Shekiera Martinez (rechts) und Theresa Panfil sind stolz, das Trikot von Eintracht Frankfurt zu tragen. 
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Shekiera Martinez (rechts) und Theresa Panfil sind stolz, das Trikot von Eintracht Frankfurt zu tragen. 

SGE-Spielerinnen aus Osthessen

Theresa Panfil und Shekiera Martinez im Videochat-Interview: „Wir sind auf dem richtigen Weg“

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Anstelle eines persönlichen Treffens berichten die beiden Bundesliga-Fußballerinnen per Videochat von ihrer bisherigen Saison als Adlerträgerinnen. Dabei sprechen sie über die Fusion des FFC Frankfurt mit der Eintracht und erzählen, wie sich ihr Vereinsalltag aufgrund von Corona verändert hat.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Situation auf das Training und die Spiele?
Panfil: Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die wir aber bereits gewohnt sind. Seit Mitte März haben wir ein strenges Hygienekonzept, an das wir uns alle halten müssen. Für uns ist es ein Privileg, weiter Fußball spielen zu dürfen. Somit sollte es ein Leichtes sein, sich an die Vorgaben zu halten.
Ist es klar, dass in der Frauen-Bundesliga weitergespielt wird? 
Panfil: Aktueller Stand ist, dass der Trainings- und Spielbetrieb weitergeführt wird. Wie sich die aktuelle Situation ändert und welche Neuregelungen dadurch entstehen, wissen wir natürlich selbst nicht. Der DFB hat mit der DFL ein Konzept ausgearbeitet, mit dem wir aktuell sehr gut arbeiten können.

Zur Person: Theresa Panfil

Geburtstag: 13. November 1995. Geburtsort: Flieden. Position: Sturm. Im Verein seit: 1. Juli 2015. Bisherige Vereine: Haimbacher SV, Buchonia Flieden, Bayer Leverkusen, FFC Frankfurt.

Inwieweit wirken sich die strengen Vorgaben auf Ihren Alltag und das Privatleben aus?
Panfil: Wir dürfen uns nur in unserem häuslichen Umfeld aufhalten und sollen soziale Kontakte bestmöglich vermeiden. Schließlich haben wir nicht nur eine Verantwortung uns gegenüber, sondern ebenso unseren Mitspielerinnen und dem ganzen Team drumherum. Dementsprechend sind wir angehalten, möglichst zu Hause zu bleiben. Spazierengehen und Einkäufe erledigen ist natürlich erlaubt.
Martinez: Den direkten Kontakt zu meiner Familie und den Freunden versuche ich weitgehend zu minimieren. Da ich in einer WG mit Mannschaftskolleginnen wohne, ist das auf jeden Fall machbar.
Im November sind generell keine Zuschauer erlaubt. Wie ist es, ohne diese zu spielen?
Panfil: Auch das kennen wir bereits vom Re-Start der Liga im Mai. Ich denke, für mich war der Re-Start damals etwas leichter als für die Mannschaft, weil ich durch meine Verletzung kaum gespielt hatte. Die anderen waren es gewohnt, die Zuschauer im Rücken zu haben und nach vorne gepeitscht zu werden. Letztendlich haben wir uns an die Situation gewöhnt, aber natürlich ist es nach wie vor seltsam, vor leeren Rängen zu spielen und nicht unterstützt werden zu können.
Im Sommer fand die Fusion zwischen dem 1. FFC Frankfurt und der Eintracht statt. Wie haben Sie diese erlebt?
Martinez: Vieles ist gleichgeblieben und hat sich nicht großartig verändert, sprich die Mannschaft und das Trainerteam. Allgemein kann man aber sagen, dass das Ganze professioneller geworden ist, was ein guter Sprung für den Frauenfußball ist.
Panfil: Professionalisiert hat es sich beispielsweise in Bezug darauf, dass wir nun einen hauptamtlichen Athletiktrainer und einen weiteren Co-Trainer haben. Außerdem hat sich der Betreuerstab vergrößert. Das ermöglicht Individualeinheiten und neuen Input im athletischen Bereich. Wir wurden von der gesamten Eintracht-Familie super aufgenommen und erfahren sehr gute Unterstützung. 

