Coronaviren am Einkaufswagen?

25. März 2020
Region

Drinnen bleiben steht im Moment auf der Tagesordnung. Was aber natürlich für die allermeisten noch notwendig wird, ist der Gang in den Supermarkt. Dabei drohen Ansteckungsgefahren. Wie groß ist das Risiko, sich über einen Einkaufswagen mit dem Coronavirus anzustecken?

Von Daniel Krenzer und Lea Marie Kläsener

Wie groß die Gefahr ist, sich über öffentlich zugängliche und von vielen Händen berührte Flächen anzustecken, darüber sind sich nicht einmal die Experten ganz einig. Das Risiko scheint aber eher gering.

Einschätzung einer Ärztin

Wir haben mit einer Ärztin darüber gesprochen: Dr. Dr. Ines Otto-Karg, Leitende Abteilungsärztin der Abteilung für Krankenhaushygiene im Klinikum Fulda, erklärt: „Bakterien und auch Viren leben auf unserer Haut und können auch auf Flächen einige Zeit überleben.“

Je nach Art des Organismus könnten diese Tage oder Wochen auf Oberflächen nachweisbar sein. „Das heißt aber nicht, dass diese Viren auch noch infektiös sind, also krank machen“, sagt Otto-Karg.

Die Überlebensfähigkeit von Coronaviren auf Oberflächen schwanke zwischen einer Stunde und bis zu neun Tagen.

In einer Studie sei die tatsächliche mittlere Halbwertszeit von etwa einer Stunde für Coronaviren auf Kunststoff- und Stahloberflächen ermittelt worden. Diese Zahlen seien aber mit Vorsicht zu interpretieren: „Denn die Ergebnisse basieren auf sehr unterschiedlichen Untersuchungen.“

Wie kann man sich schützen?

„Unsere Umwelt ist nie keimfrei“, sagt Otto-Karg. „Von Oberflächen, die ständig angefasst werden, etwa Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln, können Viren auf die Hände und anschließend auf die Schleimhäute des Mundes, der Nase oder der Augen übertragen werden.“ Für den gesunden Menschen sei das aber in der Regel nicht gefährlich.

„Im Alltag ist eine gute persönliche Hygiene wichtig“, erklärt Otto-Karg. Das heißt: Händewaschen nach Toilettengang, vor dem Umgang mit Lebensmitteln, das Einhalten von Nies- und Hustenetikette in der Erkältungszeit. „Ein anderer wichtiger Hinweis, der den meisten von uns schwerfällt: Sich nicht ins Gesicht fassen“, empfiehlt die Expertin. „Beim Beherzigen dieser einfachen Regeln besteht im Alltag keine Gefahr“, macht sie deutlich.

Wie lang bleibt Virus auf Oberflächen?

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt eine aktuelle Einschätzung ab: Theoretisch ist es möglich und denkbar, Coronaviren auch über Gegenstände wie Einkaufswagen zu übertragen.

Eine erste, noch ungeprüfte Studie spricht davon, dass das Coronavirus wenige Stunden auf Material wie Kupfer und bis zu 24 Stunden auf Karto überlebt. Auf Edelstahl und Plastik bleibt das Virus möglicherweise auch zwei bis drei Tage infektiös.

Beitrag zur Hygiene

In einzelnen Supermärkten in Deutschland werden die Einkaufswägen nach jeder Nutzung neu desinfiziert, in vielen Märkten zumindest häufiger gereinigt als bisher. Am wichtigsten ist es aber, sich an die wiederholt veröffentlichten Hygieneregeln zu halten. Darauf verweist auch eine Sprecherin für Rewe in Deutschland.

„Wir klären darüber in Anbetracht der aktuellen Situation mit entsprechenden Hinweisen auf, zum Beispiel mit Schildern und Durchsagen“, erläutert diese und verweist auf die Ratschläge des Robert Koch-Instituts wie die korrekte Husten- und Nies-Etikette, eine gute Händehygiene und das Abstandhalten zu anderen Personen.

Coronaviren am Einkaufswagen?

„Einkaufswagen und -körbe sowie sämtliche Flächen, die von Kunden genutzt werden, werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Darüber hinaus informieren zahlreiche Hinweisschilder und -tafeln über Sicherheitshinweise und Verhaltensregeln, um Ansteckungen zu vermeiden“, teilt uns auch die Fuldaer Lebensmittelmarkt-Kette Tegut mit.

Was ist mit Parkautomaten?

Manche Kommunen in Deutschland haben bereits die Parkgebühren ausgesetzt, um eine Übertragung von Erregern über Parkautomaten auszuschließen. In Fulda ist dies noch kein Thema.

„Der Stadt Fulda liegen derzeit keine Aussagen von Fachleuten vor, nach denen speziell das Coronavirus durch das Bedienen eines Parkscheinautomaten oder ähnliches übertragen werden kann. Entsprechend sind zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Maßnahmen von Seiten der Stadt geplant“, beantwortet uns eine Sprecherin unsere Anfrage.

Supermärkte ergreifen Schutzmaßnahmen für Kunden und Mitarbeiter

Von unserem Redaktionsmitglied Alina Hoßfeld „Handschuhe tragen alle unsere Mitarbeiter schon seit vergangener Woche - egal in welchem Bereich sie arbeiten. Das dient dem persönlichen Schutz,", sagt Dieter Hahner, Inhaber des Edeka-Markts in Künzell.

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