Tanner Niklaskirche: Walthers „Wortwerk“ wird übergeben

07. Juli 2015
Tann

Franz Erhard Walther, international renommierter Künstler aus Fulda, hat für die Tanner Niklaskirche ein „Wortwerk“ geschaffen. Am Mittwoch um 18 Uhr wird es bei einer öffentlichen Veranstaltung übergeben.

Das Werk ist eingebettet in Walthers offene Kunstkonzeption und damit nicht die reine Visualisierung eines Textes, sondern ein Handlungsfeld für den Betrachter und dessen Projektionen, Meditationen und Gedanken. Aufgebracht wurde das „Wortwerk“ in traditioneller Technik auf die Wand in der Altarnische.

Gerade die Positionierung des vom Tanner Kirchenvorstand beschlossenen und von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Fulda gesponserten Kunstwerkes hat allerdings auch zu Skepsis und Kritik in Tann geführt, wie Peter-Christian Neubert und Kilian von der Tann als besorgte Gemeindemitglieder im Gespräch mit dieser Zeitung hervorheben. Die Apsis sei das Allerheiligste, gerade in einer Grabeskirche wie der Niklaskirche müsse daher das Wort Gottes im Zentrum stehen.

“Wortwerk” sorgt für Diskussionen

Walthers Werk „ist aber nicht auf Gott und Gottes Zusage hin ausgerichtet“, so Neubert. Durch den zentralen Platz hinter Kreuz und Altar könne man dem Werk auch nicht ausweichen. „Die Platzierung an dieser Stelle überschreitet die Grenze des Respekts vor den Gläubigen“, so von der Tann. Beide weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sie sich nicht gegen moderne Kunst in einer Kirche wie der Tanner und auch nicht gegen Walthers „Wortwerk“ an sich aussprechen. An jeder anderen Stelle der Kirche hätte es ihren Widerspruch nicht hervorgerufen.

Irritiert zeigen sie sich allerdings, dass der Tanner Kirchenvorstand seinen Beschluss über die Köpfe der Gemeindemitglieder hinweg gefasst habe. Sie hätten sich im Vorfeld einen ergebnisoffenen Dialog gewünscht. Apropos Dialog: Laut Aussage von Architekt Stephan Koch, dem die Gesamtkoordination der Realisierung obliegt, kämen täglich mehrere Menschen in die Niklaskirche und würden über das Kunstwerk diskutieren. Auch der Künstler selbst, der bei der Übergabe anwesend sein wird, steht für Gespräche bereit. / az