Mannschaft Wallroth
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Feierten 1982 den Aufstieg in die mit der heutigen Kreisoberliga vergleichbaren A-Klasse (hinten von links): Betreuer Heinrich Fehl, Günther Müller, Werner Bensing, Bernd Möller, Norbert Kraft, Kurt Rosenberger, Oswald Möller, Hans-Georg Leipold und Trainer Heinrich Rosenberger sowie (vorne von links) Jürgen Schmidt, Horst Stoll, Michael Hübl, Horst Bieberle, Edwin Schäddel und Heinz Leipold.

100-jähriges Bestehen

SV Wallroth feiert Jubiläum: Problemlösung ist eine Teutonen-Tugend

Bewegte Geschichte: Der im Jahr 1920 gegründete Sportverein (SV) Teutonia Wallroth besteht nunmehr seit 100 Jahren. Er ist der älteste und mitgliederstärkste Verein in dem aufstrebenden Schlüchterner Stadtteil. Das Corona-Virus hat zwar die Planung der Jubiläumsfeierlichkeiten obsolet gemacht, doch wie aus der Clubhistorie zu lernen ist, gehört das Meistern schwieriger Situationen zu den Grundtugenden der Teutonen.

Wallroth - In sportlicher Hinsicht haben die Teutonen alle Höhen und Tiefen des Fußballsports erlebt. Von der B- bis zur Bezirksliga wurde in den vergangenen Jahrzehnten in verschiedenen Spielklassen gekickt. „Der alte Sportplatz am Wallrother Hirzfeld war von vielen Vereinen gefürchtet“, blickt Ehren-Kreisfußballwart Rainer Grammann zurück.

Man schrieb das Jahr 1920, als sich kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs 19 sportbegeisterte junge Dorfbewohner zusammenfanden, um den SV Wallroth ins Leben zu rufen: Georg Möller, Heinrich Fehl, Nikolaus Kreß, Johannes Möller, Johannes Rüffer, Daniel Herche, Nikolaus Knöll, Adam Augsburg, Hermann Bagus, Heinrich Knöll, Heinrich Kreß I, Heinrich Kreß II, Johannes Lotz, Georg Lotz, Heinrich Möller I, Heinrich Möller II, Heinrich Möller III, Adam Rosenberger und Georg Kreß. Erster Vorsitzender war Georg Möller.

SV Wallroth: Fußball stand bei Gründung noch nicht im Mittelpunkt

„Trotz strenger Regularien überstand der noch junge Verein die Turbulenzen der Gründerzeit“, ist in der Chronik vermerkt. Der monatliche Mitgliedsbeitrag lag bei 50 Reichsmark. Die gemeinsame Leidenschaft zur Körperertüchtigung hatte einen großen Stellenwert. Dabei stand der Fußball noch nicht im Mittelpunkt. Vielmehr fand die Leichtathletik damals besondere Beachtung. Auch andere Aktivitäten wie Theaterspielen wurden gepflegt. Das Gewicht der Vereinstätigkeiten verlagerte sich immer stärker hin zum Fußball. Schwierigkeiten bereitete die Beschaffung von Sportkleidung und Fußballschuhen.

Völlig zum Erliegen kam das Vereinsgeschehen während des Zweiten Weltkriegs. Ab 1948 fand der Verein wieder zu alter Kontinuität zurück. Im Jahr 1953 begann der SV Wallroth mit der Jugendarbeit. Die jugendlichen Spieler bekamen die ausgedienten Fußballschuhe der Seniorenmannschaft zugewiesen. Finanzielle Probleme konnten die Attraktivität des Vereins jedoch nicht schmälern. Der Mitgliederbestand stieg kontinuierlich an. Die Teutonen wurden mit Spielern aus Nachbardörfern verstärkt.

60er-Jahre: Meisterschaft für den SV Wallroth

Nachdem in den 1960er Jahren mehrmals die Meisterschaft in der damaligen B-Klasse errungen wurde, ließ ein weiterer Erfolg bis Anfang der Achtziger auf sich warten: der Aufstieg in die damalige A-Klasse (heutige Kreisoberliga). Mit dem Erfolg einher ging der Bau eines neuen Sportplatzes am Köllerfeld, was zu einem Leistungsschub führte. Gerne erinnert sich der ehemalige, langjährige Vorsitzende Herbert Bensing noch daran, dass ihm das erste Tor auf dem neuen Spielfeld gelang.

Abstiege und erneute Aufstiege wechselten sich in den Folgejahren ab. Eine neue Ära begann beim SV Wallroth im Jahr 1987 mit der Gründung einer Damengymnastikgruppe, 1993 folgte noch eine Aerobic-Gruppe.

