Tennis-Legende der 50er: Erika Probst-Vollmer feiert heute ihren 90. Geburtstag

23. Februar 2015
Fulda

Zehn deutsche Meisterschaften, etliche internationale Titel, sieben Auftritte in Wimbledon – das ist die Traumbilanz von Erika Probst-Vollmer. Heute feiert die einstige Tennis-Legende ihren 90. Geburtstag.

Der sportliche Durchbruch gelang Erika Probst-Vollmer erst spät. Als sie 1952 ihre erste Deutsche Meisterschaft errang, war sie bereits 27 Jahre alt. Die Wirren des Krieges und die Mühsal der Nachkriegszeiten hatten dem Sport im Wege gestanden. „Ich habe die besten Jahre für den Sport eigentlich verloren", sagt Erika Probst-Vollmer heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später. Bitterkeit darüber ist ihr keine anzumerken. Im Gegenteil: Beseelt schaut sie zurück auf eine erfolgreiche Sportkarriere – und auf ein erfülltes Leben.

Begonnen hat alles im Österreich der Zwischenkriegszeit. Genauer: in Graz. Dort kommt sie am 23. Februar 1925 zur Welt – damals noch als Erika Obst. Im Alter von sechs Jahren beginnt sie mit dem Tennis. „Ganz wie meine Frau Mama", erzählt sie. Einziger Gegenspieler der kleinen Erika ist zunächst die Garagenwand. Mit dem großen Schläger, immer gegen den Ball. „Kleine Schläger gab es damals noch nicht", erinnert sie sich. „Das hat mein Ballgefühl geschult."

Bald jedoch tritt die Weltgeschichte in ihr Leben. 1938, Erika Obst ist gerade 13 Jahre alt, kommt es zum sogenannten „Anschluss" Österreichs. Die Nationalsozialisten marschieren in Wien ein. Erikas Vater, eben noch Offizier im österreichischen Bundesheer, gehört plötzlich zur Wehrmacht. Die Familie siedelt nach Hamburg über.

Während die Welt im Krieg versinkt, spielt sie weiter Tennis, wird 1942 deutsche Jugendmeisterin. Ein Jahr später legt sie das Abitur ab. Bald aber zerbricht auch diese private Idylle. Erika Obst wird vom Reichsarbeitsdienst eingezogen, muss zur Luftwaffe. Nach Kriegsende gerät sie in Gefangenschaft. „Gott sei Dank bei den Engländern", schaut Erika Probst-Vollmer auf diese Zeit zurück.

Als sie nach zwei Monaten freikommt, ist die Ungewissheit die einzige Gewissheit. „Es war ein riesiges Durcheinander. Wir wussten nicht einmal, ob unser Haus noch steht", erinnert sie sich. Zum Glück: Es stand noch.

Die Zeit des deutschen Wiederaufbaus wird für Erika Obst auch zu einer Zeit des privaten Wiederaufbaus: 1947 heiratet sie den Arzt Dr. Johannes Vollmer, 1949 wird der gemeinsame Sohn Marius geboren. Auch mit dem Tennis beginnt Erika Vollmer-Obst, wie sie nun heißt, wieder. „Das war nicht so leicht. Es gab kaum noch Bälle und Schläger", erklärt sie. 1947 siegt die Studentin der Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Theaterwissenschaft bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften.

Anfang der 50er-Jahre nimmt ihre sportliche Karriere dann endlich Fahrt auf. Auf den ersten Deutschen Meistertitel 1952 folgen bis 1959 neun weitere. Zahlreiche internationale Trophäen säumen ihren Weg, ob aus Helsinki und Rom oder Beirut und Istanbul. Siebenmal tritt Erika Vollmer-Obst in Wimbledon an, fünfmal gelingt ihr der Viertelfinal-Einzug. Fast durchgehend ist sie die Nummer eins der deutschen Rangliste. „In Wimbledon auf dem Rasen zu stehen, das ist das höchste der Gefühle für einen Tennisspieler", erinnert sie sich an ihre Auftritte bei dem legendären Turnier.

Wie Vollmer sich nach ihrer Karriere geschlagen hat und was sie vom aktuellen Damen-Tennis hält, lesen Sie in der Printausgabe am Montag sowie im E-Paper.