Barriere beseitigt: Statt eines Betonwehrs stauen nun neun Querriegel aus Steinen die Ulster bei Räsa auf und machen sie für Fische passierbar.
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Barriere beseitigt: Statt eines Betonwehrs stauen nun neun Querriegel aus Steinen die Ulster bei Räsa auf und machen sie für Fische passierbar. Am Ufer die Verantwortlichen von K+S mit Werksleiter Martin Ebeling und Unterbreizbachs Bürgermeister Roland Ernst.

Hohe Wehr wurde ersetzt

K+S investiert an der Ulster - Freie Bahn für wandernde Fische

Wo noch vor dreieinhalb Monaten ein Betonwehr ein unüberwindbares Hindernis bildete, ist die Ulster für Fische und Kleinstlebewesen nun passierbar.

Unterbreizbach - Im Auftrag des Bergbauunternehmens K+S ist das Bauwerk bei Räsa (Thüringen) und damit die letzte Barriere im Unterlauf des Werra-Zuflusses beseitigt worden. Bei den Arbeiten, die rund eine halbe Million Euro gekostet haben, handelt es sich nach Auskunft von Martin Ebeling, Leiter des K+S-Verbundwerks Werra, nicht um eine direkte naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme, sondern um ein Gewässerschutzprojekt im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie, das K+S als Betreiber des Wehrs ausgeführt hat.

Gebaut worden war diese Staustufe zu DDR-Zeiten, um Wasser für das Kraftwerk und den Produktionsprozess aus dem Fluss entnehmen zu können. Die Wasserversorgung des Standorts Unterbreizbach auch während der Bauphase und nach Abschluss der Arbeiten sicherzustellen, sei einer der Herausforderungen gewesen, erklärten Projektleiterin Claudia Kalla und Tobias Poppe, Seniorprojektmanager für Bautechnik, bei der offiziellen Vorstellung der Fischaufstiegsanlage. Mithilfe von großen befüllten Riesen-Sandsäcken sei der Fluss jeweils auf halber Breite an der Baustelle vorbeigeführt worden. (Lesen Sie hier: Thüringen - So wenig verdient Gastro-Personal im Vergleich zu anderen Branchen)

Südthüringen: K+S investiert an der Ulster - Freie Bahn für wandernde Fische

Die teils starken Regenfälle im Sommer und der dadurch entsprechend hohe Wasserstand hätten die Arbeiten nicht ganz einfach gemacht. Mit Blick auf die Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie vergangener Starkregenereignisse in der Region seien die Planungen während der Bauphase noch einmal überarbeitet worden. Ins linke Ufer wurden zusätzliche Faschinen eingebaut – eine Art Zäune, die das seitliche Ausspülen der Flussufer verhindern sollen. Zudem wurde der Unterhaltungsweg am rechten verbreitert und verstärkt, um mit großem Gerät im Fall der Fälle Treibgut entfernen zu können.

Dass die Baustelle im Flussbett dennoch im durch die Schonzeit der Fische vorgegebenen Zeitfenster von nur drei Monaten bis Ende September fertiggestellt wurde, sei der Wasserbau-Erfahrung der beauftragten Firma RK Landschaftsbau sowie der schnellen Abstimmung mit den Behörden zu verdanken, betonten die Projektverantwortlichen. Lediglich einige Restarbeiten im Umfeld mussten noch im Oktober erledigt werden.

Neun Querriegel statt Wehr - Fische können Flussaufwärts wandern

Anstelle des Betonwehrs sind nun insgesamt neun Querriegel aus Steinen entstanden, die die Ulster stufenweise auf eine Höhe von 70 Zentimetern aufstauen. Ein Schlitz in jedem Riegel ermöglicht Fischen und anderen Flussbewohnern die Passage flussaufwärts. Acht Becken zwischen den Steinriegeln dienen den Wassertieren auf dieser Wanderung als Ruhezonen. Gebaut wurde das etwa 80 Meter lange sogenannte Raugerinne aus ortstypischem Material ohne Beton.

Dass die neue Aufstiegsmöglichkeit von den Fischen bereits genutzt wird, habe sie bereits gleich nach der Fertigstellung durch den niedrigen Wasserstand bereits beobachten können, so Projektleiterin Claudia Kalla. Wie fischreich das FFH-Gebiet Ulster ist, sei bereits deutlich geworden, als das Baufeld vor den Arbeiten zum Schutz der Tiere elektrisch abgefischt wurde: 250 Fische seien geborgen und flussabwärts dann wieder eingesetzt worden. Häufigste Art sei die Groppe gewesen, die hohe Ansprüche an die Wasserqualität stelle.

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