Frauenboxen ist kein Kindergeburtstag: Sarah Bormann (rechts) aus Bad Soden-Salmünster in Aktion.
+
Frauenboxen ist kein Kindergeburtstag: Sarah Bormann (rechts) in Aktion.

Nachfolgerin von Regina Halmich?

Profiboxerin Sarah Bormann aus Bad Soden-Salmünster: Drei WM-Gürtel sind nicht genug

  • Selina Eckstein
    vonSelina Eckstein
    schließen

Zwölf Kämpfe, zwölf Siege, davon sieben durch K.o.: Sarah „Babyface“ Bormann ist mit drei Weltmeistertiteln im Halbfliegengewicht eine der erfolgreichsten Profiboxerinnen weltweit und gilt als legitime Nachfolgerin von Regina Halmich. Einige Experten halten sie von der Leistung her für noch stärker als die Boxlegende.

Ostheim/Salmünster - Dass die heute 30-Jährige in Salmünster geboren wurde und in Bad Soden in den Kindergarten ging, wissen aber nur wenige. „Als ich vier Jahre alt war, sind wir nach Nidderau-Ostheim gezogen. Dort wohnen wir noch immer“, berichtet Bormann. Den Kontakt in ihre Heimatstadt pflegt sie weiterhin. „Meinen Onkel Wanfried Bormann besuche ich regelmäßig. Dann gehen wir beide immer zum Grab der Großeltern.“

Ein Kampf um den fehlenden IBF-Gürtel gegen die Weltranglistenerste Evelyn Nazarena Bermúdez kam im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nicht zustande. „Mit einem Sieg gegen die noch ungeschlagene Argentinierin hätte ich die Titelvereinigung als erste Deutsche nach Regina Halmich perfekt machen können.“ (Lesen Sie hier: Sechster WM-Titel für Sergej Braun - Kampfsportler aus Fulda landet in Bulgarien K.-o.-Sieg)

Profiboxerin Sarah Bormann aus Bad Soden-Salmünster: Im Mai steht der nächste Kampf an

Seit einem guten Jahr wartet Bormann auf den nächsten Kampf. Im Mai ist es soweit. Dann trifft die dreifache Weltmeisterin auf die Weltranglistenzweite Yokasta Valle aus Costa Rico im Strohgewicht (bis 47,6 Kilogramm). „Da muss ich noch abspecken. Das fällt mir aber leicht. Valle hat eine gute Beinarbeit, ist Linksauslegerin wie ich und boxt aggressiv. Das liegt mir“, sagt die 1,63 Meter große und 48 Kilo schwere Boxerin .

Fasziniert vom Boxsport war die Topathletin von Kindesbeinen an. „Ich habe mit meinem Vater Eberhardt mit Begeisterung Boxkämpfe im Fernsehen geschaut. Im Keller hing ein Sandsack. Da konnte ich mich richtig auspowern. Als mich eine Freundin überredet hat, sie zum Boxtraining bei der TG Hanau zu begleiten, habe ich sofort gemerkt, dass ich hier hingehöre. Boxen gibt mir Selbstvertrauen. Man trainiert den ganzen Körper und muss Kondition, Kraft, Schnelligkeit, Taktik und mentale Härte mitbringen.“

2017 begann Sarah Bormann aus Bad Soden-Salmünster ihre Profi-Karriere als Boxerin

Nach zehn äußerst erfolgreichen Jahren im Amateur-Sport mit vier Meistertiteln im olympischen Boxen und der Auszeichnung „Beste Technikerin Elite“ entschied sie sich 2017 für eine Profikarriere. Seit ihrem ersten Kampf wird sie von Benjamin Romero trainiert. „Er ist ehrgeizig und ein echter Perfektionist und macht keine halben Sachen. Er hat mich von null auf 100 gebracht.“ Schon nach nur sechs Profi-Kämpfen boxte sie um die Weltmeisterschaft. 2018 wurde sie Weltmeisterin in den Boxverbänden WIBF und GBU. Ein Jahr später kam der WBF-Titel hinzu.

Nach dem Abitur absolvierte Bormann eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin. Heute arbeitet sie als Bäckereiverkäuferin. Und das aus gutem Grund: „Als Schülerin habe ich schon in der Bruchköbeler Bäckerei Ohl gejobbt. Bernd Ohl unterstützt meine Sportkarriere. Vor einem Kampf stellt er mich einen Monat frei, damit ich mich im Trainingslager vorbereiten kann. Die Arbeitszeit ist sehr flexibel. Ich fange um halb sechs an und höre um halb eins auf. Ab 13 Uhr wird dann in Hanau zwei Stunden trainiert und ab 18.30 stehen weitere Trainingseinheiten an. Allerdings vermisse ich derzeit die Sparringarbeit.“

Boxen auf dem Bieberer Berg

Boxen hat bei den Offenbacher Kickers große Tradition. Demnächst soll das Fußballstadion WM-Titelkämpfe erleben. Bei einer Pressekonferenz im Stadion am Bieberer Berg haben Box-Promotor Alexander Petkowic (München) und Manager Rainer Gottwald (Karlsruhe) angekündigt, im Sommer werde ein Titelkampf der dreifachen Weltmeisterin Sarah Bormann im OFC-Stadion stattfinden.

Der Wecker klingelt täglich um 4 Uhr in der Früh. Dann geht die Boxerin erst einmal 45 Minuten laufen. Für Sprints über 100 und 400 Meter nimmt sie sich Zeit, und auch Schwimmen steht immer auf der Agenda. „Das ist aber coronabedingt nicht möglich“, hofft die Weltmeisterin auf Lockerungen nach dem langen Lockdown und „noch gute fünf Jahre Spitzensport“. Vater Eberhardt sei ihr größter Fan und könne es kaum abwarten, dass sie wieder im Ring stehe. „Mir geht es genauso. Ich fiebere dem nächsten Kampf entgegen.“ (kel)

Das könnte Sie auch interessieren