Auf Abstand heißt das Gebot bei der KTV Fulda: Während für das Trainerduo Beate Weis (hinten links) und Yves Mattheß (rechts) Maskenpflicht gilt, ist das für die Athleten während des Trainings nicht der Fall.
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Auf Abstand heißt das Gebot bei der KTV Fulda: Während für das Trainerduo Beate Weis (hinten links) und Yves Mattheß (rechts) Maskenpflicht gilt, ist das für die Athleten während des Trainings nicht der Fall.

Dr. Yves Mattheß im interview

Trainer des KTV Fulda: Turner können wieder in die Halle

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Training ja, Liga eher nicht: Dr. Yves Mattheß (45), Trainer, früherer Leistungsturner, Zweiter Vorsitzender der KTV Fulda und Molekularbiologe mit dem Schwerpunkt Biomedizin an der Uniklinik Frankfurt, findet, dass die Turner unter Berücksichtigung von Vorsichtsmaßnahmen wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen können.

Seit gut einer Woche bietet die KTV Fulda wieder Training an. Kann gefahrlos geturnt werden?
Mit genügend Sicherheitsabstand und ohne Trainerkontakt auf jeden Fall. Wichtig ist, dass die Athleten nur die Dinge machen, die sie auch wirklich können, die Trainer somit keine Hilfestellung leisten müssen und nicht in Berührung mit den Athleten kommen. Damit kann man das Risiko minimieren, so gut es geht. Zudem tragen die Trainer Mundschutz, was bei den Athleten natürlich nicht machbar ist.
Hände werden vor dem Betreten der Turnhalle und danach desinfiziert, wie sieht es mit den Geräten aus?
Es ist nicht praktikabel. Ob es nötig ist, ist eine andere Frage. Die Geräte werden mit Magnesia (für den besseren Griff, d. Red.) beturnt. Das ist sehr trocken und somit nicht gut für die Tröpfchen, in denen sich das Virus befindet. Deshalb würden die Tröpfchen sofort kaputtgehen und das Virus an der Luft dann auch. Das wäre meine Hypothese. Deshalb sehe ich es als relativ gefahrlos an.
Ein anderer Punkt ist natürlich, dass es keinen Sinn ergibt, Geräte zu desinfizieren. Erstens wären sie nach vier Wochen kaputt. Zweitens werden die Geräte durch Befeuchten schmierig und rutschig, die Verletzungsgefahr steigt letztendlich ins Unermessliche. Das ist völlig unpraktikabel. 
Warum nehmen so wenige Vereine den Trainingsbetrieb wieder auf?
Ich denke, die meisten Vereine haben viel mehr Athleten wie wir und bekommen es deshalb nicht so gut organisiert, sie in kleinere Gruppen einzuteilen. Bei uns ist es recht überschaubar – gerade bei den Jungs. Wir bieten derzeit Training für die Größeren ab 12 Jahren an.
Was kann trainiert werden?
Im Prinzip alle Geräte. Wir haben die Trainingsgruppen auf maximal zwölf Leute angesetzt, was Luxus ist. Dadurch können wir sogar mehr als den Sicherheitsabstand einhalten.
Wie oft wird trainiert?
Da wir jetzt mehr Trainingsgruppen haben und jede die gleiche Chance auf Training erhalten soll, sind derzeit für jeden Athleten zwei statt drei Einheiten in der Woche möglich.
Maske und Trainingsplan: Yves Mattheß ist wie immer gut vorbereitet.
Ist nach achtwöchiger Pause ein großer Leistungsschwund zu verzeichnen?
Nein, da ist nicht der Fall. Die Mehrheit hat zuhause die Trainingspläne umgesetzt, die wir online in die Gruppen gestellt haben, wobei Grundlagentraining im Fokus stand.
Ein Blick in die Zukunft. Gehen Sie davon aus, dass die Zweite Liga stattfinden wird und die KTV in ihre zweite Saison starten kann?
Die Liga möchte schon versuchen, im Herbst irgendwas zu machen. Wie genau das ausschauen wird, wissen wir nicht. Im Gespräch ist, die Liga zu teilen, damit sich weniger Mannschaften sehen. Aber ob sich der Aufwand bei nur einem Heimwettkampf lohnt? Da stellt sich die Frage, ob man es nicht ganz lassen soll. Zumal noch die zweite Welle im Raum steht.
Die wird jetzt nicht kommen, allerdings geht im Herbst die Erkältungszeit los. Und wenn da irgendwo was ausbricht und das unkontrollierbar wird, kann es ein Problem werden. Da jetzt alle sehr nervös sind, könnte ich mir vorstellen, dass alles sofort abgesagt wird. Es sprechen also mehr Dinge für eine Absage der Liga als dagegen.
Das Training zuhause in der Garage hat sich ausgezahlt: Noah Mattheß ist fit und freut sich, dass es endlich wieder in die Halle geht.

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