Wasser ist drin im Rosenbad Fulda, aber warm ist es noch nicht. Die Wasserfreunde und die anderen Vereine würden gerne reinspringen, aber darüber wird erst nächste Woche verhandelt.
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Wasser ist drin, aber warm ist es noch nicht. Die Wasserfreunde und die anderen Vereine würden gerne reinspringen, aber darüber wird erst nächste Woche verhandelt.

Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda ist sauer

Schwimmbäder in Hessen dürfen wieder öffnen - Verzögerungen in Fulda

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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Seit Pfingstmontag dürfen die Bäder öffnen – theoretisch. Das Land Hessen hat sein Okay gegeben, dass Schwimmbäder öffnen dürfen, damit vorerst Vereinsschwimmer wieder im Wasser trainieren können. In Fulda ist das bislang nicht der Fall. Erik Bott (50), Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda, ist sauer wegen der Verzögerung. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es derweil Hoffnung für Vereine.

Seit Montag könnte es losgehen. Woran scheitert’s?
Daran, dass die Bäder bei uns in Fulda nicht geöffnet werden. Obwohl die Landesregierung am 20. Mai verkündet hat, dass es Vereinen ab 1. Juni möglich sein soll, Schwimmbäder zu nutzen, hat die Bäderbetriebsgesellschaft (BBG) keine entsprechenden Maßnahmen eingeleitet.
Aber die Becken im Rosenbad sind doch gefüllt. Da könnte es doch losgehen!
Theoretisch ja, praktisch nein. Der Schwimmverband hat bereits am 4. Mai einen Leitfaden für „Voraussetzungen für den Wiedereinstieg in das vereinsbasierte Sporttreiben“ herausgegeben. Darin geht es um Kommunikation mit den Betreibern und den Kommunen um unmissverständliche Anweisungen bezüglich Hygieneregeln im Bad, inklusive der Information zu den Eingangsbereichen, Umkleiden, Duschen sowie dem Trainingsbereich. Außerdem gibt es klare Vorgaben für das Verhalten aller Beteiligten. Offensichtlich hat der BBG ein entsprechender Leitfaden durch Land oder Stadt gefehlt, so dass keine Vorbereitungen getroffen wurden. Erst nächste Woche – also nach dem eigentlichen Starttermin – soll ein Konzept für die Öffnung erstellt werden. Eine zeitnahe Öffnung ist also nicht abzusehen. Es wird wohl ein Konzept für die allgemeine Öffnung erarbeitet, bei dem wir als Verein quasi das Versuchskaninchen sind, ob das umsetzbar ist, bevor eine Woche später jeder rein darf.
Die Entscheidung in Wiesbaden ist doch anderthalb Wochen alt. Warum gibt es denn da heute überhaupt noch Diskussionen?
Ich weiß nur von einem Statement der BBG vom 9. April, dass man in der Lage ist, zu öffnen, sobald dies vom Land ermöglicht wird. Warum man jetzt eine 180-Grad-Wende macht, ist mir nicht klar. Ich habe mehrfach die BBG angeschrieben und um Öffnung für unsere Leistungsschwimmer gebeten, was stets mit Verweis auf die Landesregierung abgelehnt wurde. Meine Anfrage von diesem Montag wurde nicht beantwortet. Erst auf meine telefonische Nachfrage am Mittwoch gab es die erwähnte Information. Der BBG war die DSV-Richtlinie nicht bekannt, vom Ministerium gab es offensichtlich keine, zumindest nicht, als die jetzige Öffnung angekündigt wurde.
An den Vereinsschwimmern selbst liegt das gar nicht: Sie haben doch strenge Auflagen seitens des Verbands.
Es gibt die DSV-Richtlinie. Außerdem haben wir Corona-Beauftragte ernannt. Zudem müssen alle Schwimmer eingewiesen werden und schriftlich bestätigen, dass sie die Vorgaben einhalten. Das ist passiert; wir können starten.  
Welche Optionen sehen Sie für die Wasserfreunde?
Fulda hat zum Glück mehr als ein Bad. Wir nutzen das Rosenbad, das Sportbad und das Stadtbad. Uns ist klar, dass das Sportbad nicht genutzt werden kann, da es immer im Juni schließt und Reparaturen anstehen. Allerdings gibt es das Stadtbad, das vom Hotel mitgenutzt wird. Soweit ich weiß, ist dort Wasser im Becken, das sogar geheizt sein soll. Solange dort keine Hotelgäste sind, könnten wir problemlos den DSV-Vorgaben entsprechend den Trainingsbetrieb aufnehmen. Das wurde von der BBG abgelehnt. Wenn überhaupt, käme nur das Rosenbad infrage. Warum, erschließt sich mir nicht.
