Sportabzeichen 2021
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Blick in die nächste Amtszeit? Harald Piaskowski ist Vorsitzender des Sportkreises Fulda-Hünfeld.

Interview

Sportkreis Fulda: Vorsitzender Harald Piaskowski spricht über seine erste Amtszeit

  • Angelika Kleemann
    VonAngelika Kleemann
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Als Vorruheständler hätte Harald Piaskowski (61) ein ruhiges und beschauliches Leben führen können. Das ist jedoch nicht der Fall, denn der Petersberger ist seit drei Jahren Sportkreisvorsitzender, was mindestens einem Vollzeitjob gleichkommt. Die Arbeit macht ihm Spaß, sonst würde er sich am Montag nicht zur Wiederwahl stellen.

Langeweile kennen Sie nicht...
Tatsächlich nehmen meine zehn ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sportkreis Fulda-Hünfeld, im Sportverband Stadt Fulda und im Deutschen beziehungsweise Hessischen Kanu- Verband ziemlich viel Zeit in Anspruch. Aktuell möchte ich die sehr vielfältigen Herausforderungen keinesfalls missen. Es macht irre viel Spaß, die Vereine in unserer Region – so sie denn möchten – zu unterstützen. Im echten Ruhestand mit 66 Jahren würde ich aber mal etwas Neues anfangen wollen.
Den zeitlichen Aufwand für dieses Ehrenamt haben Sie wohl komplett unterschätzt.
Als ich mich in 2016 zum Aufbau der Homepage des Sportkreises Fulda-Hünfeld bereiterklärt habe, konnte ich quasi als Praktikant schon etwas Sportkreis-Luft schnuppern. Mein Vorgänger Hein-Peter Möller hat mich immer mal bei IT-Themen einbezogen. Da habe ich schon einen kleinen Überblick über die vielen Aufgaben bekommen. Inzwischen habe ich drei Gesellenjahre absolviert und deutlich gemerkt, dass ich unbedingt an meinem „Sprachfehler“ arbeiten muss: Ich kann nicht nein sagen!
Gut, dass ihre Frau Elke ebenfalls eine begeisterte Sportfunktionärin ist.
Das stimmt. Allerdings war sie es, die sagte, ich dürfe als Vorruheständler keinesfalls zu Hause Däumchen drehen. Dass wir nicht nur privat, sondern auch im Sport ein hervorragendes Team bilden, wird uns immer wieder bestätigt. Ohne sie, ihr Verständnis für meine Ideen und ihre Bereitschaft, mich zu unterstützen, könnte ich dieses Pensum nicht schaffen. Aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Sie hat mich mit dem Sportabzeichen-Virus infiziert. Ohne Sport wäre uns beiden sicherlich langweilig. Wobei uns unsere erste Enkelin ganz schnell ablenken kann und wir alles stehen und liegen lassen, wenn sie zu Besuch ist.
Wie sieht der Alltag im Hause Piaskowski aus, der morgens mit dem Sichten der Mails startet?
Noch während wir die Zeitung lesen – Elke beginnt immer hinten –, bauen wir unsere Klapp-Computer auf und verteilen die eingegangen Aufträge. Danach muss ich aber erst einmal raus. Ich gehe täglich 10 bis 15 Kilometer mit unserer Hündin Sia auf die Gass’.
Auf die Woche und die Wochenenden gerechnet, überschreitet Ihr Arbeitspensum leicht 40 Stunden.
Das stimmt sicherlich, aber Buch führe ich nur bei meinen Tätigkeiten als Sport-Coach der Stadt Fulda und als Integrations-Koordinator, für die ich ja eine kleine Entschädigung bekomme.
In der freien Wirtschaft wären Sie ein gut bezahlter Geschäftsführer mit Villa, Pool und einem dicken Dienstwagen vor der Tür.
Vielleicht, aber wer mich kennt, der weiß, dass Villa, Pool und dicker Dienstwagen kein Thema für mich sind. Wobei ich als Kind aber immer gesagt habe, dass ich einen Porsche kaufen wolle, bevor ich mal heirate. Doch dann kam Elke…

Sportkreis Fulda-Hünfeld: Vorsitzender Harald Piaskowski ist Ehrenamtler aus Überzeugung

