Gemeinsames Training beim Weihnachtsbesuch in der Heimat: Anna und Lisa Hahner unterwegs auf Feldwegen um Rimmels. Im Hintergrund der Linsberg.
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Gemeinsames Training beim Weihnachtsbesuch in der Heimat: Anna und Lisa Hahner unterwegs auf Feldwegen um Rimmels. Im Hintergrund der Linsberg.

„Stehen voll im Training“

Traum von Olympia: Hahner-Twins planen nach Training in Rimmels Frühjahrsmarathon

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Erneut bei den Olympischen Spielen an der Startlinie zu stehen, davon träumen Anna und Lisa Hahner. Nach einigen Rückschlägen ist das vorrangige Ziel der 31-jährigen Zwillinge, einen Frühjahrsmarathon in guter Zeit ins Ziel zu bringen.

Rimmels - Lisa Hahner muss erst einmal kurz überlegen, wann sie letztmals einen Marathon beendet hat. „2016 bei den Olympischen Spielen“, sagt sie, „das ist echt eine Ewigkeit her“. Ihre Bestzeit datiert aus 2015. Mit 2:28:39 Stunden führte sie damals die Deutsche Bestenliste an. Ihre Zwillingsschwester Anna schaffte das im Jahr davor in 2:26:44 Stunden; schneller liefen beide danach nicht mehr. (Lesen Sie hier: Die Hahner-Twins und das Jahr 2020)

Denn gesundheitliche Probleme warfen die Zwillinge immer wieder zurück. Mit dem Wechsel zum SCC Berlin vor zwei Jahren sollte ein Neustart erfolgen. Erst Corona und dann erneute gesundheitliche Einschränkungen waren die Ursache, dass 2020 zum Jahr ohne Wettkampf wurde.

Das soll 2021 anders werden. „Wir sind beide fit und stehen voll im Training“, sagt Lisa. Sie trainiert in ihrer Wahlheimat Berlin, Anna am Chiemsee. Manchmal stehen gegenseitige Besuche mit gemeinsamen Trainingseinheiten auf dem Programm wie beispielsweise beim Weihnachtsurlaub im heimischen Rimmels. Trainingslager in der Höhe und in der Wärme fielen Corona zum Opfer, selbst auf Skilanglauf in Norwegen, Österreich oder Bayern als Grundlagentraining musste verzichtet werden. Lisa sieht es gelassen: „In Berlin kann ich sehr gut trainieren.“

Traum von Olympia: Hahner-Twins aus Rimmels planen Frühjahrsmarathon

Das Ziel der Zwillinge lautet: Frühjahrsmarathon in Deutschland. Einige Startmöglichkeiten gibt es nämlich für Elite-Läuferinnen. „Dresden, Hannover oder Hamburg“, zählen die Zwillinge auf. Alle drei Läufe seien gute Optionen. Einer von den dreien werde es – so sie denn tatsächlich stattfinden.

Derzeit steht bei den Zwillingen noch kein spezifisches Marathontraining auf dem Programm, sondern vor allem Kraftaufbau verbunden mit Bergläufen. Doch der Umfang wächst, die Distanzen werden immer länger.

Trotz vieler Rückschläge und nach jahrelanger Marathon-Abstinenz ist bei Lisa die Freude und Zuversicht geblieben. „Das ist schon krass, wie man am Laufen hängt“, gesteht sie. So ist es für sie derzeit keine Option, ihre Profilaufbahn an den Nagel zu hängen und sich beruflich zu verändern. Zumindest noch nicht. Den Bachelor of Education in Mathematik und Französisch hat sie seit 2013 in der Tasche. Theoretisch sei dies eine Option, und irgendwann arbeite sie vielleicht als Lehrerin, je nachdem wie geduldig sie sei, aber sie hat mit sich noch eine Rechnung offen.

Der Weg nach Tokio

Die Olympia-Norm für den Marathon der Frauen beträgt 2:29:30 Stunden. Im Nominierungszeitraum haben bereits fünf Läuferinnen diese Zeit unterboten, einige davon deutlich. Da der DLV nur drei Startplätze besitzt, ist ein heißer Kampf um die drei Tickets entbrannt. Damit Anna oder Lisa Hahner noch eine Chance auf ein Olympiaticket haben, müssten sie beim Frühjahrsmarathon auf jeden Fall die Zeit der Drittplatzierten – das ist derzeit Katharina Steinruck mit 2:27:26 Stunden – unterbieten. Doch es gibt noch weitere Athletinnen in Lauerstellung.

Das derzeitige Ranking:

1. Melat Kejeta Yisak (Laufteam Kassel) 2:23:57

2. Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin) 2:26:55

3. Katharina Steinruck (LG Eintracht Frankfurt) 2:27:26

4. Anja Scherl (LG TELIS FINANZ Regensburg) 2:28:25

5. Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin) 2:28:42

„Ich weiß, dass ich schneller laufen kann. Mein Trainer und mein Berliner Verein stärken mir den Rücken und glauben an mich. Zudem möchte ich alles getan haben, um mein Ziel zu erreichen“, sagt Lisa und meint damit eine neue Bestzeit. Die muss allerdings nicht sofort fallen, den Druck will sich die 31-Jährige nicht aufbürden. „Mein Ziel ist, im Frühjahr einen Marathon ins Ziel zu bringen, und ich wäre froh, wenn ich die Olympia-Norm von 2:29:30 Stunden unterbieten würde.“

Lisa Hahner: Wir sind beide fit und stehen voll im Training

Dass ihre Zeit für eines der drei deutschen Olympia-Tickets reichen sollte, darauf will sie sich keinesfalls versteifen. „Dann müsste es Stand heute eine Zeit unter 2:27:26 Stunden sein. Und andere Marathonläuferinnen haben auch noch die Möglichkeit, sich zu verbessern“, fügt sie an. Zudem traut sie der 22-jährigen Miriam Dattke (Regensburg), die kürzlich in 1:09:42 Stunden eine sensationelle Halbmarathonzeit lief, bei deren Marathondebüt im Frühjahr eine Zeit zwischen 2:25 und 2:26 Stunden zu. Dass die Leistungsdichte im Marathon so groß geworden ist, freut Lisa Hahner, spornt sie an und sei dem Sport sehr zuträglich. Dem Konkurrenzkampf sieht sie gelassen entgegen. Wichtig sei, dass ihre Leistung stimme. Auf den Rest habe sie keinen Einfluss.

Auch Anna geht davon aus, dass für das dritte Olympia-Ticket eine schnellere Zeit als die derzeitigen 2:27:26 Stunden nötig sein wird, und gibt sich kämpferisch: „Wenn ich eine 2:27 laufen würde, wäre das sehr cool und ich wäre wieder richtig zurück“, sagt sie mit Blick auf ihren letzten Marathon 2019 in Berlin (2:36:34), bei dem die Norm schon hätte fallen sollen, sich aber gesundheitliche Probleme einstellten. Im vergangenen Frühjahr hätte sie sich diese Zeit zugetraut. „Da war ich in richtig guter Form.“

Derzeit könne sie ihr Leistungsvermögen noch nicht einschätzen, das sei in der jetzigen Trainingsphase noch zu früh. So arbeitet sie jeden Tag erneut daran, ihrem großen Traum von der zweiten Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) ein Stück näher zu kommen.

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