Timo Boll hofft, noch möglichst lange auf dem hohen Level zu spielen.
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Timo Boll hofft, noch möglichst lange auf dem hohen Level zu spielen.

Interview über Privates

Tischtennis-Profi Timo Boll (39) zu möglichem Karriere-Ende: „Man muss mich irgendwann von der Platte zerren“

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Wenn Timo Boll nach Maberzell kommt, ist volles Haus garantiert. Der Corona-Lockdown verhindert dies. Statt Autogramme zu schreiben nimmt sich der 39-jährige Tischtennis-Superstar der Borussia aus Düsseldorf Zeit für ein Interview und gibt Privates preis.

Mit 16 hat man noch Träume. Wie sieht es mit 39 aus?
Ehrgeiz ist auf jeden Fall da. Allerdings ist nicht mehr jeder Tag wie der andere. Mal bin ich ganz der alte und strotze vor Energie. Dann gibt es Tage, an denen ich aufwache und es zwickt überall. Derzeit befinde ich mich in einer sehr guten Phase. Ich fühle mich so, als ob ich bei Olympia auf jeden Fall um Medaillen kämpfen kann.
Wie stark behindern die Corona-Beschränkungen die Vorbereitungen auf Ihre sechsten Olympischen Spiele in Tokio?
Nicht sonderlich. Ich bestreite viele Bundesliga-Spiele und kann während der Woche mein Trainingsprogramm durchziehen. Für mich als älterer Spieler ist es nicht so problematisch, nicht durch die Welt zu fliegen, um auf internationalen Turnieren zu spielen. So habe ich meine Routine und nicht ständig andere Zeitzonen und Temperaturwechsel. Das tut mir ganz gut.

Tischtennis-Profi Timo Boll gibt im Interview Einblick in sein Privatleben

Sieg über Maberzell

Rekordmeister Borussia Düsseldorf ist derzeit das Maß der Dinge in der Tischtennis-Bundesliga. Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat sich am Sonntag im Heimspiel nicht abschlachten lassen. Bei der erwarteten 0:3-Niederlage holte jeder Maberzeller Spieler zumindest einen Satz.

Dann bleibt auf jeden Fall mehr Zeit für Ihre Familie.
Ja, so lange an einem Stück war ich noch nie zuhause. Unsere Champions-League-Bubble in Düsseldorf – das waren neun oder zehn Tage – hat sich ewig lang angefühlt. Das war sonst der Standard. Da war ich ein bis drei Wochen am Stück unterwegs und bekam die Koffer an den Flughafen gebracht, um wieder frische Wäsche zu haben. Jetzt bekomme ich was von der Kindheit meiner Tochter mit. Deshalb will ich mich nicht groß beschweren.
Ihre Tochter Zoey ist sieben Jahre alt. Wer ist für das Homeschooling zuständig?
Das mache ich.
Sie haben die nötige Ruhe?
Ja, aber durch den Sport bin ich Perfektionist. Ich ertappe mich manchmal, dass ich doch recht hohe Erwartungen an sie habe. Da muss ich mich echt manchmal am Riemen reißen.
Wären Sie der geborene Grundschullehrer?
Da müsste ich mich einen Tick umerziehen. Als Leistungssportler bin ich sehr akribisch und fast detailversessen. Das darf man in der Grundschule nicht sein. Wenn das E oder O nicht ganz so schön geschwungen ist, muss man drüber hinwegsehen, ohne gleich einen Anfall zu bekommen. Diese Akribie hat mich als Sportler so gut gemacht und ist vielleicht eine Schwäche als Lehrer.
Ihre Frisur sitzt. Was ist das Geheimnis?
Ich habe das große Glück, dass meine Frau gelernte Friseurin ist. Sie arbeitet zwar seit 15 Jahren nicht mehr, hat es aber nicht verlernt. Da bin ich froh, ab und zu mal nachgeschnitten zu bekommen, ohne was Verbotenes zu machen.
Sie strahlen Ruhe aus. Kann Sie überhaupt was auf die Palme bringen?
Wir haben gerade wieder einen jungen Welpen bekommen. Der ist zehn Wochen alt und voller Energie. Wenn er zum 25. Mal Tisch- oder Stuhlbein anbeißt, muss ich echt die Contenance bewahren. Da kribbelt es in mir.
Sportler sind gern gesehene Gäste bei den verschiedensten Fernsehformaten. Käme für Sie ein Einsatz im Dschungelcamp, bei Let’s Dance oder der ultraharten Sportshow Ewige Helden in Frage?
Die Ewigen Helden war zum Teil eine ganz witzige Sendung mit ein paar ganz guten Challenges. Das andere ist einfach zu extrem. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht so der Typ dazu bin, der auf Teufel komm raus im Mittelpunkt stehen will. Und dafür sind diese Shows ja gemacht.
Gibt es Planungen für ein Leben nach der aktiven Laufbahn?
Klar macht man sich ein paar Gedanken. Im Kopf bin ich noch zu sehr Sportler und Tischtennisspieler. Es macht mir noch zu viel Spaß. Der Gedanke daran tut mir schon weh. Ich bin dankbar, dass es auf dem hohen Level noch so gut geht. Ich versuche das Laufbahnende so lange wie möglich hinauszuziehen. Es wird wohl nie mehr was geben, was ich so gut kann und mir so viel Spaß macht. Man muss mich wahrscheinlich irgendwann von der Platte zerren.

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