Zu großer Andrang: Stadt sagt kurzfristig Frauenschwimmen im Sportbad Ziehers ab

08. November 2018
Fulda

Die Stadt Fulda hat kurzfristig den für Sonntag im Sportbad Ziehers geplanten Schwimm-Termin speziell nur für Frauen abgesagt. Der Grund der Absage: Der Andrang bei dem kontrovers diskutierten Angebot ist zu groß geworden. Die Sicherheit durch weibliches Badeaufsichtspersonal könne nicht mehr gewährleistet werden. Vor allem der Anteil an (Klein-)Kindern, die nicht schwimmen können, war zuletzt stark gestiegen.

Am Montagnachmittag hatte die Stadt Fulda das eigentlich für Sonntagabend ab 18.30 im Sportbad Ziehers geplante Frauenschwimmen „aus organisatorischen Gründen“ abgesagt. Zur Begründung teilte Stadt-Sprecherin Monika Kowoll-Ferger auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass „die Anzahl der teilnehmenden Frauen sowie der Kinder bei den vergangenen drei Terminen (...) immer weiter gestiegen war. Die Mehrzahl der Frauen und Kinder können nicht oder nicht sicher schwimmen, so dass eine deutliche Erweiterung der qualifizierten Badeaufsicht notwendig wäre, um für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen.“

Da die „notwendige Aufsicht mit dem vorhandenen Personal außerhalb der regulären Öffnungszeiten von Seiten der Bäder Betriebs GmbH nicht mehr sichergestellt“ werden könne, sagte die Stadt den geplanten Termin ab. Bei dem vorherigen Terminen am 7. Oktober nahmen nach Angaben der Stadt insgesamt 120 Personen teil: 56 Frauen, 34 Mädchen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren sowie 30 Kinder, die jünger als 6 Jahre alt waren. Etwa 85 Prozent dieser Teilnehmerinnen konnten nicht (sicher) schwimmen, erklärte Kowoll-Ferger. Beim Termin in der Frauenwoche im März nahmen sogar 230 Frauen teil. Bei den Terminen im Jahr 2017 hatten im Durchschnitt etwa 80 bis 100 Frauen das Sportbad besucht.

Das Sportbad Ziehers bietet erneut Schwimm-Termine nur für Frauen an

Schwimmen nur unter Frauen - das ist jetzt auch in Fulda wieder möglich. Nach dem großen Erfolg der Veranstaltung „Damenbad" in der Frauenwoche 2018 bietet das Sportbad Ziehers zusätzliche Badezeiten ausschließlich für weibliche Badegäste an.

Die Stadt sprach indes von einem „hohen Anteil“ an Teilnehmerinnen mit muslimischen Hintergrund. Es hätten aber „nicht ausschließlich muslimische Frauen“ das Angebot wahrgenommen. Am 5. März 2017 hatte das Sportbad Ziehers im Rahmen der Frauenwoche erstmals zwei Stunden nur für Frauen geöffnet. Ende 2016 war ein erster Frauenschwimmkurs im Caritas-Schwimmbad auf große Resonanz gestoßen, woraufhin die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, die Sportcoaches der Stadt sowie Vertreter von „antonius – Netzwerk Mensch“ die Idee zum Frauenschwimmen entwickelt hatten.

Frauen, die aus den unterschiedlichen Gründen Hemmungen haben, ein öffentliches Schwimmbad zu besuchen, sollte dies in einem „geschützten Raum“ ermöglicht werden, hatte Katharina Roßbach, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fulda, vor der Premiere 2017 gegenüber dieser Zeitung erklärt. Aus einem einmaligen Angebot wurden dann unregelmäßig stattfindende Termine. So gab es 2018 bislang schon vier Termine: am 21. Januar, 4. März (Frauenwoche), 15. April und eben am 7. Oktober.

Für das Frauenbüro war der steigende Andrang laut der Stadt-Sprecherin nicht absehbar. Vor allem die Zahl der (Klein)Kinder habe zugenommen. „Das Frauenschwimmen wird mit jeder Veranstaltung bekannter“, berichtete Kowoll-Ferger. „Die Teilnehmerinnen verbreiten das Angebot vorwiegend über Mund-Propaganda.“ Abgewiesen bei den letzten Terminen habe zwar noch niemand werden müssen, aber das Frauenbüro hatte zuletzt schon zwei zusätzliche Rettungsschwimmerinnen der DLRG hinzugebucht. Außerdem gab es Unterstützung durch ehrenamtliche Helferinnen.

„Die hauptsächliche Beaufsichtigung muss aber durch weibliche Fachkräfte der Bäder Betriebs GmbH stattfinden“, betont Kowoll-Ferger und sagt zur Zukunft der Frauenschwimm-Termine in Fulda: „Ob, wie und in welcher Form es das Frauenschwimmen zukünftig geben wird, werden die Verantwortlichen miteinander besprechen.“

Männer bleiben draußen: Frauen-Baden im Sportbad Ziehers sorgt für Unmut

Aufregung im Sportbad Ziehers: Zwei Stunden soll das Schwimmbad einmalig nur Frauen öffnen. Viele Frauen hätten Hemmungen, begründet dies die Frauenbeauftragte der Stadt. Kritik gibt es von der Fuldaer FDP. Sie spricht von einer Entscheidung, die auf Wunsch von Muslimas getroffen wurde. „Das ist falsch verstandene Toleranz", sagt FDP-Mann Mario Klotzsche.

Unsere Leser hatten das Schwimm-Angebot nur für Frauen (wie schon bei der Premiere 2017) jüngst wieder lebhaft und kontrovers auf unserer Facebook-Seite diskutiert. „Ich gehöre ja eher zu den Toleranteren hier, aber ich muss zugeben, das geht mir auch etwas zu weit“, kommentierte zum Beispiel Userin „Labo Susi“. „Wenn das Zieherser Bad ein öffentliches Bad ist und kein privates, ist das eine bedenkliche Entscheidung.“ Viola Eberle stieß in diesselbe Richtung: „Ich finde, dass wir hier einen bedenklichen Schritt zurück machen.“

Petra Koch argumentierte: „Hier geht es ja nicht mal darum, dass man sich unter Frauen wohler fühlt. Hier darf gar kein Kontakt zu Männern möglich sein, deshalb nur weibliche Bademeister. Es ist nicht der alleinige Wunsch der Frauen, es ist die islamische Forderung nach Geschlechtertrennung. (...) Die Frage ist doch ganz einfach. Wo fängt es an und wo führt es hin? Wie wollen wir zukünftig leben?“ Willi Bohl sieht das Angebot hingegen gelassener: „Ist doch auch nichts anderes als Damensauna. Die gibt es doch auch fast überall.“

Andere User, wie zum Beispiel „Noel Le“, befürworten das Angebot. „Nicht nur muslimische Frauen profitieren von dieser Regelung. Es gibt genügend nicht-muslimische Frauen, die sich einfach nicht wohlfühlen, schwimmen zu gehen, wenn Männer anwesend sind. (...) So traurig es auch ist aber es gibt leider viele Leute, die zum Gaffen ins Schwimmbad gehen. Von daher verständlich.“ Und Klaus Walter meint: „Schwimmbäder sind ein absoluter Brennpunkt was Sexismus, Matchogehabe und schlicht völliges Fehlverhalten von Männern angeht. Dementsprechend macht ein Frauentag wirklich Sinn.“

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