Zur Person: Shekiera Martinez

Geburtstag: 4. Juli 2001. Geburtsort: Fulda. Position: Sturm. Im Verein seit: 1. Juli 2016. Bisherige Vereine: SV Gläserzell, FV Horas, FFC Frankfurt.

Nach den ersten Spieltagen stehen Sie auf dem vierten Platz. Rang drei hieße Champions-League-Qualifikation. Wie zufrieden sind Sie mit der Situation?
Panfil: Allgemein haben wir die Euphorie der Fusion mit in die neue Saison genommen, haben befreit aufgespielt und sind entsprechend mit erfolgreichen Spielen gestartet. Mit der englischen Woche Mitte Oktober kam dann ein kleiner Knick. Trotz guter Spiele wurden wir vom Pech verfolgt. Letztendlich können wir froh über die Platzierung sein und haben mit den nächsten Spielen die Möglichkeit, weitere Punkte einzufahren. Selbstbewusstsein und Qualität haben wir.
Mit Bayern, Potsdam und Wolfsburg erwarten Sie in den kommenden Spielen Topmannschaften. Was fehlt Ihnen noch, um mit diesen Teams gleichzuziehen?
Panfil: Ich denke, wir als junge, talentierte Mannschaft stecken mitten in der Entwicklung, der nächste Schritt ist mit der Fusion gemacht. Wir versuchen, das Ganze ohne Druck anzugehen. Bayern und Wolfsburg sind einem größeren Druck ausgesetzt, weil sie schon länger oben mitspielen, sich dort halten wollen und unter sehr professionellen Bedingungen im deutschen Frauenfußball agieren. Da haben wir noch etwas aufzuholen. 
Wenn man über Ihre persönliche Situation redet, dann muss man bei Ihnen, Frau Panfil, auf die Verletzungshistorie schauen. Wie geht es Ihnen aktuell?
Panfil: Mir geht es gut, ich fühle mich sehr wohl und genieße jede Minute, die ich auf dem Platz stehe. Vergangenes Jahr wäre das noch nicht denkbar gewesen. Deshalb bin ich froh, dass ich diese Saison bislang verletzungsfrei bin und die Mannschaft unterstützen kann.
Frau Martinez, Sie haben die ersten beiden Spiele der Saison absolviert und dann erst wieder im DFB-Pokal gegen Karlsruhe Ihr Comeback gegeben. 
Martinez: Ich hatte in der Zeit zwei Muskelfaserrisse und eine leichte muskuläre Verhärtung. Jetzt möchte ich natürlich wieder auf hundert Prozent kommen, verletzungsfrei bleiben und die Mannschaft bestmöglich unterstützen.
Dieses Jahr werden 50 Jahre Frauenfußball gefeiert. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung? Was ist noch verbesserungswürdig?
Panfil: Im Vergleich zum Männerfußball, sind 50 Jahre professioneller Frauenfußball beim DFB relativ wenig. Meiner Meinung nach wurden in den vergangenen 10 bis 15 Jahren große Schritte nach vorne gemacht, um den Frauenfußball auf eine höhere Stufe zu stellen. In der Bundesliga sind wir nun so weit, dass es überwiegend Mannschaften mit einer Lizenzspielerabteilung gibt und überall deutlich professionellere Strukturen als noch vor einigen Jahren gelebt werden. Aber es gibt in der Bundesliga Vereine, in denen der Fußball nicht von allen hauptberuflich ausgeübt wird. Viele Spielerinnen arbeiten nebenbei oder studieren. Generell ist es üblich, dass fast alle Spielerinnen ein zweites Standbein aufbauen, um nach der Sportkarriere weiter arbeiten zu können. Wir haben nicht die Möglichkeit, so viel Geld zurückzulegen wie die Männer. Mit Blick in die Zukunft sollte es unser Ziel sein, noch professioneller zu agieren. Dafür muss aber noch viel getan werden.

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