Friedrich Schulze (TV Gelnhausen) nimmt sein nächstes Ziel ins Visier.
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Friedrich Schulze (TV Gelnhausen) nimmt sein nächstes Ziel ins Visier.

Spitzenplätze im Neunkampf und Hochsprung

„Ich habe alles erreicht, was ich konnte“: Leichtathletik-Talent Friedrich Schulze aus Steinau über die Saison

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Friedrich Schulze nimmt in der Deutschen Bestenliste die Spitzenplätze im Neunkampf und im Hochsprung ein. In beiden Disziplinen hätte der 15-Jährige in den nationalen Kader kommen können. Die Wahl fiel auf den Mehrkampf.  

Fulda - Die Saison 2020 hätte für Friedrich Schulze kaum besser verlaufen können. Das Leichtathletik-Talent aus Petersberg-Steinau (Landkreis Fulda) ließ sich weder durch die Corona-Pandemie noch die weiten Fahrten zum Training nach Frankfurt oder Gelnhausen aus der Ruhe bringen. Gleich im ersten Jahr seiner Zugehörigkeit zum TVGelnhausen explodierten die Leistungen des Freiherr-vom-Stein-Schülers.

„Natürlich bin ich sehr zufrieden. Ich habe alles erreicht, was ich konnte“, sagt Friedrich Schulze. Ein klein wenig überraschte ihn seine Leistungsexplosion selbst, so richtig fassen konnte er seinen Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften im Neunkampf erst mit der Zeit. „Das war ein cooles Gefühl. Anfangs konnte ich mich nicht so freuen, ich war einfach zu erschöpft. Die Freude kam dann nach und nach.“

Leichtathletik-Talent Friedrich Schulze aus Petersberg-Steinau: „Ich habe alles erreicht, was ich konnte“

Der Mehrkampf, das ist sein Leben. Abwechslung im Training sei ihm sehr wichtig. So war es für Friedrich klar, dass er den Avancen der Hochsprung-Bundestrainerin Sophia Sagonas nicht nachgeben wird, sondern sich für den Zehnkampf entscheidet, den er nächstes Jahr mit seinem Altersklassenwechsel erstmals bestreiten wird. „Ich bin ja nicht nur im Hochsprung gut, sondern habe Erfolge in vielen anderen Disziplinen“, erläutert Friedrich.

Der Blick in die deutsche Bestenliste bestätigt, dass er es im Stabhochsprung (3. mit 3,90 m), Kugelstoßen (6. mit 15,81 m), Diskuswurf (9. mit 50,61 m) locker mit Individualisten aufnehmen kann. Im Hochsprung sowieso: Mit seinen 1,92 Metern hat er sogar acht Zentimeter Vorsprung auf den nächsten Konkurrenten. Dabei war in dieser Disziplin noch wesentlich mehr drin. Wegen der Corona-Pandemie reduzierte sich das Wettkampfangebot enorm, die 2 Meter lagen im Bereich des Möglichen. (Lesen Sie hier: Frauenfußball in Osthessen: „Geld gab‘s keins“ - Erinnerungen an Bundesliga-Zeiten in Schwarzbach).

Der Mehrkampf ist sein Leben - Talent Friedrich Schulze aus Steinau berichtet

Die sollen nun im kommenden Jahr fallen. Mit Prognosen bezüglich seines Leistungsvermögens hält sich Friedrich bedeckt. Bei den Deutschen U18-Meisterschaften eine Top-Ten-Platzierung zu erreichen, sei ein Ziel, gibt er sich bescheiden. Nach internationalen Wettkämpfen befragt, lässt er sich dann aber entlocken: „Die Qualifikation für die U 18-EM wäre ein Highlight“, 6900 Punkte seien allerdings auch eine Hausnummer.

Vor der zehnten Disziplin, den 400 Metern, hat der 15-Jährige Respekt. „Die bin ich noch nie gelaufen.“ Aber gerade im Sprint sieht er sein größtes Verbesserungspotenzial. „Ich bin nicht der Schnellste“, gesteht er. „Mein Trainer hat mir gesagt, ich könnte eine gute Zeit laufen, richtig schnell würde ich aber nie werden.“

Videokonferenz mit Leichtathletik-Bundestrainer Lars Albert

Seit Kurzem gehört der Deutsche Meister dem nationalen Nachwuchskader P2 an. Statt der Kadereröffnung im Bundesleistungszentrum Kienbaum stand wegen der Pandemie vor zwei Wochen nur eine Videokonferenz mit Bundestrainer Lars Albert auf dem Programm. Die Enttäuschung ob der Absage hielt sich in Grenzen, denn voll trainieren kann Friedrich derzeit eh nicht – eine Zerrung im Leistenbereich gilt es auszukurieren.

Bei Physiotherapeut Michael Franz in Eichenzell befindet sich der 15-Jährige in guten Händen, trainiert dort unter dessen Anleitung, um den Heilungsprozess voranzubringen. „In ein, zwei Wochen kann ich ins normale Training einsteigen“, hofft Schulze. Dann wird er von seinen Eltern wieder fünfmal in der Woche in die Halle nach Frankfurt-Kalbach chauffiert, um seiner Leidenschaft Zehnkampf nachzugehen und die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen.

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