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Leibolzer Schwimmer startet bei der Junioren-EM in Bukarest

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Delphinschwimmer Louis Schubert in entspannter Pose auf dem Startblock
Was lugt denn da heraus? Leistungsschwimmer tragen meistens zwei Badehosen, vielleicht weil sie Bedenken haben, dass eine den Abgang macht: Delphinschwimmer Louis Schubert in entspannter Pose auf dem Startblock. © privat

Louis Schubert ist gestern abgehoben: Nach Bukarest, dort will Osthessens bester Schwimmer eine Schallmauer durchbrechen.

Leibolz/Leipzig - Als Louis Schubert in der vergangenen Woche bei den offenen Deutschen Meisterschaften ins Berliner Wasser sprang, hätte er gerne erstmals auf seiner Paradestrecke über 200 Meter Schmetterling die Zwei-Minuten-Marke unterboten. Die hätte aller Voraussicht nach mindestens für Bronze gelangt.

Doch es sollte nicht sein. „Ich hatte den ganzen Tag Kopfschmerzen, konnte mich nicht konzentrieren und war total erkältet“, berichtet Schubert mit Wehmut und trauert seinen angepeilten Zielen nach. Denn eine Medaille hatte er sich ausgerechnet, ja beinahe fest vorgenommen. (Lesen Sie hier: Debüt im Nationaltrikot: Friedrich Schulze erfüllt sich einen Traum)

Schwimmen: Louis Schubert aus Osthessen startet bei Junioren-EM in Bukarest

Hinter dem Berg hält der gerade 18-Jährige aus dem Kreis Fulda und somit jüngste Starter im Finale seiner Paradestrecke selten. Und deswegen ist die Rückschau schnell beendet. Er blickt nach vorne. Auf Bukarest, wo er das letzte Mal bei der Junioren-EM starten darf. In Rumäniens Hauptstadt soll nun die Zwei-Minuten-Marke fallen. Mindestens für das Semifinale könnte diese Zeit reichen, glaubt Schubert, der die Konkurrenz kaum kennt.

„Zumindest haben mir die Trainingsleistungen gezeigt, dass ich jetzt noch einen ordentlichen Sprung nach vorne machen kann. Das will ich im Wettkampf umsetzen.“ Aktuell liegt seine Bestzeit bei 2:01,02 Minuten. Vergangenes Jahr in Rom durfte er schon einmal für Deutschland bei einer Europameisterschaft ins Wasser springen, da blieb er hinter den eigenen Erwartungen etwas zurück – auch weil er die Ziele stets hoch ansetzt. Auch diesmal. Aber diesmal mit besserem Ausgang, wie er sagt.

Und dafür soll die Erfahrung von Rom helfen: „Insgesamt wird das mein vierter internationaler Start sein. Von Mal zu Mal gewinne ich mehr Routine“, sagt er und blickt mit Stolz auf seinen Sieg bei den offenen Spanischen Meisterschaften vergangenen Winter in Barcelona zurück. In Bukarest startet Schubert auch über die 100 Meter Schmetterling und – je nach Verlauf – in der Lagen-Staffel.

Vorbereitet wurde er hierfür in Leipzig. Seiner liebgewonnen Wahlheimat: Dort ging er ins Sportinternat, absolviert aktuell sein Freiwilliges Soziales Jahr und beginnt ab September eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Kein leichtes Unterfangen, denn der Schwimmsport ist herausfordernd. Um Topleistungen abzurufen, muss er zweimal am Tag trainieren und mindestens zwei ausgedehnte Trainingslager im Jahr absolvieren. Und dazu kommen ja noch jede Menge Wettbewerbe.

„Von Mal zu Mal gewinne ich mehr Routine“

Da braucht’s zwei Dinge: Geld und Zeit. Beides kostbare Güter und mit einem „normalen“ Arbeitgeber nicht realisierbar. Schubert hat aber nicht zuletzt dank der Hilfe des Olympiastützpunkts Leipzig offensichtlich schon mal einen Arbeitgeber gefunden, der ihm die notwendige Zeit einräumt: Ruder-Olympiasieger Jens Doberschütz ist sein zukünftiger Chef – und Schubert ist schon jetzt dankbar, „dass ich zumindest Training und Ausbildung unter einen Hut bringen kann. Das war immer mein Ziel. Ich brauche ein sicheres Standbein.“

Denn vom Schwimmen werden die wenigsten reich, die meisten hingegen müssen selbst hohe finanzielle Kraftanstrengungen betreiben, um Trainingslager und Co. zu finanzieren. „Da bin ich in erster Linie meinen Eltern dankbar“, sagt Schubert und weiß, dass sich beide buckelig für ihren Filius schuften. Allein rund 5000 Euro kosten die Trainingslager pro Jahr.

Die finanziellen Hilfen der Verbände sind arg reglementiert und die Sponsoren laufen den Schuberts auch nicht die Bude ein. „Meine Eltern halten viele Dinge von mir weg, damit ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn sich insgesamt mehr regionale Gönner mit Leistungssport auf hohem Niveau identifizieren würden“, sagt Louis Schubert – zwölffacher Deutscher Jugendmeister.

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