Stockschießen: Der Stock, der der Daube am nächsten ist, gewinnt.
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Die Mannschaft mit dem gelben Bömbel gewinnt. Der Stock ist dem Ziel, der Daube, am nächsten.

Außergewöhnlicher Sport

Stockschießen wird schnell zur Leidenschaft

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Es sind Exoten, die sich jeden Mittwoch- und Samstagnachmittag bei Wind und Wetter auf der Asphaltbahn am Fuldaer Aueweiher treffen, um ein paar Stöcke zu schießen. Wer es einmal probiert hat und dann noch trifft, ist ein großer Fan des Stockschießens.

Fulda - „Das Ziel anvisieren, den Arm schwingen, den Stock sauber und flach aufsetzen und mit einem Schritt hinterhergehen.“ Manfred Kropp, mit Trainerschein ausgestatteter Sportwart des SC Schovel, gibt Anweisungen. Im Idealfall gleitet der Stock sanft über die Asphaltbahn und bleibt eng an der Daube liegen, was ein Ring aus Hartgummi ist, – oder verdrängt den Stock des Gegners von der Spitzenposition. Die Mannschaft, deren Stock am nächsten zur Daube liegt, punktet.

Gespielt wird in Dreier- oder Vierermannschaften, „so dass jeder zu vielen Schüssen kommt“, erläutert Kropp. Der pensionierte Sportlehrer von der Künzeller Don-Bosco-Schule und Ex-Fußball-Auswahltrainer ist seit 2010 Vereinsmitglied. Über eine Lehrerfortbildung fand er Gefallen an der Sportart.

Ein Perfektionist: Zufrieden ist Manni Kropp, wenn alles klappt.

„Stockschießen hebt sich von anderen Sportarten ab. Du bist auf dich gestellt und hast eine Aufgabe zu lösen. Lautet die, einen Stock herauszuschießen, und du wählst die richtige Scheibe, das richtige Tempo, triffst ihn ganz sauber und dein Stock bleibt noch stehen, dann ist es das Größte“, erzählt Kropp.

Die Begeisterung ist „Manni“ anzumerken. Und wenn es nicht klappt? „Dann ärgere ich mich ganz fürchterlich, analysiere den Fehler und spreche sogar mal laut mit mir.“ An diesem Samstag klappt es. Mit einem satten Klack wird des Gegners Stock aus dem „Haus“ befördert. Mannis Team ist auf der Siegerstraße und jubelt. „You are the best“, lobt Österreich-Import Walter Zehentmeier, ein Kenner. Das Stockschießen ist dem 71-jährigen Wahl-Eichenzeller quasi in die Wiege gelegt worden, denn die Variante auf Eis ist in Österreich Nationalsport.

Wie das Stockschießen nach Fulda kam, ist eine nette Episode. „Wir spielten damals bei Borussia Fulda Handball, waren auf einem Turnier in Murnau und haben beim Erkunden der Gegend das Stockschießen zufällig kennengelernt. Es hat uns so fasziniert, dass wir 1976 bei einer Spielersitzung im Künzeller Christinenhof aus einer Bierlaune heraus den Verein SCSchovel gründeten, um uns ein Betätigungsfeld für die Zeit nach dem aktiven Handball zu schaffen“, erinnert sich Gründungsmitglied und Vorsitzender Gerhard Funk. „Für die Gründungsurkunde musste die Rückseite eines Ölgemäldes aus dem Christinenhof herhalten“, sagt er lachend. Das Bild aus der Gaststätte hängt jetzt im Vereinshaus.

Seit 21 Jahren besitzt der Verein eigene Bahnen und bietet interessierten Gruppen, Firmen und Vereinen eine Einführung ins Stockschießen an – Spaßfaktor garantiert.

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