Als Mitte der 1990er Jahre die Spielerdecke immer dünner wurde, entschied sich der Vorstand, ab der Saison 1998/99 eine Spielgemeinschaft mit dem benachbarten SV aus dem drei Kilometer entfernt gelegenen Breitenbach einzugehen. 2002 kündigten die Teutonen die Spielgemeinschaft auf, da laut des damaligen Wallrother Vorstandsmitglieds Volker Schulteis die Breitenbacher Seite in der Spielrunde 2001/02 nur noch zwei Spieler für den regelmäßigen Einsatz in der ersten Seniorenmannschaft beisteuern konnte. „Da aber auch auf unserer Seite unerwartet mehrere Spieler aus verschiedenen Gründen nicht mehr für den SVW weiterspielen wollten oder konnten, mussten wir von unserem ursprünglichen Ziel, nämlich wieder eine eigenständige Mannschaft für den Punktspielbetrieb zu melden, sicherheitshalber wieder abrücken und haben deshalb entsprechend Ausschau nach einem anderen Partnerverein gehalten“, berichtet Schulteis vom Zustandekommen der Spielgemeinschaft mit dem ESVElm, mit dem man bereits seit 1998 eine Frauenfußball-Spielgemeinschaft unterhielt. Die Frauen spielten bis zur Auflösung 2008 zusammen und schafften in dieser Zeit zwei Mal den Aufstieg in die Bezirksoberliga Fulda.

Nach Auflösung der ersten Spielgemeinschaft: SV Wallroth oft am Existenzminimum

Nicht ganz so lange und erfolgreich gestaltete sich die Partnerschaft der männlichen Kollegen. Über die einmalige Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur A-Liga in der Anfangssaison 2002/03, als man an Weyhers und Büchenberg scheiterte, kam die SG nicht hinaus. Die nach Schulteis’ Worten „Zweckgemeinschaft“ mit Elm wurde nach Beendigung der Saison 2005/ 2006 im gegenseitigen Einvernehmen wieder aufgelöst. „Allerdings sind wir im Guten auseinandergegangen, während es vier Jahre zuvor von Breitenbacher Seite damals doch den ein oder anderen Kritikpunkt gegeben hatte“, erinnert sich Schulteis.

Ab 2006/2007 versuchten es die Teutonen noch einmal sieben Jahre lang eigenständig, oft am Existenzminimum der B-Liga, aber 2010/11 auch ein Mal als Tabellenfünfter nur fünf Punkte hinter Aufsteiger Heubach. 2013 zwangen wiederum personelle Engpässe den Verein abermals zur Partnersuche, die zurück zum SV Breitenbach führte. Dieser war mittlerweile mit dem TSV Hintersteinau verbandelt, und so fand sich unter dem Namen SG Distelrasen die erste Dreierspielgemeinschaft im Fußballkreis Schlüchtern zusammen. Dieses Dreierbündnis erwies sich als recht schlagkräftig und schaffte 2013/14 auf Anhieb als Dritter der B-Liga den Aufstieg in die A-Liga Schlüchtern, in der die SG seitdem zumeist eine gute Rolle spielt.

Erfolgreiche Jugendarbeit hat sich zur festen Größe entwickelt

Auch im Nachwuchsbereich arbeitet SV Wallroth mit dem SV Breitenbach und dem TSV Hintersteinau seit Anfang der 1990er Jahre zusammen und firmiert nach der jüngsten Erweiterung mittlerweile als JSG Distelrasen/Schlüchtern/Elm. „Die JSG Distelrasen hat sich in der Region zu einer festen Größe entwickelt und konnte im Lauf der letzten Jahre in verschiedenen Altersklassen zahlreiche Meistertitel, Kreispokalsiege und Hallenkreismeistertitel erringen“, sagt der ehemalige Jugendleiter Ronald Lotz.

Im Jahr 2000 baute der SV Wallroth seine Führungsstruktur umgebaut und wird seitdem von einem Vorstandsteam geleitet. Ein weiterer Meilenstein folgte 2015 mit dem Bau eines Kunstrasen-Soccerfeldes aus Vereinsmitteln. Im Jubiläumsjahr gehören dem Verein 270 Mitglieder an.

Es gibt im Fußballkreis Schlüchtern eine Reihe von Vereinen, die 2020 auf ein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Der SV Wallroth wollte den Auftakt im Jubiläumsreigen bilden. Im März war ein Festkommers vorgesehen, der wurde aber wegen der genau zu diesem Zeitpunkt angeordneten Corona-Beschränkungen abgesagt. Die Ausrichtung der Jugend- und AH-Stadtmeisterschaften sollen laut Vorstandsmitglied Marc Lotz ebenso wie der Kommers nächstes Jahr nachgeholt werden. (fch/rd/cap)

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