Das Spiel beginnt: So sind die Schachfiguren aufgebaut, kurz bevor es los geht.
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Das Spiel beginnt: So sind die Schachfiguren aufgebaut, kurz bevor es los geht.

SC Fulda wartet auf Restart

Virtuelle Blitzturniere: Schach im Internet boomt

Während Teile der Sportwelt nach zwei Monaten völligen Stillstands langsam wieder loslegen, haben die Schachspieler das Medium gewechselt. Statt am Brett heißt es nun online Schach, Patt und Matt!

Fulda - Die Mannschaftskämpfe von Bundesliga bis Kreisklasse mussten unterbrochen werden, da beim Schach der Mindestabstand nicht eingehalten wird. Stattdessen schießen Internetturniere wie Pilze aus dem Boden. Der Deutsche Schachbund rief die Deutsche Internet-Amateurmeisterschaft ins Leben, und der Bezirk Main-Vogelsberg organisiert einmal wöchentlich einen Liga-Wettkampf auf der Website lichess.org.

Der Schachclub Langenbieber hat dort beispielsweise sein virtuelles Vereinsheim eingerichtet. In diesem spielen die Rhöner seit Mitte April zwei bis drei Blitzturniere im Monat. Insgesamt haben sich 14 Langenbieberer bei lichess.org angemeldet und nutzen die Plattform regelmäßig. Alternativen, sich mit den Vereinskollegen zu messen, sieht der Zweite Vorsitzende des SC Langenbieber, Christian Pleyer, aktuell nicht. Deshalb ist er für die Option im Internet dankbar.

Statement vom Schachclub Fulda

Vorsitzender Paul Kloninger: Das Online-Schach ist sicherlich kein Ersatz für eine „echte“ Schachpartie; insofern würden wir uns freuen, wenn die Ligen wieder spielen dürfen. Wir müssen auf jeden Fall auf eine Festlegung vom Deutschen Schachbund warten, denn alle Schachligen sollten von der Bundesliga nach unten organisiert werden. Nur so kann die Auf- und Abstiegsregelung eingehalten werden. Unsere Erwachsenen nutzen beispielsweise schach.de, um schnell und einfach Schach zu spielen. Aber das ist kein Ersatz für Turnierkämpfe. Aktuell findet kein Turnierbetrieb statt, wir haben zurzeit keine Planung hierzu, denn wir sind vom Deutschen Schachbund und dem Hessischen Verband abhängig. Wir warten also auf die entsprechenden Anweisungen.

Jugendleiter Erasto Greif: Der Bezug zu einem realen Brett und einem bildlichen Gegenüber fehlt. Für ein Vereinsgefühl, in dem der Spaß unseres Hobbys im Vordergrund steht, ist es nicht leicht, die Gruppe online zusammenzuführen. Es lässt sich mit einer Schulklasse vergleichen. Der Unsinn beim Zusammentreffen macht die Umgebung erst lebendig und dynamisch. Das Onlinetraining ermöglicht zwar die Stimmung wie beim Vereinsabend annähernd anzunehmen, aber da man sich nicht real gegenübersitzt, ist der Ablauf wesentlich strikter. Wir können es kaum erwarten, wieder an Turnieren und Mannschaftskämpfen teilzunehmen.

Ähnlich drastisch ist die Situation beim Schachclub Fulda, wo der Spielbetrieb ruht. Einzelne Jugendliche haben online Kontakt – acht von ihnen nutzen lichess.org – und machen sich Gedanken, wie es mit dem Training trotz Corona endlich weitergehen kann. Spruchreif ist da aber noch nichts, weiß Mannschaftsführer Martin Kersting, der seit fast 20 Jahren die Schach-Ecke für unsere Samstagausgabe betreut. Da Schach in der virtuellen Welt reüssiert, greift Kersting interessante Online-Partien regelmäßig in der Schach-Ecke auf.

Schach-Turniere im Web

Bei Internetturnieren wird in der Regel Blitzschach mit einer Bedenkzeit von drei bis fünf Minuten pro Partie gespielt. Bei längerer Spielzeit hätten die Spieler Zeit, nach guten Eröffnungszügen zu suchen oder die Züge von einem Schach-Computer berechnen zu lassen.

Betrug via Computer

Es sind zum Glück nur Ausnahmen, trotzdem versuchen immer mal wieder Schachspieler bei Onlineturnieren zu betrügen, in dem sie parallel eine Schach-Engine mit den Zügen füttern und dann deren Vorschlag spielen. Zusätzlich zu Spielen mit kurzer Bedenkzeit läuft auf einigen Schach-Plattformen im Hintergrund eine Software, die überprüft, ob der Spieler deutlich über seiner normalen Spielstärke spielt. Auf diese Weise wurde im Bezirk Main-Vogelsberg ein Spieler im laufenden Turnier überführt – und gesperrt.

Bei der Deutschen Internet- Schach-Amateurmeisterschaft, bei der es um Geld- und Sachpreise ging, wurden im Finale sogar die beiden erstplatzierten Spieler disqualifiziert, nachdem die Prüfsoftware bei der nachträglichen Analyse Alarm schlug. Dass den Spielern nicht langweilig wird, dafür sorgen neben unzähligen Trainingsvideos, die etwa auf YouTube frei verfügbar sind, auch Turniere der Weltspitze.

So organisierte Weltmeister Magnus Carlsen im April ein zweiwöchiges Internetturnier, in dem acht der besten Spieler der Welt um 250.000 Dollar kämpften. Die Partien wurden live im Internet übertragen und von anderen Großmeistern kommentiert. Zudem filmten sich die Spieler mit der Laptop-Kamera selbst, so dass der Zuschauer jede Regung mitverfolgen konnte.

Ein spektakuläres Ereignis, das Weltmeister Carlsen nach zähem Ringen schließlich im Finale gegen den Amerikaner Hikaru Nakamura für sich entschied.

Wann geht es weiter bei den Schachspielern?

Den Schachspielern bieten sich aktuell also genügend Alternativen. Wie es mit der Saison weitergeht, ist völlig offen. Der Deutsche Schachbund hat beispielsweise Empfehlungen für den Wiedereinstieg in den Trainings- und Wettkampfbetrieb herausgegeben und schlägt dort vor, dass jeder Spieler ein eigenes Schachbrett benutzt und sowohl die eigenen, als auch die Züge des Gegners ausführt. So würden Figuren nur von einer Person berührt, und der Abstand kann vergrößert werden. Der Hessische Schachverband hat die Vereine aufgefordert, Ideen einzubringen, wie es weitergehen soll.

cs/hi

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