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Die Krämerbrücke ist eines der Wahrzeichen der Landeshauptstadt Erfurt.

Feier im Internet

Thüringen wird heute 100

Thüringen wird 100, doch auf eine große Fete müssen die gut 2,1 Millionen Bewohner des Freistaats verzichten. Grund ist die Corona-Pandemie. Gefeiert wird trotzdem - nämlich virtuell.

Erfurt/Weimar - Der 1. Mai 1920 gilt als ein Meilenstein der Thüringer Landesgeschichte. War die Region bis dahin zersplittert in kleine Fürstentümer, schlossen sich nach Abdankung der Monarchen nun sieben dieser Kleinstaaten zu einem Freistaat zusammen.

„Das war die Geburtsstunde des modernen, föderalen und demokratischen Thüringens“, konstatiert der Erfurter Historiker Steffen Raßloff. Für die heute gut 2,1 Millionen Thüringer ein Grund zum Feiern, hätte nicht die Corona-Pandemie diese Pläne durchkreuzt: Festakt und Bürgerfest in Weimar sind abgesagt. Etwas Ersatz sollen nun Online-Angebote bieten. 

„Wir haben doppelten Grund zum Feiern“, betont Landtagspräsidentin Birgit Keller. Denn mit dem Zusammenschluss sei nicht nur eine „unglaubliche Kleinstaaterei“ beendet worden. „Es wurde auch die Grundlage für die Demokratie in Thüringen gelegt.“ Denn noch im selben Jahr wurde 1920 auch ein Landtag gewählt, der im Jahr darauf die reguläre Landesverfassung verabschiedete. Im neuen Wappen symbolisierten nach amerikanischem Vorbild sieben Sterne die Gründungsstaaten. 

Große kulturelle Blüte

Ein Blick auf die Landkarte von einst zeigt allerdings deutliche Unterschiede zu heute. Besonders markant: Der Freistaat war viel kleiner und die Landeshauptstadt hieß Weimar. Denn Erfurt und große Teile Nordthüringens gehörten zu Preußen. „Preußen verlor nach dem Ersten Weltkrieg etliche Gebiete im Zuge des Versailler Vertrages und war nicht bereit, weitere Territorien abzutreten“, erläutert Raßloff.

Auch die Region Coburg kehrte per Volksabstimmung Thüringenden Rücken und schloss sich Bayern an. So gehörte der neue Freistaat mit 1,6 Millionen Einwohnern und etwa 11 800 Quadratkilometern Fläche weiter zu den kleineren Ländern der Weimarer Republik.

Die Landesgründung sei ein Meilenstein gewesen und habe die Entwicklung Thüringens zu einem modernen Land erheblich befördert, resümiert Raßloff. Das rein negative Image der Kleinstaaterei sei historisch aber nicht mehr haltbar. Gerade am Beispiel Thüringens als Land der Residenzen zeige sich, dass dies auch große kulturelle Blüte hervorgebracht habe.

Traurige Berühmtheit 1930

Und wirtschaftlich seien trotz der Zersplitterung des Lands prosperierende Entwicklungen möglich gewesen, betont der Historiker. Das zeige sich etwa anhand von Jena - als Zentrum der optischen Industrie - und Gera mit seiner damals bedeutenden Textilindustrie.

Traurige Berühmtheit erlangte der junge Freistaat schon zehn Jahre nach seiner Gründung, als hier 1930 erstmals Adolf Hitlers NSDAP an einer Regierung beteiligt wurde und Schlüsselressorts besetzte - für die Nazis eine Art Probelauf für die spätere Machtübernahme im Reich.

Jubiläumsfeier im Internet

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Auflösung Preußens kam der Regierungsbezirk Erfurt zu Thüringen und symbolisiert heute den achten Stern im Landeswappen neben dem goldgekrönten Löwen als Symbol der einstigen Thüringer Landgrafen im Mittelalter.

1952 wurde das Land in der DDR zunächst aufgelöst. Die drei Bezirke Erfurt, Gera und Suhl traten an seine Stelle bis zur Wiedergründung des Freistaates Thüringen im Zuge der Deutschen Einheit. 

Die Feier zum 100. Jubiläum hat das Land coronabedingt ins Internet verlagert. Mit der Kampagne „Unser Thüringen - Meine Glückwünsche“ können Thüringer ihre Wünsche und Glückwünsche per Video beim Landtag einreichen. Die Videos sollen dann online veröffentlicht werden.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung lud zudem für Donnerstagabend zu einem Webinar mit Experten zur Geschichte Thüringens. Und das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation hat eine spezielle Übersichtskarte zum Jubiläum veröffentlicht. Sie zeigt nicht nur detailliert die einzelnen Teilstaaten von einst, sondern zeichnet anhand von Texten und historischen Fotos den Weg dieser Staaten zur Demokratie nach. 

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