Rudolf Röbig (von links), Katja Habersack, die Oskar Burth und Julian Darmer, Polier Florian Schad, Pfarrer Hans Thurn sowie der frühere Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (rechts) mauerten eine Metallhülse in das Fundament ein.
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Architekt Rudolf Röbig (von links), Bürgermeisterin Katja Habersack, die Kindergartenkinder Oskar Burth und Julian Darmer, Polier Florian Schad, Pfarrer Hans Thurn sowie der frühere Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (rechts) mauerten eine Metallhülse in das Fundament ein.

Zeitkapsel als Erinnerung

Nach erbittertem Streit um Mottener Kinderhaus: Grundstein ist gelegt

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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In Motten entsteht bis September kommenden Jahres eine neue kombinierte Einrichtung aus Kita und Krippe. Sie soll insgesamt 74 Kindern Platz bieten. Der Grundstein ist am Donnerstag gelegt worden.

Motten - Die Grundsteinlegung in einem kleinen feierlichen Rahmen für das neue – noch namenlose – Kinderhaus, wie die Kombination aus Kita und Krippe im Ort genannt wird, war im Wortsinne begossen worden: Bei nasskalter Witterung mit Nieselregen hatten sich am Nachmittag neben Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos), Planern und Vertretern von Baufirmen, Gemeinderat, Kirche und Kita coronabedingt keine Anwohner und nur zwei Kinder der Vorschulgruppe der bestehenden Kita St. Bartholomäus an der Baustelle an der Dalherdaer Straße eingefunden.

Die Kinder Oskar Burth und Julian Darmer steckten eine Fotografie von allen Kita-Kindern und Legosteine in eine metallene Zeitkapsel, die gefüllt mit weiteren Gegenständen - Münzen, Bauplänen und Tageszeitungen -, in das Fundament gelegt und eingemauert wurde, bevor mit einem Getränk angestoßen wurde.

Platz für 74 Kinder: Grundstein für Mottener Kinderhaus ist gelegt

Entstehen wird an der Stelle in den kommenden Monaten ein einstöckiges mehrteiliges Gebäude, wie Architekt Rudolf Röbig erläuterte. Wegen dessen Gliederung und versetzter Sattel- sowie Flachdächer soll die 990 Quadratmeter große Kita wie eine Gruppe von vier miteinander verbundenen Einzelhäusern wirken, die sich mit Holz- und Schindelfassade architektonisch in ihre Umgebung einfügt.

Platz bieten wird das Ensemble am alten Sportplatz, der zuletzt ein großer Spielplatz war, bis zu 74 Kindern in jeweils zwei U-3- und Ü-3-Gruppen. Untergebracht werden neben Gruppen-, Schlaf- und Sanitärräumen Räume für Küche, Personal, Lager sowie Sport und Spiel. Pfarrer Hans Thurn – die Kirchengemeinde ist Trägerin der Einrichtung – lobte die Pläne für ein „schönes, zweckmäßiges und freundliches Haus“. Die ersten Bauarbeiten hatten bereits vor rund zwei Wochen mit Erd- und Betonarbeiten begonnen.

Das Kinderhaus soll im September 2021 öffnen - Zwei Millionen Euro erhält Motten vom Land Hessen

Läuft alles nach Plan, soll das Kinderhaus im September 2021 öffnen, wie Rathauschefin Habersack sagte. Es soll 2,9 Millionen Euro kosten, davon fließen zwei Millionen als Zuwendungen vom Land. Sie sprach von einem „guten Tag für uns als Gemeinde und für die Kinder“.

Denn es gebe einen hohen Bedarf an Betreuungsplätzen, für die die Gemeinde sorgen müsse. Die alte Kita St. Bartholomäus im Josefsheim an der Kirche gilt als zu klein – es gibt eine Warteliste – und als sanierungsbedürftig. Sie ist nicht barrierefrei, der Spielplatz ist 150 Meter entfernt, wie Kita-Leiterin Claudia Lieb sagte.

Erbitterter Kampf wurde durch Kinderhaus-Pläne in Motten ausgelöst

Zugleich erinnerte Habersack an die Historie von ersten Planungen 2018 über die „schwierige Entscheidungsphase“ bis hin zum Baustart. Vorgänger Jochen Vogel (CSU) sagte bei der Grundsteinlegung, es hätten auf dem Weg zum Kita-Bau „viele Steine im Weg gelegen“, die jedoch weggeräumt worden seien. Es sei oft und lange diskutiert worden, „zum Teil über das Ziel hinaus“.

Damit sprach das ehemalige Gemeindeoberhaupt den erbitterten Streit an, den die Kinderhaus-Pläne ausgelöst hatten. Politiker und eine Kothener Bürgerinitiative kritisierten, dass der Neubau in Motten mittelfristig zu einer Schließung der Kita in Kothen führen könnte. Die monatelang geführte Auseinandersetzung mündete in einem Bürgerentscheid und führte zu einem Rücktritt im Gemeinderat. Seitdem sich jedoch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bürger gegen eine eigene U-3-Betreuung in Kothen und einen dafür notwendigen Umbau aussprachen, gilt der Streit als beigelegt.

Lesen Sie hier: Katja Habersack zieht Bilanz nach 100 Tagen als Bürgermeisterin in Motten Und: Helfer-vor-Ort-Gruppe in Motten erhält neues Rettungsfahrzeug

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