Redakteurin Sabine Kohl beim Feldbogenschießen in der Rhön.
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Die Redakteurin versucht sich erstmals im Bogenschießen. Nicht ganz regelkonform. Es fehlen Finger- und Armschutz. Andreas Gärtner erklärt das richtige Zielen. Das Loslassen der Sehne ist aber für die Anfängerin ohne Schutzausrüstung nicht erlaubt. Zu gefährlich.

Schön - aber anstregend

Bogenschießen im Selbstversuch: Mit Pfeil und Bogen in die Ruheoase

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Bogenschießen ist ein meditativer Sport, erzählt mir Andreas Gärtner. Das glaube ich ihm sofort. Bogen spannen, Ziel ins Visier nehmen, Konzentration, Sehne loslassen, und erneut. Anspannung, Entspannung. Das ganze in der Ruhe des Waldes nahe Hofbieber. Als ich selbst erstmals einen Bogen spanne, ist das aber zunächst mal nur eins: wahnsinnig anstrengend. 

Rhön - Allerdings bin ich nicht zum Probetraining in den Hofbieberer Nässegrund gekommen, sondern um mir von den Elterser Feldbogenschützen ihren Sport zeigen zu lassen. Einmal selbst probieren möchte ich dann aber doch – Vereins-Pressewart Leonhard Fehr leiht mir seinen Bogen. Vorsitzender Andreas Gärtner erklärt mir die richtige Haltung, ich versuche mein Bestes – und bekomme die Sehne kaum gespannt, geschweige denn, lange gehalten, meine untrainierten Muskeln wollen schon nach wenigen Sekunden nicht mehr.

Andreas lacht nur, er hat nichts anderes erwartet. Denn Leonhards Bogen ist viel zu schwer für eine Anfängerin wie mich. Damit meint er allerdings nicht das Gewicht des Bogens selbst, sondern das Zuggewicht, das auf der voll gespannten Sehne liegt. 40 Pfund sind es bei Leonhards Bogen, bei einem Anfängerbogen ist es nur die Hälfte.

Feldbogenschießen: Jeder Schuss ist anders

Da schaue ich doch lieber den Profis zu, wie die sich einschießen. In den Nässegrund gekommen sind neben Leonhard und Andreas unter anderem Andreas Frau Astrid sowie Michael Brehl mit seiner zwölfjährigen Tochter Lene. Denn Bogenschießen ist nicht nur ein meditativer Sport, es ist ein Sport für die ganze Familie. Von den gut 100 Mitgliedern der Feldbogenschützen Elters ist der jüngste sechs Jahre alt, der älteste 75.

Etwa drei bis sechs Monate braucht es laut Andy Gärtner, bis Neulinge mit Pfeil und Bogen sicher genug umgehen können, um auf den Parcours zu gehen. Denn im Feldbogensport wird nicht auf Zielscheiben geschossen. Stattdessen sind die Ziele auf einem drei Kilometer langen Parcours mit 28 Stationen im Wald aufgestellt. Bei den Zielen handelt es sich um Tierattrappen. Ziel ist es, den Pfeil möglichst genau in das sogenannte Kill zu treffen, dorthin, wo man echte Tiere am ehesten töten würde.

Schnuppertraining

Wer Lust hat, das Feldbogenschießen einmal auszuprobieren, meldet sich per E-Mail bei Andreas Gärtner: andy-gaertner@t-online.de. Trainiert wird immer freitags ab 17 Uhr, von März bis Oktober am Parcours im Nässegrund, in den Wintermonaten in der Bogenhalle in Langenbieber. Wegen der Corona-Pandemie darf derzeit immer nur ein Interessent gleichzeitig am Schnuppertraining teilnehmen. Für die ersten Gehversuche werden Bogen und Pfeile vom Verein gestellt.

Diese Art des Bogenschießens kommt nicht bei allen gut an. „Es wird kritisiert, dass hier gelernt wird, auf Tiere zu schießen“, bemerkt Andreas Gärtner. „Wir üben hier aber nicht das Jagen“. Im Gegenteil, die Jagd mit dem Bogen ist in Deutschland verboten. Stattdessen geht es vielen Bogenschützen vor allem um die Ruhe des Sports und des Waldes. Astrid Gärtner erklärt: „Sogar hyperaktive Kinder schaffen es hier, bis zu einer Stunde konzentriert und ruhig bei der Sache zu bleiben.“

Das Besondere am Feldbogenschießen: Jeder Schuss ist anders. Die Tierattrappen tauchen in ihrer natürlichen Größe auf – Fuchs, Hirsch oder Bär. Mal zielt man von oben, mal von unten. Die beste Entfernung für den Schuss wird geschätzt. Neben der Ruhe steht also die Abwechslung.

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