Tischtennisspielerin Sarah Rau in ihrem Trainingszentrum zu Hause. Sie spielt gegen einen Roboter.
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Sarah Rau in ihrem eigenen kleinen Trainingszentrum.

Tischtennis

Training mit dem Roboter: Sarah Rau aus Schmalnau träumt von der EM

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Die Sportstätten sind zwar geschlossen, was aber kein größeres Problem für Sarah Rau darstellt: Die 15-jährige Tischtennis-Nationalspielerin aus Schmalnau hat ein kleines eigenes Trainingszentrum im Elternhaus.

So hat sich am Alltag der Freiherr-vom-Stein-Schülerin seit sechs Wochen wenig geändert: Schule und Training, Training und Schule – allerdings alles in den heimischen vier Wänden.

Videokonferenz mit der Bundestrainerin

Neben ihrem hauseigenen Trainingszentrum ganz wichtig: eine stabile Datenleitung. Denn über diese kommuniziert Sarah Rau mit ihren Tischtenniskolleginnen und der Bundestrainerin Lara Broich. Am Montag stand zum Beispiel wieder eine Zweistundenkonferenz auf dem Programm. „Wir besprechen dort überwiegend Taktik und Spielsysteme, die wir analysieren sollten“, berichtet das Tischtennis-Ass. Statt Praxis halt mal Theorie. „So viel Zeit haben wir dafür sonst nie, da steht die Praxis eher im Vordergrund“, erzählt Sarah Rau.

Ohne meinen Butterfly-Roboter wäre ordentliches Training gar nicht möglich.

Sarah Rau

Ihr sportliches Pensum in der Woche mit sechs Trainingstagen kann sich sehen lassen. „Aufschläge stehen jeden Tag auf dem Programm“, erklärt sie. Da Sarah Rau keine Trainingspartnerin hat, übernimmt diesen Part ihr Butterfly-Roboter, der ihr die Bälle serviert. „Bei ihm kann ich verschiedene Übungen einstellen. Ohne den Roboter ginge das Training überhaupt nicht“, sagt sie. Der Roboter kommt, damit es nicht zu eintönig wird, alle zwei Tage zum Einsatz. Im Wechsel stehen Lauf- und Krafttraining auf dem Programm. Sarah Rau ist sich sicher: „Konditionell, kräftemäßig und taktisch habe ich mich bestimmt verbessert“, gewinnt sie der Situation noch das Beste ab, spielerisch hofft sie, ihr Niveau zumindest zu halten. Natürlich vermisst sie den Kontakt zu ihren Vereinskolleginnen in Niestetal oder den Hessen- und Bundeskaderathletinnen.

Jugend-EM als großes Ziel

Um eine adäquate Trainingspartnerin zu haben, müsste Sarah Rau allerdings bis nach Frankfurt fahren, was für sie im Augenblick nicht infrage kommt. Doch hofft die 15-Jährige, dass möglichst bald das Sportverbot gelockert und normales Training wieder möglich sein wird. Denn die Schmalnauerin hat ein großes Ziel: die Teilnahme an der Jugend-EM, die auf den Herbst verschoben wurde. Im vergangenen Jahr musste Sarah Rau verletzungsbedingt auf ihr EM-Debüt verzichten, nachdem sie beim Abschlusslehrgang umgeknickt war.

Sarah Rau bei ihrem Training.

Vier Spielerinnen nimmt der Deutsche Tischtennis-Bund mit zur EM, Sarah Rau wird derzeit auf dem fünften Rang gelistet. Da die Turnierphase frühzeitig abgebrochen wurde, konnte sie kaum Ranglistenpunkte sammeln. Deshalb hofft sie auf eine rasche Fortsetzung der Saison. Dass sie auf dem richtigen Weg war, verdeutlichen ihre Erfolge zum Saisonauftakt, als sie bei den Landesmeisterschaften der U 18 im Finale die drei Jahre ältere Favoritin und Deutschlandpokalsiegerin Ayumu Tsutsui ebenso bezwang wie beim Top-12-Turnier namhafte Mitstreiterinnen, ehe am 13. März, einen Tag vor den Deutschen Meisterschaften, die Saison ausgesetzt wurde.

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