Sie arbeiten als Ehrenamtler aus Überzeugung. Schätzen die Vereine Ihre Arbeit?
Mir ist es wichtig, dass ich das, was ich als junger Mensch in den Sportvereinen erleben durfte, unbedingt zurückgeben kann. Das lebe ich vor, das ist meine Überzeugung und ich hoffe auf viele Gleichgesinnte, die mich dabei unterstützen. Es freut mich immer wieder, dass Vereinsvertreter unsere Arbeit loben. Das motiviert zu mehr! Und dann bin ich schon wieder bei meinem „Sprachfehler“.
Als Frontmann können Sie auf ein gutes Team bauen, das stetig wächst. Womit ködern Sie Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter?
Ich bin sehr froh, dass ich vor drei Jahren als Neuling in einer etablierten Mannschaft so gut aufgenommen wurde. Sonst hätte ich womöglich eine Bruchlandung hingelegt. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Aussage gilt insbesondere für die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des lsb h. Die „Nummern gegen Kummer“ kenne ich alle auswendig und werde bestens mit Rat und Tat unterstützt. Ganz viel habe ich von Hein-Peter Möller gelernt; wenn ich ein Problem habe, klingelt es wahrscheinlich in seinen Ohren und er ruft mich an.
Das „Ködern“ ist allerdings ein Geheimnis meines Co-Piloten Hagen Triesch. Er hat es in den letzten Wochen geschafft, einige Neue zu gewinnen. Vielleicht verrät er mir bei Gelegenheit mal, wie man das macht.
Trotz aller Freude im Ehrenamt: Gab es Momente, in denen Sie sich gefragt haben, warum Sie sich für den Posten zur Verfügung gestellt haben?
Vermutlich wären mir zwischen 40 und 50 dieser Gedanken manchmal in den Kopf geschossen. Inzwischen bin ich da gelassener geworden. Ich schlafe eine Nacht drüber, power mich morgens richtig aus, dann scheint die Sonne wieder.
Auf was sind Sie besonders stolz?
Wir können organisieren und gute Veranstaltungen auf den Weg bringen. Die „Rhön-Olympiade“ beim Hessischen Familientag in 2019 war so ein Höhepunkt.
Außerdem freut es mich, dass wir weiter ganz vorne beim Thema Sportabzeichen sind. Das macht mir auch deshalb so viel Spaß, weil ich als Prüfer und Prüferausbilder zudem sportlich aktiv sein darf. Da kann ich von den Verwaltungsaufgaben abschalten.
Dass die Öko-Checks des lsb h bei uns so rege in Anspruch genommen werden, finde ich super. Insbesondere wegen der Problematik der außerordentlich gut geförderten Umrüstung von Flutlichtanlagen auf LED-Technik und den Planungsvorgaben des Kreises für den Sternenpark Rhön.
Was lief nicht so oder hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?
Wir haben zwei Jahre an der Vorbereitung des Festivals des Sports im Rahmen des Hessentags 2021 gearbeitet. In dieser Zeit haben wir wegen des Hochwassers im Mai 2019 und den coronabedingten Planungsänderungen für vier unterschiedliche Orte geplant. Wahnsinnig enttäuscht war ich von der Bereitschaft der Vereine, aktiv am Festival des Sports mitzuwirken. Von 335 Vereinen haben lediglich 11 signalisiert, dass sie dabei sind. In 2026 müssen wir erreichen, dass wir ins Boot des Hessentags-Orga-Teams kommen, um zeitnah aus erster Hand informiert zu sein und entsprechend agieren zu können.

Zur Person

Auf zehn ehrenamtliche Tätigkeiten bringt es Harald „Harry“ Piaskowski. Der 61-jährige studierte Nachrichtentechniker aus Petersberg war bei der Telekom im Bereich Planung, Bauausführung, Großkundenprojekte, Einkauf und Personal, tätig, bevor er in den Vorruhestand ging.
Der dreifache Familienvater und stolze Opa einer Enkelin walkt gerne, radelt oder liest, wenn er nicht mit seiner Frau Elke gemeinsam für den Sport unterwegs ist.
Sportlich begann Piaskowski als Leichtathlet beim TV Petersberg, ehe er mit Bruder und Schwester ins Paddelboot stieg. In seiner 44-jährigen Zeit als Kanu-Trainer und Landestrainer freute er sich mit vielen Athletinnen und Athleten über internationale Erfolge.

