Kleiner  Waffenschein samt Schreckschusspistole
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Die Bürger in Thüringen beantragen weiterhin häufig den Kleinen Waffenschein.

Zahlen steigen weiter

Drang zur Bewaffnung hält an: Immer mehr Thüringer beantragen den Kleinen Waffenschein

Wer einen Kleinen Waffenschein besitzt, darf auch außerhalb seiner Wohnung eine Schreckschusswaffe tragen. Das Interesse daran steigt in Thüringen, wie Zahlen des Innenministeriums belegen.

Erfurt – Nachdem schon 2017 mehr Thüringer einen sogenannten Kleinen Waffenschein beantragt und erhalten haben, ist die Zahl 2018 und 2019 weiter gestiegen, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Raymond Walk hervorgeht.

Demnach erhöhte sich die Zahl der Inhaber Kleiner Waffenscheine im vergangenen Jahr um etwa 1300, nach einem Plus von fast 1000 im Jahr 2018. Damit verfügten laut Ministerium Ende 2019 etwa 12.000 Thüringer über eine solche waffenrechtliche Erlaubnis. Zum Vergleich: Ende 2017 waren es noch etwa 9800 Thüringer.

Wer einen kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss- oder Reizgaswaffen außerhalb der eigenen Wohnung oder des eigenen Grundstückes mit sich führen. Wer keinen solchen Waffenschein hat, darf derartige Waffen zwar kaufen, aber in der Öffentlichkeit nicht schussbereit bei sich tragen. Deshalb lässt sich aus der Zahl der Kleinen Waffenscheine nicht schlussfolgern, wie viele Schreckschuss- oder Reizgaswaffen in Thüringen in den Händen von Privatleuten sind.

Thüringen rüstet weiter auf

Anders als bei einem vollwertigen Waffenschein oder einer Waffenbesitzkarte müssen Interessenten für einen Kleinen Waffenschein weder ein Bedürfnis für das Führen einer Schreckschuss- oder Reizgaswaffe noch Sachkunde im Umgang damit nachweisen. Deshalb kann im Grunde jeder Volljährige, der nicht vorbestraft ist, einen solchen Waffenschein beantragen und erhalten.

Auch bei den übrigen Waffenbesitzern hat es in Thüringen voriges Jahr nach früheren Angaben des Ministeriums einen Zuwachs gegeben. So nahm ihre Zahl im Vergleich zum Jahr 2018 zu: von 26.676 auf 26.829. Die Zahl der Komplettwaffen stieg um etwa 2000 von knapp 126.300 im Jahr 2018 auf mehr als 128.300 im vergangenen Jahr.

Polizei warnt: Nur trügerische Sicherheit durch Schreckschusswaffen

Besonders hoch war in den vergangenen beiden Jahren der Zuwachs an Kleinen Waffenscheinen laut Innenministerium im Landkreis Gotha, der Stadt Erfurt sowie im Wartburgkreis und Eisenach. Im Kreis Gotha stieg die Zahl der Kleinen Waffenschein 2018 und 2019 um insgesamt 190, in Erfurt sogar um 205, im Wartburgkreis beziehungsweise Eisenach um mehr als 250. Daten zu Waffen werden für Eisenach und den Wartburgkreis zusammen erfasst, weil die Stadt ihre Aufgaben als Waffenbehörde an den Kreis übertragen hat.

Die Polizei warnt bundesweit immer wieder davor, dass das Führen von Schreckschuss- oder Reizgaswaffen in der Öffentlichkeit bestenfalls zu einer trügerischen Sicherheit führt – und nicht dazu geeignet ist, Straftäter abzuschrecken oder zu bekämpfen. Dagegen sei das Risiko groß, dass Menschen, die keine Erfahrung im Umgang mit Waffen haben, sich durch Schreckschuss- oder Reizgaswaffen selbst verletzten oder von Kriminellen entwaffnet werden, die diese Waffen dann gegen ihre Besitzer wenden, heißt es seit Jahren von den Beamten.

dpa, akh

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