Gemeinsame Ausflüge – am liebsten natürlich ins Stadion – sind für die Mitglieder des VfL-Elite Altfeldtal 14 Höhepunkte im Vereinsjahr.
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Gemeinsame Ausflüge – am liebsten natürlich ins Stadion – sind für die Mitglieder des VfL-Elite Altfeldtal 14 Höhepunkte im Vereinsjahr.

„Das ist Gänsehaut pur“

Vorstand des Gladbach-Fanclubs VfL-Elite Altfeldtal 14 blickt auf die Saison zurück

Borussia Mönchengladbach hat viele Anhänger – unter anderem in Müs, wo im Jahr 2014 der Fanclub VfL-Elite Altfeldtal gegründet wurde. Zur aktuellen Situation haben wir dessen Vorstandsmitglieder Christopher Erb, Steffen Kosslitz und Andreas Herzog befragt.

Wie sind Sie mit dem Abschneiden Ihrer Borussia in der abgelaufenen Saison (Platz vier) zufrieden?
Wir als Fans sind natürlich sehr zufrieden und aufgrund der starken Konkurrenz auch etwa überrascht. Letztendlich war es auch verdient. Wenn insbesondere auf die finanziellen Möglichkeiten der Konkurrenz geblickt wird, dann ist Platz vier absolut top.
Glauben Sie, dass die Dominanz der Bayern in naher Zukunft gebrochen werden kann?
Gladbach wird es wohl eher nicht schaffen, diese Dominanz zu brechen. Dafür ist der FCB sportlich und auch finanziell viel zu gut aufgestellt. Es müsste schon viel zusammenkommen, dass unsere Borussia das schaffen würde.
Ist kommende Runde vielleicht sogar die Borussia ein ernstzunehmender Titelanwärter?
Gerade in der vergangenen Saison war deutlich zu sehen, dass es die Konstanz am Ende ausmacht, welche über den Titel entscheidet. Wenn Bayern schwächelt, dann schwächelt eigentlich gleichzeitig auch immer die Konkurrenz. Bayern zeichnet sich aber Jahr für Jahr durch eine extreme Konstanz aus, und daher ist es auch sehr schwer, da ranzukommen. Wünschen würden wir uns alle, dass Borussia ein Titelanwärter wäre.
Der ein oder andere europäische Spitzenclub hat oder hatte sich Sponsoren mit zweifelhaftem Ruf an Bord geholt. Würden die Gladbach-Fans derartige Sponsoren tolerieren, wenn sie nach über 25 Jahren wieder einen Titel garantieren könnten?
Von vornherein gilt: Für Titel gibt es keine Garantie. Die kann man nicht „kaufen“ (siehe Newcastle, Schalke). Titel sollen immer eingefahren werden. Aber zu welchem Preis? Bei einem Sponsor/Geldgeber, für den der Verein eine Herzensangelegenheit ist, wäre der Verein blöd, auf dessen Gelder zu verzichten, die vielleicht einen Titel einbringen. Bei Geldgebern, die das Projekt „Bundesligaverein“ aber als rein wirtschaftlichen Aspekt betrachten, sagen wir vom Fanclub ganz klar: Nein!
Gladbach wirbt seit den 70er-Jahren mit dem Fohlen-Image und betreibt eine Nachwuchsakademie. Allerdings haben letztmals vor gut zehn Jahren Spieler aus der eigenen Jugend den Sprung zu den Profis geschafft. Muss die Borussia ihr Scoutingsystem oder das Nachwuchskonzept überdenken?
Wenn man mal ehrlich ist, dann wird deutlich, dass das nicht nur ein „Problem“ bei Gladbach ist, sondern in der gesamten Bundesliga. Auch bei Bayern müsste weit zurückgeblättert werden, um den Letzten zu finden, der es aus der eigenen Jugend geschafft hat. Da sind wir schnell wieder beim Thema Erfolg, der mit Eigengewächsen wesentlich schwerer zu erreichen sein wird. Wobei Borussia auch in der jüngeren Vergangenheit Eigengewächse hatte, die mittlerweile bei anderen Vereinen angeheuert haben (Mo Dahoud, Julian Korb, Amin Younes).

Erb, Kosslitz und Herzog zur aktuellen Situation

In Spanien und England finden die Spiele eines Spieltags meist an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten statt, damit das Fernsehen möglichst viele Spiele übertragen kann. Warum stellen sich in Deutschland zahlreiche Ultras strikt gegen diese Philosophie?
Wir beziehen uns jetzt mal auf unseren Fanclub. Hier sind bei diversen Fahrten ja schon immer die wichtigsten Fragen: Urlaub nehmen? Übernachtung? Bus oder Auto? Der Fan denkt in diesen Fällen immer zuerst an sich und nicht an den Verein. Der Aufwand bei Montagsspielen oder sogar an anderen Tagen ist enorm. Der Verein sieht das natürlich anders, weil hohe Fernsehgelder fließen. Hier einen Kompromiss zu finden, ist schwierig.
Es hieß, dass das finanzielle Überleben einiger Clubs davon abhängig gewesen sei, dass die Bundesliga ohne Zuschauer fortgesetzt worden ist. Fühlt sich der Stadionbesucher damit nur noch als schmückendes Beiwerk?
Bundesligavereine sind Unternehmen und Arbeitgeber. Die Vielzahl der Arbeitsplätze hat eine andere Entscheidung gar nicht erst zugelassen. Wir sagen daher ganz klar, dass es richtig war, so weiterzumachen. Schließlich sind wir alle froh gewesen, dass das Wochenende wieder mit Fußball geschmückt wurde. Tatsache ist aber auch, dass die Zuschauer fehlen.
Wie steht Ihr Fanclub zur Entscheidung, die Bundesligasaison so zu beenden?
Wir sind da alle der gleichen Meinung: So war es die gerechteste Lösung, um Entscheidungen im Titelkampf sowie Auf- und Abstieg nicht zu beeinflussen. Jeder hatte die gleichen Voraussetzungen. Hier von Vor- oder Nachteil zu reden, wäre absurd.
Keine Gästefans, keine Stehplätze, kein Alkohol, dafür aber personalisierte Tickets. Halten Sie diese Leitlinien der DFL für sinnvoll und umsetzbar?
Ganz so optimal scheint das nicht gelöst zu sein. Auf der einen Seite kann man froh sein, dass wieder ein Hauch von Atmosphäre herrschen und „Alltag“ einkehren soll. Auf der anderen Seite werden aber sicherlich Fans verärgert, die nicht dabei sein können. Das besondere Flair machen einfach die Stehplätze aus. Zudem wird es mit Sicherheit zu Problemen kommen, da sich nicht jeder an die Regeln halten wird. Hier sollte vielleicht noch mal alles überdacht werden. Entweder ganz – also volles Stadion – oder gar nicht.
Warum wird man in Müs eigentlich Gladbach-Anhänger? Ein Verein, der rund 350 Kilometer entfernt liegt …
Eine sehr gute Frage. Natürlich könnten wir es einfacher haben: 100 Kilometer nach Frankfurt, und gut wäre es. Wer aber einmal diesen Mythos Borussia intensiv miterlebt hat, kommt nicht mehr davon los. Das ist Gänsehaut pur. Man kriegt es zu Hause vorgelebt. Generationen übertragen es einfach. (Paul Schmitt)

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