Lesen Sie hier: Harald Piaskowski spricht über finanzielle Lage im Sportkreis

Harald Piaskowski im Interview: Sportkreis-Vorsitzender spricht über seine erste Amtszeit

Gab es nette Episoden oder unschöne Ereignisse?
Unschlagbar sind für mich die Jubiläums- und Vereinsfeste. Da lernt man unglaublich viele Menschen kennen. Als ich zum 100-jährigen in Wüstensachsen war, habe ich nach der Festrede mal gefragt, wer mit mir weitläufig verwandt sei, denn als Kind wäre ich immer bei „Onkel“ Josef und „Tante“ Ludwine gewesen. Da kamen einige zusammen, mit denen ich nette Gespräche geführt habe.
Sicherlich habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Aber Schwamm drüber!
Die Coronakrise ist hoffentlich vorbei, die Vereine können mit einem Re-Start beginnen. Was geben Sie ihnen mit auf den Weg?
Ich kann nur empfehlen, umgehend loszulegen. Auf jeden Fall müssen die Corona-Vorgaben beachtet werden. Die Sportlerinnen und Sportler warten auf den Startschuss. Endlich darf man wieder tun, was lange Zeit verboten war. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass auch bei den Individual- und Mannschaftssportarten die „Zehner-Vorgabe“ fällt, um alle sportlich bedienen zu können.
Vorausgesetzt, heute Abend werden Sie wiedergewählt. Was sind die Ziele für die nächsten drei Jahre?
Tatsächlich vereinbaren wir jedes Jahr zwei bis drei Ziele mit dem lsb h. In diesem Jahr wollen wir die Sport- und Bewegungsangebote weiter entwickeln und die Zusammenarbeit mit dem Bewegungs-Koordinator des Landkreises Fulda in Angriff nehmen.
In diesem Jahr steht noch der Sportabzeichen-Tour-Stopp in Hünfeld auf dem Plan. Und im kommenden Jahr wollen wir unser 75-jähriges Jubiläum nachfeiern und unser Sportkreis-Buch veröffentlichen.
Die Vereine unseres Sportkreises haben noch rund 1,5 Millionen Euro in den „Sparbüchern“ des lsb h stehen. Mehr als 100 Vereine haben die Fördermittel noch nie in Anspruch genommen. Hier müssen wir unser Beratungsangebot ausbauen.
Zudem träume ich immer noch von einem Sportabzeichen-Tag auf Hessens höchstem Berg und einem unter Tage, zum Beispiel in Merkers. Vielleicht ruft in den nächsten Tagen ein K+S-Verantwortlicher bei mir an, und wir finden einen Kompromiss auf dem Kaliberg in Neuhof. Das wäre eine tolle Sache fürs nächste Jahr.
Landessportbund-Präsident Dr. Rolf Müller hat sich für heute Abend angekündigt. Wenn er drei Millionen Euro für den Sportkreis Fulda-Hünfeld im Gepäck hätte – das sind in etwa die Kosten für die neue Fahrradbrücke über die Fulda – für welche drei Projekte würden Sie das Geld ausgeben? 
Das habe ich heute Nacht geträumt. Wir haben unzählige Sportplätze in der Region, aber in den Sporthallen gibt es keine freien Belegungszeiten mehr und in den Turnvereinen fast überall Aufnahmestopps. Ich würde mit den drei Millionen daher gerne den Bau eines großen Leistungszentrums Turnen unterstützen. Wenn das Land, die Stadt und der Kreis mit Beträgen in dieser Größenordnung mitziehen, könnte man sogar zweistöckig bauen und Hallen-Trainingsmöglichkeiten sogar für Leichtathleten schaffen. Vielleicht könnten wir da noch eine Geschäftsstelle mit Besprechungsraum und Lager für den Sportkreis unterbringen. Leider reichen dann die drei Millionen nicht, aber ich spreche mal mit Rolf, ob es ein bisschen mehr sein kann.
Und dann bin ich aufgewacht und stand ohne Mittel für das Leistungszentrum wieder auf dem Boden der Tatsachen.

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