Auf Streife mit der Ordnungspolizei: Bußgelder für schlafsuchende Lkw-Fahrer

04. März 2018
Alsfeld

Falsch parkende Autos, schlafsuchende Lastwagenfahrer und allerhand Kurioses: Wenn die Ordnungspolizei der Stadt Alsfeld auf Streife geht, liegt immer viel Arbeit an. Regelmäßig sorgen die Menschen in Uniform für Recht und Ordnung in der über 15.000 Einwohner zählenden Kommune.

Von Philipp Weitzel

So auch bei einem vierstündigen Abenddienst in den vergangenen Tagen, der besonders der Kontrolle von Lastwagen diente. „Zur Sicherheit sind wir heute lieber zu zweit unterwegs“, leiteten die Beamten den Abend im Hinblick auf mögliche Beleidigungen und Aggressionen ein.

Gleich die erste Kontrolle hatte eine gewisse Brisanz und diente der Überwachung des ruhenden Verkehrs im Gewerbegebiet Dirsröder Feld. Dieser hat dort nämlich weder in Form von Autos noch in Form von Lastwagen etwas zu suchen. „Hier herrscht absolutes Halteverbot“, machten die Ordnungshüter anhand der Vielzahl von Verkehrsschildern deutlich.

Hintergrund für das Verbot sei die Freihaltung der Alarmausfahrt des Technischen Hilfswerks sowie die Reinhaltung des Bereichs von Abfall. Leere Flaschen, Speisereste und sogar Fäkalien sammelten sich dort immer wieder an und zeigten sich auch an jenem Abend in großen Mengen. Zuletzt kam es dort auch zu einem großen Feuerwehreinsatz, weil sich ein falsch parkender Lkw den Kraftstofftank aufgerissen hatte.

Auf der Suche nach einem nächtlichen Schlafplatz interessiert das Parkverbot am Dirsröder Feld offensichtlich die wenigsten Berufskraftfahrer, denen augenscheinlich die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeit im Nacken sitzt. „Wir haben hier jetzt schon über ein Dutzend Mal kontrolliert, bis zu 30 Bußgelder wurden pro Kontrolle verhängt“, resümierten die Ordnungshüter.

So wurde auch an diesem Abend das Dirsröder Feld zum Spannungsfeld menschlicher Charaktere. Von der entschuldigenden Einsicht bis hin zur pöbelnden Beleidigung reichten die Reaktionen von den Fahrerplätzen, wenn die Beamten die Parksünder freundlich aber betont auf ihre begangene Ordnungswidrigkeit ansprachen.

Sehr oft führten die Lastwagenfahrer an, dass sie keinen anderen Parkplatz gefunden hätten. „Wir stehen ja nicht mit Absicht oder zum Spaß hier, wir wollen die gesetzlichen Ruhezeiten einhalten“, sagte einer der Fahrer. In gewisser Weise zeigten die Kontrolleure dafür Verständnis. „Vorsatz liegt hier nicht vor, dennoch wird ein Bußgeld von bis zu 25 Euro fällig“, so ihre Erklärung zur Missachtung der Verkehrszeichen.

Bei allem Einfühlungsvermögen mit den Lkw-Fahrern machten sie deutlich: Wenn das THW zum Einsatz muss, muss freie Bahn herrschen. Zudem führten sie die Schäden für die Stadt Alsfeld an: wilde Müllablagerungen, tiefe Fahrspuren in der Bankette und sogar beschädigte Straßenlaternen. Der Aufwand und die Kosten für die Beseitigung sind nach Angaben von Bürgermeister Stephan Paule erheblich. „Das ist Arbeitszeit und Personal, welches dafür an anderer Stelle fehlt“, so der Bürgermeister.

Auch an diesem Abend hing am Gewerbegebiet Dirsröder Feld wieder eine Straßenlaterne auf Halbmast. Nach der Dokumentation des Schadens ging es für die Ordnungspolizei ohne Pause gleich weiter zum nächsten Einsatzort. Bei der Fahrt durch das Stadtgebiet fiel den Ordnungshütern ein falsch geparktes Cabriolet am Straßenrand auf, es wurde entgegen der Fahrtrichtung abgestellt.

„Zum Halten oder Parken ist an den rechten Fahrbahnrand heranzufahren“, erklärten die Beamten. Das ist so im vierten Absatz des zwölften Paragraphen der Straßenverkehrsordnung geregelt und zieht bei Nichtbeachtung ein Bußgeld von 15 Euro nach sich. Diese Regelung ist keineswegs neu und war schon im Jahr 1934 in der Reichsstraßenverkehrsordnung enthalten. „Dennoch stellen wir diesen Verstoß immer wieder fest“, wunderten sie sich.

Und auch bei der zweiten Kontrolle in den Gewerbegebieten „Ost I“ und „Ost II“ standen parkende Lastwagen im Fokus. Hier hatten die Beamten vor kurzem ein nicht sehr appetitliches Erlebnis, so wurde ein Halteverbotsschild demontiert und in der angrenzenden Böschung mit einer menschlichen Notdurft versehen. Ob das eine Botschaft eines Lastwagenfahrers zum Parkverbot darstellen sollte, ließen die Beamten unkommentiert.

Und auch an diesem Abend fanden sie dort wieder ein demontiertes Verbotsschild am Straßenrand vor, jedoch wenige falsch parkende Lastwagen. Einer davon stand mit halb geöffneter Tür am Straßenrand, vom Fahrer weit und breit keine Spur. Die zunehmende Verwunderung der Ordnungshüter wurde durch hämmernde Geräusch aufgelöst.

Urplötzlich kroch ein Mann unter dem Lastwagen schmutzverschmiert hervor und schilderte sein Malheur in Form einer Panne. In diesem Fall sahen die Ordnungspolizisten von einem Bußgeld ab, doch der nächste Parksünder wartete nur wenige Meter entfernt. Ein Holzlaster aus Osteuropa, der Fahrer grüßte direkt freundlich in fast akzentfreiem Deutsch: „Ich dachte um diese Uhrzeit haben Beamte schon Feierabend“.

Bereitwillig zahlte er das Bußgeld und zeigte Verständnis. „Die machen auch nur ihren Job, so wie ich meinen Job mache“, erklärte er. Wenig Verständnis zeigte er jedoch über die wenigen Parkplätze für Lastwagen bei Alsfeld. „Wo sollen wir denn parken?“, auch seine Frage.

Laut Angaben von Hessen Mobil Mittelhessen rollen durchschnittlich 10.582 Lastwagen pro Tag über die Autobahn A5 bei Alsfeld. „Diese Angabe entspricht der Erhebung der bundesweiten Straßenverkehrszählung aus dem Jahr 2015“, so Pressesprecherin Cornelia Höhl.

Zur Frage, wie viele Parkplätze für Lastwagen bei Alsfeld verfügbar sind und ob weitere in Planung sind, konnte sie vorerst keine Angaben machen. Ebenso ob es aus Sicht von Hessen Mobil Probleme mit zu wenig vorhandenen Lkw-Parkplätzen oder wild parkender Lastwagen im Bereich von Alsfeld gibt.