Tischtennis: Ruwen Filus vom TTC Fulda-Maberzell hat den zweiten Platz bei der neuen Turnierserie „World Table Tennis“ in Doha geholt.
+
Tischtennis: Ruwen Filus vom TTC Fulda-Maberzell hat den zweiten Platz bei der neuen Turnierserie „World Table Tennis“ in Doha geholt.

Interview

Tischtennis: Ruwen Filus meldet sich in Weltspitze zurück - Saisonabschluss mit Maberzell am Sonntag

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
    schließen

Ruwen Filus (33) vom TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat sich nach bescheidener Bundesligasaison beim zweiten Turnier der neuen Serie in Doha in der Weltspitze zurückgemeldet. Dabei räumte der Tischtennisprofi reihenweise Favoriten aus dem Weg und belohnte sich mit Rang zwei. Olympia ist nun wieder einen Gedanken wert. 

Wie war der Empfang in Deutschland?
Der war ruhig. Ich habe gleich den Nachtflug genommen und bin morgens sehr früh gelandet. Meine Kinder hatten einen Zettel gemalt und Luftballons aufgepustet.
Wann waren Sie das letzte Mal so glücklich?
Spielerisch ist das schon sehr lange her. Nach der verkorksten Saison war es für mich wie ein Befreiungsschlag. Dass ich bei einem Turnier ein, zwei gute Spieler schlagen kann, habe ich mir schon zugetraut. Aber dass ich noch einmal ganz oben mitspielen kann, das hätte ich eher nicht gedacht.

Tischtennisprofi Ruwen Filus: Das ich noch mal ganz oben mitspielen kann, hätte ich nicht gedacht

Dabei sind Sie beim ersten Turnier der neuen Serie, dem WTT-Contender, gleich rausgeflogen. Was ging da in Ihnen vor?
Ich habe gedacht, läuft das jetzt so weiter wie in der Liga? Denn ich hatte mich auch beim ersten Spiel wie die ganzen 14 Tage gut gefühlt, habe in allen fünf Sätzen geführt, zum Schluss im fünften aber mit 11:13 verloren. Ich probierte dann abzuschalten, mich auf den anderen Wettbewerb in der größeren Halle vorzubereiten. Nach meinem frühen Ausscheiden hatte ich ja genügend Zeit. Natürlich kommen unwillkürlich Gedanken, es könnte wieder so schlecht laufen wie in der Bundesliga, das verfolgte mich schon.
Die Sorge war unbegründet. Sie lieferten eine tadellose Leistung ab.
Ja, natürlich bin ich sehr zufrieden. Ich habe eine konstant gute Leistung gezeigt, kaum einfache Fehler gemacht, sehr druckvoll und mutig genug gespielt, was in letzter Zeit gefehlt hat. Ich glaube aber nicht, dass es das Maximum war.

Olympia in Tokio ist für Tischtennisprofi Ruwen Filus vielleicht doch noch eine Option

Die Siege gegen topgesetzte Spieler haben Ihnen viele Punkte eingebracht und Sie in der Weltrangliste von Position 42 auf 35 befördert. Hat sich dadurch Ihre Olympiachance vergrößert?
Die Weltranglistenposition ist nicht so ausschlaggebend. Allerdings habe ich gezeigt, dass ich gegen die asiatischen Topspieler gewinnen kann. Vielleicht gibt dies noch einen kleinen Ausschlag zu meinen Gunsten. Vor dem Turnier hätte ich nach dieser Saison nicht gedacht, dass ich eine Chance auf das vierte Olympiaticket hinter den gesetzten Spielern Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska hätte. Die anderen deutschen Spieler waren zu gut.
In Doha kassierten Sie zudem 19 000 Dollar Preisgeld. Was gönnen Sie sich?
Nichts. Wir haben erst vor drei Jahren gebaut. Da haben wir noch genügend abzuleisten, so dass wir das Geld ins Haus stecken.

Ruwen Filus vom TTC Maberzell: Habe gute Chancen, bei der EM in Warschau dabei zu sein

Haben Sie Gefallen an der neuen Turnierserie gefunden? Folgt eine Fortsetzung?
Grundsätzlich bin ich gerne bereit, die internationale Serie zu spielen, um internationale Vergleiche zu haben und in der Weltrangliste nach vorne zu kommen. In der aktuellen Situation muss man schauen, wie weit man das gewährleisten kann, beispielsweise wegen der Quarantänebestimmungen. Im Mai findet ein China-Hub statt. Da werden zwei WTT-Champion-Turniere gespielt, zu denen 32 Spieler eingeladen werden.
Da bin ich im ersten Moment zwar als Weltranglisten-35. nicht dabei. Aber es werden genügend absagen, so dass ich wahrscheinlich die Chance hätte, zu spielen. Für zwei Turniere müsste man vermutlich 38 Tage vor Ort sein. Das muss man sich gut überlegen. Im Moment tendiere ich eher zu einem Nein, weil es zu lange ist und es einfach zu viele Ungereimtheiten gibt.
Was steht an internationalen Meisterschaften außer den Olympischen Spielen noch auf dem Programm?
Die EM im Juni in Warschau. Durch das Turnier habe ich sehr gute Chancen, wieder dabei zu sein.

Neue Turnierserie: World Table Tennis

Die neue Turnierserie „World Table Tennis“ (WTT) des Weltverbandes ITTF ist in Doha mit dem WTT-Contender und WTT-Star-Contender gestartet. Sie ersetzt die bisherige World Tour.

Kernpunkte sind deutlich höhere Preisgelder, mehr Weltranglistenpunkte und eine neue Turnierstruktur, die an die ATP-Serie im Tennis erinnert: Höhepunkte sind vier Grand-Smash-Turniere, die jeweils mit bis zu drei Millionen Dollar dotiert sein sollen und mit 2000 Weltranglistenpunkten mit Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften auf einer Stufe stehen.

Bei den WTT-Events wird in unterschiedlichen Runden über eine unterschiedliche Anzahl von Gewinnsätzen gespielt.

Am Sonntag findet der Saisonabschluss in der Bundesliga statt. Zum Hessenderby geht es nach Bad Homburg. Wie groß ist der Erfolgsdruck?
Unabhängig vom Abschneiden in Doha ist es ohnehin mein Anspruch, beide Spiele zu gewinnen, so es dazu kommen sollte. Jetzt erwarten das natürlich mehr Leute.
Maberzell wird die Saison auf dem mäßigen zehnten Rang beenden. Für die kommende Runde soll der Franzose Alexandre Cassin den TTC verstärken. Kennen Sie ihn?
Vor drei Jahren spielte ich mal gegen ihn. Er ist ein junger, aufstrebender Spieler, der einige sehr gute Matches gemacht hat. Wie konstant er spielt, muss man dann schauen.
Was ist in der nächsten Saison möglich?
Auf jeden Fall möchten wir wieder mehr ans Mittelfeld anknüpfen, und ich persönlich mal eine bessere Bilanz spielen. Durch den Franzosen sind wir in der Aufstellung variabler, was gut fürs Doppel ist. Ich habe mehr Potenzial, als ich gezeigt habe, und auch Quadri Aruna hätte ein kleines Tickchen besser spielen können. Wenn alle zufrieden sind mit ihren Leistungen, dann schaffen wir auf jeden Fall den Anschluss ans Mittelfeld.

Das könnte Sie auch interessieren