Erik Bott, Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda, ist traurig und wütend.
Die Becken im Rosenbad sind doch mit Wasser voll.
Ja, aber leider nicht geheizt. Selbst das könnten wir für ein paar Tage verschmerzen. Laut BBG dauert das Heizen eine Woche. Wäre die Heizung am Montag angestellt worden, wäre die Temperatur am 1. Juni optimal gewesen. Alle Becken im Rosenbad sind gefüllt und dümpeln ungenutzt vor sich hin. Wir sind ein Sportverein, der Wasser braucht. Dort steht es ungenutzt herum. Wir wollen nicht Sonnenbaden, sondern für Höchstleistungen trainieren.
Könnte denn nicht einfach das Sportbad ein paar Wochen geöffnet werden?
Das ist schwierig, vor allem wegen der Reparaturen. Zwar ist das Stadtbad für Leistungsschwimmer nicht perfekt, aber besser als gar kein Bad. Wir haben ausreichend Bedarf. Es gibt übrigens noch andere Vereine, die das Element Wasser nutzen. 
Ihre Kollegen in Hünfeld müssen warten, weil in das Becken im dortigen Freibad erst noch ein paar Liter Wasser fließen müssen.
Im Petersberger Freibad fehlt auch noch das Wasser. Fulda ist Landesstützpunkt des Hessischen Schwimmverbands. Und den Status muss man sich erarbeiten, pflegen und wahren. Dazu bedarf es Trainingsmöglichkeiten. Unsere Leistungsschwimmer sind seit dem 14. März nicht mehr im Wasser gewesen. Es gab und gibt zwar alternatives Training an Land, das jedoch das Wassertraining nicht ersetzen kann. Bis zum 1. Juni sind unsere Schwimmer 78 Tage ohne Wassertraining. Unglaublich! Ein Ende ist leider nicht in Sicht. Neben unseren Leistungsschwimmern scharren noch Freizeitschwimmer, Wasserballer, Synchronschwimmer, Masters und Triathleten mit den Hufen. Wir haben sehr gute Wasserballmannschaften, wir haben eine von nur drei Synchronschwimmabteilungen in Hessen, die können nicht trainieren. Und unsere Triathleten fahren nur Rad und laufen, aber auf Dauer ist das nichts!
Wie sehen Sie denn die Chancen, dass sich im Juni noch etwas schiebt? 
Es scheint, als ob es noch klappt – nur eben definitiv nicht am 1. Juni. Persönlich halte ich den 15. Juni für realistisch, jeder Tag früher wäre besser. Eine Anfrage des Hessischen Rundfunks für ein Interview mit einem Topschwimmer musste ich absagen, weil wir kein Wasser haben. Der HR ist aus allen Wolken gefallen. Das macht mich traurig und wütend. 
Wirkt sich das Ganze dann wenigstens positiv auf die Nutzungskosten aus?
Wir zahlen nur, wenn wir das Bad nutzen. Dennoch sieht unsere Kostenbilanz nicht gut aus. Wir mussten den Triathlon absagen, der uns immer gutes Geld einbringt, das wir reinvestieren. Ferner fehlen uns Einnahmen durch Kurse, haben aber trotzdem die normalen Fixkosten. Wenn der im Oktober anstehende Dompfaffpokal gestrichen würde, wäre das ein mehr als bescheidenes Jahr für uns.

RhönEnergie Fulda: „Schutz vor Ansteckung geht vor“

Die RhönEnergie Fulda als Betreiber der Bäder bedauert deren Schließung: „Aber unabhängig von dem Wunsch, die Bäder wieder möglichst vielen Gästen zur Verfügung zu stellen, geht der Schutz vor Ansteckung natürlich vor. Wir sind froh, dass sich nun eine erste Lockerung in der Nutzung des Bades durch Vereine abzeichnet.“

Dennoch gelte es, sich die Verordnung dazu anzuschauen und die dort enthaltenen Vorgaben umzusetzen, heißt es in der Stellungnahme der RhönEnergie weiter. Und: „Im aktuellen Fall haben wir die entsprechende Umsetzungsverordnung erst am Montag, 25. Mai, erhalten und prüfen sie nun intensiv.“ Dazu werde ein bereits vorbereitetes Hygienekonzept in Anlehnung an die Verordnung weiter konkretisiert.

Abschließend heißt es: „Zusätzlich benötigen wir einen technischen Vorlauf. So werden wir beispielsweise mit der Erwärmung des Wassers aus Umweltschutzgründen erst beginnen, wenn ein konkreter Öffnungstermin feststeht.“

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es derweil Hoffnung für Schwimmbadfans.

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