Braucht den Austausch mit dem Publikum. Das pusht Quadri Aruna zusätzlich.
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Braucht den Austausch mit dem Publikum. Das pusht Quadri Aruna zusätzlich.

Vor dem World-Cup-Turnier

Maberzells Quadri Aruna im Interview: „Ich brauche die Zuschauer“

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Höflich, voller Tatendrang und in der Weltrangliste als 20. weit vorne: Quadri Aruna sollte den TTC Maberzell ins Mittelfeld der Tischtennis-Bundesliga führen. Bisher läuft’s nicht rund. Das geht besser, verspricht der 32-Jährige.

Maberzell liegt mit 2:8 Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz, ihre Einzelbilanz mit 3:4 Siegen bedeutet im Ranking Platz 25. Ihren Einstand in der Tischtennis-Bundesliga hatten Sie sich bestimmt anders vorgestellt.
Ja, natürlich. 
Warum tun Sie sich so schwer gegen Kontrahenten, die in der Weltrangliste weit hinter Ihnen liegen?
Es fällt mir noch sehr schwer, mich an das Spielniveau in Deutschland anzupassen. Aber ich glaube fest daran, dass mir das sehr bald gelingen wird. Die Bundesliga ist wirklich stark und herausfordernd. Ich denke, dass die Gewinnchance immer ungefähr 50:50 beträgt. Ein Manko war sicherlich, einige Spiele ohne Zuschauer bestreiten zu müssen, wie in Bad Königshofen und Düsseldorf. Das ist für mich nicht befriedigend; die Moral war nicht die gleiche wie bei Spielen mit Publikum. Zuschauer sind für mich sehr wichtig, das spornt mich zusätzlich an.
Gibt es einen großen Unterschied zwischen Bundesligaspielen und internationalen Turnieren?
Die Bundesliga und internationale Turniere sind sich sehr ähnlich. Das Spielniveau ist hier wie da sehr hoch.
Ihre Waffe ist die Vorhand. Ihre Schwachstelle die Rückhand. Das nutzen die Gegner konsequent. Wie können Sie das Dilemma abstellen?
Ich arbeite sehr hart daran, noch variabler zu werden und bin guter Dinge, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich freue mich darauf, mein Bestes für die Mannschaft zu geben.
Sie weilten einige Wochen in Maberzell, trainierten in Fulda, Frankfurt und Düsseldorf. Wie gefällt es Ihnen in Deutschland?
Deutschland ist ein schönes Land mit netten Menschen. Ich genieße meinen Aufenthalt in Fulda sehr.
Sie sind Nigerianer, besitzen einen portugiesischen Pass und leben mit Ihrer Familie in Lissabon. Als was fühlen Sie sich?
Für mich ist Portugal mein zweites Zuhause, hier lebe ich gerne. Aber Nigeria ist meine Heimat. Am Ende der Saison machen wir dort Ferien und besuchen Verwandte und Freunde.
Durch Ihre Einsätze in der Bundesliga weilen Sie öfter im Ausland als früher. Fehlt Ihnen Ihre Familie?
Ich bin ein Familienmensch und genieße es immer sehr, mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen zu sein. Bin ich unterwegs, halte ich jeden Tag mit ihnen Kontakt via Internet. Auch wenn ich in Lissabon bin, steht das Training im Vordergrund. Tischtennis ist mein Beruf. Es ist mir sehr wichtig, dass ich mit meiner Arbeit gut für die Familie sorgen kann. 
Am Sonntag erwartet der TTC den Deutschen Meister Saarbrücken, ehe für Maberzell wegen der Turnierserie in China eine fünfwöchige Ligapause ansteht. Was ist gegen die Saarländer möglich?
Natürlich ist es gut, nach drei Auswärtsspielen wieder in der eigenen Halle spielen zu können. Mit unseren Zuschauern zu Hause ist nichts unmöglich, wir werden alles geben und sehen, wie es läuft.
Im Kampf um den Klassenerhalt sind die beiden Spiele am 27. November gegen Aufsteiger Bad Homburg und am 4. Dezember in Grenzau immens wichtig. Wie groß ist der Druck?
Wir sind Profis und stehen in jedem Match unter Druck – natürlich in den beiden Spielen besonders, denn die Punkte brauchen wir dringend.
Machen Sie sich Sorgen, der Klassenerhalt könnte nicht geschafft werden?
Natürlich. Aber ich glaube, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern werden und uns noch bessere Tage bevorstehen. Hoffentlich gibt es ein gutes Ende für uns.
Corona wirbelt das Leben gehörig durcheinander – der Sport ist davon nicht ausgenommen. Hätten Sie sich mit dem Wissen von heute wieder für ein Engagement in der Tischtennis-Bundesliga entschieden?
Auf jeden Fall. Es war immer mein Traum, in der Bundesliga zu spielen. Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass mir Maberzell die Möglichkeit gegeben hat. Und ich werde alles geben, um den Verein und die Zuschauer nicht zu enttäuschen.
Am Montag reisen Sie für vier Wochen nach China, leben dort in einer Blase und werden ein World-Cup-Turnier (13. bis 15. November in Weihai) und die ITTF-Finals (19. bis 22. November in Zheng) bestreiten. Was sind Ihre Ziele?
Meine Ziele sind immer die selben: Ich möchte meine Leistung steigern und ein guter Botschafter für mein Land, meine Sponsoren und meinen Club sein.
Im kommenden Jahr stehen die um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele in Tokio auf dem Programm. Das wären dann ihre dritten. Glauben Sie an eine Austragung?
In der jetzigen Situation ist kaum etwas planbar. Natürlich sind Olympische Spiele etwas Besonderes. Gesundheit und Sicherheit gehen aber vor. 
Sie sind 32 Jahre alt. Wie lange wollen Sie Ihren Sport als Profi noch ausüben?
Ich hoffe noch einige Jahre. Ich werde weiter Tischtennis spielen, solange mein Körper es zulässt und die Leistung stimmt.

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