Fackelträger Günther Kothe mit einem Bild aus dem Jahr 1972 und einem aktuellen
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1972 erlebte Günther Kothe ein sportliches Highlight, von dem andere nur träumen dürfen: Für den Sportkreis Hersfeld trug der Schenklengsfelder die Olympische Fackel.

Der Fackelträger

Günter Kothe durfte 1972 das olympische Feuer durch Hersfeld tragen

  • Ralph Kraus
    vonRalph Kraus
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Die Lebensgeschichte von Günter Kothe liest sich spannender als mancher Roman. Der fast 80-Jährige aus Schenklengsfeld hat einen Großteil seines Lebens dem Sport gewidmet und kam 1972 zu ganz besonderen Ehren.

Schenklengsfeld - Der Anfang seines Lebens war schwer. Kothe wurde mitten in den zweiten Weltkrieg hinein geboren und musste aus der Heimat flüchten. Eigentlich in Kattern nahe Breslau zu Hause, machte sich die Familie um Vater Gustav, Mutter Anna und die Brüder Helmut, Herbert und Günter per Pferdegespann auf den Weg in den bayrischen Wald.

Kurz danach landete die schlesische Familie in einem Flüchtlingsheim und von dort ging es nach Kornrode. „Da hat ein Landwirt zur damaligen Zeit einen erfahrenen Arbeiter gesucht und weil mein Vater, der schon eine Kriegsverletzung hatte, in der Heimat Gespannführer war, ging es mit vier Koffern auf den Hof nach Kornrode.“

Fußballspielen für das Eigenheim

Der Anfang eines neuen Lebens, das für Günter Kothe vor allem vom Sport und von Vereinen geprägt sein sollte. „Wir haben 15 Jahre auf dem Hof gelebt, ehe der Ziegelei-Besitzer Heimeroth uns den Vorschlag gemacht hat, dass wir in der Ziegelei unterkommen könnten. Eine Bedingung war, dass wir vier Brüder – inzwischen war mein jüngster Bruder Erich hier in Deutschland zur Welt gekommen – fortan alle für den TSV Schenklengsfeld Fußball spielen. Das haben wir gemacht: Helmut war Torwart, Herbert Mittelstürmer, Erich im Mittelfeld der Denker und ich war schnell, also hat man mich auf Linksaußen gestellt“, schmunzelt Kothe heute.

Sein Hang zu Vereinen und zu seinem ehrenamtlichen Engagement hat er es dann zu verdanken, dass er 1972 den wohl prestigeträchtigsten Moment in seinem Leben feiern durfte. „Entscheidend war der gute Draht zu seinem Grundschullehrer Eugen Bohle. „Der war auch Vorstand beim TSV Schenklengsfeld und hatte mich in sein Herz geschlossen“, erzählt Kothe heute und fügt eine Anekdote an.

Fackelträger für den Sportkreis Hersfeld

„Ich wollte unbedingt Rettungsschwimmer werden. Da war ich 14 Jahre alt. Alle haben bestanden, aber weil ich mich zunächst nicht traute, vom Fünf-Meter-Turm zu springen, durfte mir Bohle die Auszeichnung nicht geben. Da habe ich ihn ins Wasser geschubst, bin den Turm nach oben und ins Wasser gesprungen. Jetzt hatte ich bestanden“, lacht Kothe, der die Beziehung zu Bohle als Freundschaft beschreibt.

Als Bohle dann 1972 in seiner Funktion als Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld angefragt wurde, wer denn die olympische Fackel tragen könne, fiel die Wahl unter anderem auf Kothe. „Die Spiele fanden ja bekanntlich in München statt, aber die Ruderregatta wurde in Kiel ausgetragen. Deshalb wurde das olympische Feuer von München nach Kiel getragen und kam so durch Bad Hersfeld“, erklärt Kothe. Und so trug Kothe die Flamme von der Heimstraße aus bis direkt vor das Rathaus.

35 Jahre am Stück goldenes Sportabzeichen

„Ganz ehrlich? Heute bin ich mehr stolz darauf, als ich das zur damaligen Zeit war. Lustig ist immer, wenn ich den Leuten davon heute erzähle: Das glaubt mir ja niemand: Die denke alle ich würde Faxen machen“, lacht Kothe.

Die Original-Fackel hat er übrigens behalten dürfen und ist heute noch in seinem Besitz. „Viel Wert ist sie nicht. Entscheidend ist, dass man noch die Urkunde dazu hat. Sonst bringt die Fackel an sich außer einem ideellen Wert überhaupt nichts. Ich habe die Urkunde noch“, legt Kothe im Gespräch auch gleich noch das Dokument zur Beweissicherung dazu.

Bis heute ist Kothe dem Sport übrigens treu geblieben. Unter anderem hat er 35 Jahre ohne Unterbrechung das goldene Sportabzeichen abgelegt. „Bis vor wenigen Jahren. Als ich 76 war, da hat das Knie nicht mehr so mitgespielt“, sagt er und widmet sich so weiterhin „seinem“ TSV Schenklengsfeld, der ihm als Jugendlicher vielleicht auch das Stück fehlende Heimat gegeben hat.

Treue zum TSV Schenklengsfeld und der Feuerwehr

„Heute mache ich Platzwart, kümmere mich außen herum so ein bisschen um alles“, erklärt Kothe, der schon seit vielen Jahren Ehrenmitglied beim TSV ist und auch immer parat steht, wenn mal wieder jemand zum Grillen gesucht wird. „Und 60 Jahre Feuerwehr habe ich ja auch schon hinter mir. Da gehöre ich zum Ältestenrat“, sagt der gelernte Bergmann, der 15 Jahre in Hattdorf „einfuhr“.

Und so wird sich niemand wundern – sollte es Corona, was Kothe übrigens immer „Carola“ nennt, möglich machen –, wenn Günter Kothe am 22. August die Tür eingelaufen bekommt und ein volles Haus erwarten darf. Dann wird das Schenklengsfelder Urgestein mit dem großen Herz und dem trockenen Humor nämlich 80 Jahre alt.

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