Hatten auch nach dem Spiel alle Hände voll zu tun: Huttengrunds Vorsitzender Marco Stein (Ordnerleibchen), Kreisschiedsrichterobmann Bernhard Depta (blaue Jacke) und Schiedsrichter Meiko Becker (rechts hinten). Hinter Depta: SGH-Spielobmann Volker Jöckel, Vater des attackierten Nico Jöckel.
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Hatten auch nach dem Spiel alle Hände voll zu tun: Huttengrunds Vorsitzender Marco Stein (Ordnerleibchen), Kreisschiedsrichterobmann Bernhard Depta (blaue Jacke) und Schiedsrichter Meiko Becker (rechts hinten). Hinter Depta: SGH-Spielobmann Volker Jöckel, Vater des attackierten Nico Jöckel.

Mangel an neutralen Zeugen

Wirrwarr um Schlägerei in der Kreisoberliga Süd: Sportgericht muss Verfahren einstellen

  • Sascha Behnsen
    vonSascha Behnsen
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Hat der Magdloser Fußballer Manuel Storch den Huttengrunder Fußballer Nico Jöckel krankenhausreif geschlagen oder hatte Storch bloß auf einen Schlag von Jöckel reagiert und diesen daraufhin aus Versehen getroffen? Diese Frage vermochte das Kreissportgericht nicht zu klären und stellte das Verfahren ein.

Ulmbach - „Diese Entscheidung fiel aufgrund von Paragraph 6 der Rechts- und Verfahrensordnung. Dies ist kein Urteil, sondern ein Beschluss, gegen den binnen einer Woche bei mir Beschwerde eingelegt werden kann“, sagte der Vorsitzende Steffen Krah, dem am Sonntagabend im Landgasthof „Deutsches Haus“ in Ulmbach Peter Jobst und Thomas Schilling als Beisitzer zur Seite standen. Krahs Begründung: „Es gab zu wenig neutrale Zeugen, und die widersprachen sich auch noch in Detailfragen.“ Die nächste Instanz ist das Verbandssportgericht.

So detailreich die Schilderungen dessen, was sich am Sonntag, 27. September, auf dem Sportplatz in Eckardroth während des Kreisoberligaspiels zwischen der SG Huttengrund und der SG Magdlos (1:3) zugetragen haben soll, auch waren, so gegensätzlich waren sie.

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Eskalation in der Kreisoberliga Süd: Zahlreiche Zeugen sagen vor dem Kreissportgericht aus

Die Huttengrunder Seite, die insgesamt 16 Zeugen aufgeboten hatte, darunter fünf vermeintlich neutrale, versicherte: Ihr Spieler Nico Jöckel sei vom Magdloser Manuel Storch mit der rechten Faust an die linke Schläfe geschlagen worden. „Mit voller Wucht, heimtückisch und vorsätzlich. Das war meine schwärzeste Stunde in den 47 Jahren, die ich mit Fußball zu tun habe“, sagte Spielervater Volker Jöckel, der auch Spielobmann der SGH ist, als Augenzeuge aus.

Die Magdloser Seite, namentlich der beschuldigte Storch sowie zwei seiner Mannschaftskameraden, gaben an: Jöckel habe Storch geschlagen, woraufhin Storch „nicht ausschließen“ wollte, „im Reflex aus einer Abwehrhaltung heraus und in keinem Fall gezielt Jöckel mit flacher, offener Hand getroffen“ zu haben.

Beide, Jöckel wie Storch, legten Atteste vor. Jöckel hatte sich noch am Abend ins Krankenhaus begeben, Storch hatte offenbar erst zwei Tage später den Arzt aufgesucht. Beide, hieß es, seien krankgeschrieben gewesen.

Schlag an die Schläfe? Nico Jöckel stellt Strafanzeige gegen Manuel Storch

Es gab nur eine Sache, die alle bestätigten, parteiische wie vermeintlich neutrale Zeugen und auch Schiedsrichter Meiko Becker vom TV Kefenrod, hinter dessen Rücken sich der Vorfall abgespielt hatte: Es hatte während einer Spielunterbrechung in der Schlussphase der Begegnung einen unüberhörbaren Schlag getan. Jöckel hatte daraufhin auf dem Boden gelegen, nach einer Behandlungspause das Spiel jedoch „unter Schock“ (Volker Jöckel) fortgesetzt.

Unbehandelt vom Sportgericht blieben Fragen wie Platzsturm durch Zuschauer, Verhalten der Ordnungskräfte, gegenseitige Beleidigungen während und nach dem Spiel bis hin zu gegenseitigen Todesandrohungen.

Hierbei war offenbar die Aussage des Unparteiischen hilfreich, der das Verhalten der Verantwortlichen lobte und zu Protokoll gab: „Nach zwei Minuten war die Ordnung wieder hergestellt.“

Ob sich nun das Verbandssportgericht mit dem Fall beschäftigen muss, ist offen. In eine nächste Runde dürfte es jedoch allemal gehen: Dem Vernehmen nach hat Jöckel Strafanzeige gegen Storch gestellt.

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