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Nach Corona-Erkrankung: Nur langsam mit Sport beginnen

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Bayern-Profi
Joshua Kimmich fällt nach seiner Corona-Infektion weiter aus. © Carmen Jaspersen/dpa

Wieder einmal sorgt Joshua Kimmich unfreiwillig für Debatten. Der wochenlange Ausfall des Nationalspielers bestärkt die Warnungen von Experten vor den Gefahren einer Corona-Erkrankung.

München - Die Lungenprobleme von Bayern-Profi Joshua Kimmich nach seiner Corona-Infektion könnten auch die Sorgen von so manchem Hobbysportler nähren.

Wenn schon ein 26 Jahre alter Fußball-Nationalspieler auf dem Höhepunkt seiner Leistungskraft derart vom Virus ausgebremst wird, was bedeutet das dann für den weniger austrainierten Normalbürger? Experten warnen vor einer übereilten Rückkehr in Training und Wettkampf.

Warum sorgt die Diagnose bei Joshua Kimmich für so ein Aufsehen?

Der Nationalspieler hatte eingeräumt, ungeimpft zu sein, und wurde so zum Beispielfall für die hitzige gesellschaftliche Diskussion ums Impfen. Experten warnen immer wieder davor, dass das Risiko einer Infektion und die möglichen Gefahren im Fall einer Erkrankung für Ungeimpfte deutlich größer sind. Dass Kimmich nun bekanntgab, wegen leichten Infiltrationen in der Lunge nicht umgehend nach dem Ende seiner Corona-Quarantäne ins Team zurückkehren zu können, gab den Debatten einen erneuten Schub.

Was sind Infiltrationen in der Lunge?

Es gibt verschiedene Formen einer Infiltration. Dabei handelt es sich um das Eindringen fester oder flüssiger Substanz in biologisches Gewebe. Unter einer leichten Infiltration der Lunge verstehen Fachleute, dass die Bronchien oder die Lungenbläschen von dem Virus betroffen sind, aber die Einschränkungen der Lungenfunktion eher geringer ausfällt. Nach Auskunft von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann sei der Fall Kimmich „nicht so dramatisch, so dass man keine Folgeschäden erwarten kann“.

Welche Auswirkungen kann eine Corona-Erkrankung auf den Körper haben?

Nach dem ersten Kontakt mit dem Virus wird das Immunsystem aktiv. Die Reaktionen darauf äußern sich als Husten, Halsschmerzen oder Fieber. „Die Viren breiten sich immer weiter aus und wandern auch in die Lunge“, sagt Sven Stieglitz, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie im Krankenhaus St. Josef in Wuppertal. Auch wenn Covid-19 in erster Linie eine Lungenerkrankung sei, können durch das Virus auch andere Organe wie Gefäße, Herz oder Gehirn befallen werden.

Jürgen Scharhag, Ärztlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Sportmedizin in Wien, erwähnt als Ursache dafür, dass Covid-19 eine Entzündung der Blutgefäße verursachen könne. Das bedeutet, dass die schützende Gefäßinnenhaut durch das Virus befallen werde. Aus dem Grund könne es auch zu massiven Schäden unter anderem am Herzen, an den Nieren, der Leber, dem Gehirn und den Nerven kommen.

Wie problematisch kann Corona für Leistungssportler werden?

Auch Leistungssportler sollten Scharhag zufolge Covid-19 nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Die Schäden einer vom Corona-Virus verursachten Erkrankung können zum Verlust der Maximalleistung führen“, meinte Scharhag. Um gefährliche Komplikationen wie zum Beispiel Vernarbungen an der Lunge oder eine Herzmuskelentzündung zu vermeiden, sollten sich erkrankte Sportler gründlich auskurieren. Solche Folgen könnten nämlich für den Leistungssportler auch das Karriereende bedeuten.

Spitzenringer Frank Stäbler verlor trotz eines weniger dramatischen Verlaufs der Erkrankung 20 Prozent seines Leistungsvermögens. „Ich habe mich über viele Woche im Training wieder ganz langsam rangetastet – und sofort aufgehört, wenn es nicht mehr ging“, sagte Stäbler bei „t-online.de“.

Wie lange können die Folgen für Leistungssportler spürbar sein?

„Wir kennen bei Corona Fälle, die sich schnell zurückbilden und wir kennen Fälle, die wirklich lange brauchen, bis sie sich zurückbilden, selbst bei initial leichten Verläufen“, sagt Intensivmediziner Christian Karagiannidis. Ihm seien Patienten bekannt, die bis zu ein Jahr lang mit den Folgen der Erkrankung in der Lunge zu kämpfen hatten.

Wie lange sollten Sportler nach einer Corona-Erkrankung pausieren?

Um Risiken durch zu frühes Training nach einer Covid-19-Erkrankung bestmöglich zu vermeiden, empfiehlt Scharhag mindestens für die Dauer der Quarantäne eine Sportpause einzulegen - also 14 Tage. Und das nur, wenn nach dem positiven Covid-19-Test keine Symptome aufgetreten sind. Bei leichten Erkältungssymptomen bis zum Hals, also zum Beispiel leichte Kopfschmerzen oder Schnupfen, sollte die Sportpause bis zur völligen Genesung eingehalten werden. Bei Husten, Bronchitis oder Fieber empfiehlt der Sportmediziner eine Sportpause von zwei bis vier Wochen bis zur völligen Genesung.

Bei schwereren Erkrankungen wie einer Lungenentzündung sollte mehrere Wochen bis zur völligen Genesung auf Sport verzichtet werden. Mindestens drei Monate soll die Sportpause betragen, wenn eine Herzmuskelentzündung aufgetreten ist. „Wer sich mit einem solchen Befund zu früh wieder körperlich belastet, hat ein stark erhöhtes Risiko für Komplikationen“, sagte Scharhag.

Was sollten Hobby- und Breitensportler nach einer Corona-Erkrankung abchecken, bevor sie wieder Sport treiben?

Betroffene sollten sich, selbst wenn sie symptomfrei waren, vor der Rückkehr in den Sport untersuchen lassen, „um ihre Gesundheit und Belastbarkeit prüfen zu lassen“, sagt Scharhag. Sportmediziner Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln empfiehlt eine Sporttauglichkeitsuntersuchung. „Da untersucht man die Lunge, man macht ein Elektrokardiogramm, schaut im Prinzip wie die Herzleistung ist, und man würde noch eine Spiroergometrie machen, also um die Sauerstoffaufnahme zu testen“, sagte Bloch dem Sender Phoenix.

Auch die Sauerstoffsättigung im Blut sollte gemessen werden. Erst wenn diese Werte passen würden, sollte man langsam mit einer moderaten Intervall-Belastung beginnen. „Ich würde kleine Strecken laufen, vielleicht mal zwei, drei Minuten, dann Pause machen und dann im Prinzip über diese Intervalle mich langsam reinsteigern“, empfiehlt Bloch. Von Zeit zu Zeit könnten diese Intervalle gesteigert und Pausen verkleinert werden. dpa

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