Während viele Vereine sich für eine Annullierung der Saison aussprechen, hat Berthold Helmke eine ganz andere Idee.
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Während viele Vereine sich für eine Annullierung der Saison aussprechen, hat Berthold Helmke eine ganz andere Idee.

Wegen Corona

Erreichte Punkte als Startgutschrift?: Funktionär des SV Steinbach will unterbrochener Fußball-Saison Sinn geben

  • Ralph Kraus
    vonRalph Kraus
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Mit ihren Vereinen sprachen die Kreise des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) in den vergangenen Tagen im Rahmen von Video-Kreiskonferenzen, um sich Meinungsbilder einzuholen - so auch mit dem Clubs aus Lauterbach/Hünfeld. Anregungen waren gefragt, wie es mit der aktuell unterbrochenen Saison weitergehen könnte.

Steinbach - Während sich die meisten Beteiligten nur bezüglich der auf der Tagesordnung genannten Möglichkeiten Annullierung oder Beendigung der Hinrunde aussprachen, kam von Steinbachs Vorstandsmitglied Berthold Helmke ein ganz anderer Vorschlag. „Wenn wir jetzt abbrechen und alles annullieren, wäre alles, was wir bisher gespielt haben, entwertet. Ich fände es deutlich besser, wenn wir uns Gedanken darüber machen würden, ob wir die bisher erreichten Punkte als eine Art Startgutschrift mit in die neue Saison nehmen. Schließlich gibt es unterhalb der Hessenliga weder Auf- noch Absteiger. Das wäre aus meiner Sicht eine faire Lösung“, so Helmke, der seinen Club SV Steinbach als Beispiel nimmt.

Sein SVS steht mit 15 Punkten aus bislang zwölf Spielen im Mittelfeld der Tabelle. „Wir können also ganz beruhigt und objektiv solche Vorschläge machen, denn egal was auch entschieden wird, absteigen werden wir nicht“, erklärt der als Rechtsanwalt tätige Helmke. „Vielleicht können wir aber im Mai noch zwei, drei Partien absolvieren. Wenn alle wüssten, dass man die errungenen Punkte mit in die neue Saison nehmen wird, hätten die Spiele einen echten Anreiz und alles was schon gespielt worden ist, wäre nicht umsonst gewesen. Damit würde eine weitgehende Gerechtigkeit einhergehen.“

Steinbach: Punkte als Startgutschrift? - Berthold Helmke will unterbrochener Fußball-Saison Sinn geben

Helmke ist bewusst, dass es den Sack mit sieben Zipfeln in so einer Situation nicht geben wird. „Es kam sofort von einem anderen Verein der Einwand, dass nicht alle Teams gegeneinander gespielt haben, und ich gebe zu, dass das nicht der Idealfall ist. Den gibt es ohnehin nicht, wobei ich meinen Vorschlag als den fairsten für alle empfinde.“ Allerdings gibt es in der Hessenliga ein Problem: die Absteiger aus der Regionalliga. Stadtallendorf und wohl auch Alzenau kommen mindestens runter. Welche Startgutschrift steht ihnen als zu? „Darüber muss man in aller Ruhe und Sachlichkeit diskutieren. Vielleicht dient die Punktzahl des Tabellenzweiten als Orientierung. Oder eben der Punktedurchschnitt aller Teams. Da würde sich eine gerechte Lösung finden lassen“, gibt sich der 70-Jährige zuversichtlich.

Jürgen Radeck als Verbandsvertreter hätte den Vorschlag gut aufgenommen, sagt Helmke: „Er sieht es als Idee, die von den fest eingefahren Gedankenspielen abweicht und will es im Verband prüfen lassen“, so der Steinbacher, der anfügt: „Man muss auch einmal über den Tellerrand hinausblicken.“ (Lesen Sie hier: Fußball: Kilian Kümmel ist Gläserzell seit Kindertagen treu - und denkt mit 32 Jahren nicht ans Aufhören).

Berthold Helmke: Den Idealfall gibt es nicht, wobei ich meinen Vorschlag als den fairsten für alle empfinde

Möglich ist auch eine Teilung der Hessenliga, die in der kommenden Saison 2021/2022 eventuell mit 22 Mannschaften spielen muss. Der Verband überlegt jedenfalls, ob die Hessenliga in eine Süd- und Nord-Gruppe aufgeteilt wird. „Bloß nicht“, so Helmke warnend: „Die Bedeutung der obersten hessischen Spielklasse würde komplett herabgewertet werden.“

Die Entscheidung, wie mit der seit Ende Oktober unterbrochenen Saison verfahren wird, will der HFV am Samstag im Rahmen einer Verbandsvorstandssitzung fällen. Die Meinungsbilder der einzelnen Kreise tendieren klar in Richtung Annullierung. Durch den verlängerten Lockdown bis zum 18. April ist das Mannschaftstraining bis dahin weiterhin nicht möglich, weshalb jede andere Entscheidung als eine Annullierung eine große Überraschung wäre.

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