Wasserfreunde-Cheftrainer Marco Jabien sieht seine Schützlinge endlich wieder im Wasser im Rosenbad.
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Erhöhte Position, kritischer Blick: Wasserfreunde-Cheftrainer Marco Jabien sieht seine Schützlinge endlich wieder im Wasser.

„Technik, Ausdauer, Tempo“

Interview mit dem Wasserfreunde Cheftrainer über späten Einstieg ins Training

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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Nach mehrmonatiger Pause und mehrwöchiger Verzögerung sind die Wasserfreunde Fulda wieder in ihrem Element. Im Rosenbad wird nahezu täglich trainiert. Cheftrainer Marco Jabien (41) ist nach dem vielen Trockentraining froh, seine Schwimmer wieder im Wasser zu sehen.

Die Fuldaer Schwimmer haben wieder Wasser. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Das Wassergefühl hat natürlich sehr gelitten. Die Bewegungen im Wasser sehen unrunder aus als vor der Zwangspause. Körperlich sind die Sportler jedoch durch das Heimtraining und die ersten Wochen gemeinsamen Trainings seit 15. Mai an Land in Kleingruppen in ganz passabler Verfassung. Das erleichtert uns durchaus den Einstieg ins Wassertraining.
Wie waren die Reaktionen Ihrer Sportler?
Die Schwimmer fieberten dem Wassertraining schon entgegen; das muss man einräumen. Ein Indiz dafür war alleine die Tatsache, dass sich schon seit drei Wochen immer mal wieder Sportler in die umliegenden Freibäder wie beispielsweise in Bad Brückenau begeben haben, um dort den ein oder anderen Kilometer vorzuarbeiten. Das hat mich als Trainer natürlich sehr gefreut.
Wenn man sich die Maßnahmen und Einschränkungen im Rosenbad ansieht, haben Sie da inzwischen Verständnis, dass Fulda nicht zu den Ersten gehörte, die nach der Lockerung direkt geöffnet haben?
Nein, nicht direkt. Ich akzeptiere es, Verständnis dafür habe nicht. In sehr vielen Gemeinden kann schon seit teilweise drei bis fünf Wochen wieder trainiert werden. Die Auflagen dürften sich überall ähneln oder gar deckungsgleich sein. Aber es ist in Ordnung und somit für mich abgehakt.
In welchen Bereichen gibt es nach der Pause die größten schwimmerischen Defizite?
Ganz klar im Bereich Wassergefühl, schwimmspezifische Ausdauer und schwimmerische Grundschnelligkeit. Natürlich fehlt uns noch die Routine im Bereich Start und Wende.
Wo liegen die Schwerpunkte im Training?
Genau hier liegen demzufolge die Schwerpunkte: Technik, Grundlagenausdauer und Schnelligkeit.
Jede Sekunde fürs Wassertraining: Damit den Wasserfreunden im Rosenbad keine Zeit fürs Aufwärmen verloren geht, machen sich die Schwimmer vorher vor dem Haupteingang warm.
Mehr als drei Monate Pause – wie lange brauchen die Wasserfreunde, das aufzuholen?
Schwierige Frage. Ich hoffe nicht allzu lange. Ein Vorteil ist sicherlich das geringe Alter der meisten unserer Sportler. Das kommt ihnen zu Gute. Je jünger, desto schneller kommen sie wieder rein. Aber eine Faustformel aus dem Bereich Kraft könnte vielleicht eine Antwort auf die Frage sein: In etwa so lange, wie die Pause gedauert hat, dauert es, bis der Rückstand aufgeholt ist. Ich muss hier allerdings einschränken, dass es für uns natürlich keine volle Pause war, schließlich wurde in der Zwischenzeit ein umfangreiches Heimtraining absolviert – ohne Gruppentraining freilich. Und, wie gesagt, seit Mitte Mai trainieren wir wieder unter Aufsicht an Land.
Gibt es etwas, das Sie wegen Corona zurückstellen mussten, was Sie im Herbst oder gar erst im nächsten Jahr wieder neu angehen?
Leider ist unser Trainingslager im polnischen Lódź dem Lockdown zum Opfer gefallen. Das würden wir gerne im Herbst oder Winter nachholen. Gleiches betrifft natürlich die großen Wettkämpfe wie Deutsche Jahrgangsmeisterschaften und die Süddeutschen Titelkämpfe.
Wie sieht es denn überhaupt mit Wettkämpfen aus? Traditionell steht im Hochsommer nicht besonders viel an. Aber was kommt nach dem Corona-Sommer?
Im Moment ist das alles noch sehr offen. Der DSV plant wohl für Mitte Dezember eine Deutsche Jahrgangsmeisterschaft, aber das ist noch nicht spruchreif. Gleiches betrifft den Hessischen und den Süddeutschen Schwimmverband. Im Moment ist es so, dass man die Veranstalter von Wettkämpfen anschreibt und erfragt, ob der jeweilige Wettbewerb stattfindet oder nicht. Aktuell fällt leider alles aus. Sogar die Wettkämpfe in den Freibädern wurden komplett abgeblasen.
Mitte Oktober ist der Dompfaffpokal geplant. Er ist noch nicht abgesagt. Wie stehen die Chancen, dass er stattfindet?
Bestenfalls bei 50:50. Eine Entscheidung müsste spätestens zwei Monate vor dem eigentlichen Termin fallen, sprich Mitte August. Ich hoffe sehr, dass es klappt, muss aber einräumen, dass ich eher skeptisch bin.
Welche Veränderungen zu den Vorjahren sind dort wegen Corona zu erwarten, falls er stattfindet?
Sollte er stattfinden, wird höchstwahrscheinlich die Teilnehmerzahl reduziert. Seitens des HSV sind unter Umständen noch weitere Auflagen zu erwarten, die eine Änderung der Ausschreibung nach sich ziehen würde.
Was könnte das denn sein?
Ach, das kann sehr vielfältig sein, dass beispielsweise die Jahrgänge getrennt werden: morgens die jüngeren, nachmittags die älteren. Ob Zuschauer ins Bad dürfen, steht ebenfalls in den Sternen.

Welche Freibäder in der Region bereits geöffnet haben und welche dieses Jahr geschlossen bleiben, erfahren Sie in unserer Übersicht.

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