Sieger im Poolbillard an der Seite von Joshua Filler aus Großbritannien zurück. Langsam kann der Spieler der SG Johannesberg den Triumph genießen.

Fulda/Milton Keynes - „Jetzt ist alles gut. Das ist das Tollste auf der Welt“, zeigt sich Christoph Reintjes geflasht von dem World-Cup-Sieg und dem, was er in Großbritannien geleistet und erlebt hat. „Das waren die schlimmsten sechs Tage meines Lebens“, bekennt er mittlerweile lachend mit Blick auf die schlaflosen Nächte, die Nervenanspannung, das strapaziöse Turnier.

Genau zehn Jahre, nachdem Thorsten Hohmann mit Ralf Souquet den World-Cup gewonnen hat, stellt Deutschland nun wieder den Sieger. Das Kuriose: Thorsten Hohmann ist ein gebürtiger Fuldaer und spielte mit dem PBC Fulda in der Poolbillard-Bundesliga. Inzwischen ist der Profi Vereinsmitglied bei der SG Johannesberg, jenem Verein, dem der Deutsche Meister Christoph Reintjes seit dem Sommer 2020 angehört und mit dem er in die erste Bundesliga aufsteigen möchte. (Lesen Sie hier: Handball: Alice Vogler wird neue Trainerin der ersten Herrenmannschaft von FT Fulda)

Poolbillard: Christoph Reintjes von SG Johannesberg gewinnt mit Joshua Filler den World-Cup

Dass ein Amateur am World-Cup teilnehmen kann, das hat Reintjes Joshua Filler zu verdanken. Der Weltranglistenerste suchte einen Partner für das Turnier. Zur Wahl standen zwei deutsche Profis und Amateur Reintjes. Dass die Wahl auf den 39-Jährigen fiel, begründet der Bad Kreuznacher mit leichtem Schmunzeln: „Vielleicht waren die beiden anderen nicht gut genug, oder hat die Chemie nicht so gestimmt.“ Denn Filler ist ein gebranntes Kind. Mit der Billard-Legende Ralf Souquet an der Seite flog er in den vergangenen Jahren mehrmals gleich in der ersten Runde raus. Das sollte sich dieses Mal im englischen Milton Keynes im 32 Mannschaften großen Feld nicht wiederholen.

„Je weiter wir ins Turnier kamen, umso hungriger wurden wir, sind von Match zu Match gewachsen, haben uns mit Herzblut und Euphorie durch die sechs Tage gebracht“, blickt Reintjes zurück. Das Spiel ließ ihn nicht mehr los. Auch nachts nicht. „Ich habe kaum geschlafen, bin früh aufgewacht und habe mir Gedanken gemacht, meine Spiele reflektiert, mir eine Performance überlegt. Der Druck war enorm“, beschreibt er.

Christoph Reintjes: „Wenn man so glücklich gewinnt, kann man nicht abfeiern, das wäre sportlich nicht fair“

Wie gut das Duo harmoniert, zeigte das Achtelfinale gegen Kuwait, ein Schockerlebnis. „Es lief nichts, wir spielten schlecht.“ Doch sie bissen sich durch, die Kuwaitis blieben zudem nicht fehlerfrei: Ein 7:4-Sieg war der Lohn. Im Halbfinale gegen Estland drehten Filler/Reintjes sogar einen 2:7-Rückstand in einen 9:7-Sieg. „Das war absoluter Kampfgeist“, beschreibt Reintjes. Man müsse an sich glauben und könne jedes Spiel gewinnen. Im Finale warteten dann die Gastgeber mit Darren Appleton und Karl Boyes, die vor sieben Jahren schon einmal das Finale gewonnen hatten. Zum Glauben an sich kam bei den Deutschen noch Fortuna hinzu.

Während Boyes beim Stand von 6:6 die Chance zur britischen Führung verpasste, bauten Filler/Reintjes mit zwei sehr glücklichen Neunen den Vorsprung auf 10:6 aus. Die sichtlich genervten Briten verkürzten zwar noch einmal, ehe Filler zum 11:7-Endstand traf. Freudentänze blieben allerdings aus – aus Respekt vor dem Gegner. „Wenn man so glücklich gewinnt, kann man nicht abfeiern, das wäre sportlich nicht fair“, sagt Reintjes. So setzten sich die frisch gebackenen World-Cup-Sieger erst einmal kurz hin, ehe eine etwas verhaltene Freude folgte, die inzwischen intensiver geworden ist.

Zumal das Preisgeld nicht zu verachten ist. 60 000 Dollar gab es für das Duo. „Die haben wir geteilt“, verrät Reintjes. Und noch etwas anderes hat ihm der Erfolg beschert: eine Einladung zu der Einzel-Weltmeisterschaft in zwei Wochen an gleicher Stätte. Dann reist der Johannesberger Spieler wieder nach England. Mit Selbstbewusstsein. „Ich traue mir was zu“, sagt er. „Wenn ich da hinfahre, will ich auch gewinnen“, sagt Reintjes. Fortsetzung erwünscht!

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