Blick in die Wandelhalle im Kurpark in Bad Kissingen.
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Blick in die Wandelhalle im Kurpark in Bad Kissingen. Der Kurort gehört nun zum Unesco-Welterbe.

Auch Mathildenhöhe in Darmstadt

Bad Kissingen ist nun Unesco-Welterbe: Großer Jubel im Kurort

Als Welterbe gelten Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert. Die Unesco verlieh den Kurorten Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen und der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt die begehrte Auszeichnung.

Bad Kissingen/Darmstadt - „Eilmeldung: Wir sind Welterbe“: Mit diesen Worten macht die unterfränkische Kurstadt Bad Kissingen jedem Besucher ihrer Webseite klar, wie riesig die Freude über den verliehenen Welterbetitel der Unesco ist. „Wir wollen kein Museum werden, sondern wir wollen gelebte Geschichte mit Anspruch hier in Bad Kissingen haben“, kündigte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) kurz nach der Entscheidung an. Mit dem Welterbetitel sei es leichter möglich, Unternehmen, Bürger und Bürgerinnen für die Stadt zu gewinnen, „weil wir mit der Anerkennung nun in der Champions League in der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Städte sind“.

Am Wochenende hatte die Unesco Bad Kissingen als Teil des neuen Welterbes „Große Bäder Europas“ aufgenommen. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation traf die Entscheidung im chinesischen Fuzhou. (Lesen Sie hier: Neues Angebot für Mountainbiker: Rundwege in der fränkischen Rhön sollen Tourenwahl erleichtern)

Unterfranken: Bad Kissingen ist nun Unesco-Welterbe - „Große Bäder Europas“

Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet. Die „Großen Bäder Europas“ sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Zu den elf Kurstädten, die den Welterbetitel erhielten, zählen auch Baden-Baden (Baden-Württemberg) und Bad Ems (Rheinland-Pfalz) sowie Spa in Belgien, Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad in der Tschechischen Republik.

Im Stadtbild zeichnen sich die Kurorte bis heute mit Bauten aus, die auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichtet sind. Gebäude und Prachträume wie der Max-Littmann-Saal im Regentenbau Bad Kissingens sollten nun auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, „dass man sie mehr erleben kann“, sagte Oberbürgermeister Vogel. Welterbe zu sein bedeute Verantwortung und Chance zugleich. „Die Bewerbung war weder ein Sprint noch ein Spaziergang, manchmal ein Hürdenlauf, auf jeden Fall ein Marathonlauf. Über zehn Jahre“, sagte Bad Kissingens Kulturreferent Peter Weidisch.

Die Mathildenhöhe in Darmstadt ist auch Unesco-Welterbe.

Bad Kissingen zählt etwa 22.000 Einwohner und liegt im Norden Bayerns. Vor allem durch das Musikfestival „Kissinger Sommer“ ist die Kleinstadt heute bundesweit bekannt. In Nicht-Corona-Jahren kommen nach Angaben der Stadt mehr als 200.000 Gäste nach Bad Kissingen. Viele schlendern durch Luitpoldpark, Kurgarten oder Rosengarten oder lassen die Seele baumeln bei Mineral- oder Moorbädern. (Lesen Sie auch: Unesco-Biosphärenreservat Rhön sucht Landwirte für den Schutz von Insekten)

Auch Mathildenhöhe in Darmstadt erhält Welterbe-Titel - Mehr als 40 Millionen Euro investiert

In ihrer Geschichte kann die Große Kreisstadt auf prominente Besucher verweisen: Die österreichische Kaiserin Elisabeth („Sisi“) war laut Stadtarchiv schon dort, ebenso Reichskanzler Otto von Bismarck und der Schriftsteller Theodor Fontane. Bad Kissingen gehörte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kurbädern Europas. Das Bayerische Staatsbad an der Saale ist bekannt für sein Heilwasser, das aus mehreren Quellen sprudelt und das bereits im ausgehenden Mittelalter die ersten Kurgäste anzog.

Der bayerische König Ludwig I. ließ Bad Kissingen im 19. Jahrhundert gezielt ausbauen. Viele gekrönte Häupter suchten fortan in der fränkischen Kurstadt Erholung: Kaiserin Elisabeth von Österreich reiste meist inkognito als „Gräfin von Hohenembs“ an; zuweilen wurde sie auch von ihrem Mann, Kaiser Franz Joseph, begleitet. Der russische Zar Alexander II. kurte genauso in Bad Kissingen wie Bayern-König Ludwig II.

Reaktionen

Bernd Sibler: „Das sind großartige Nachrichten für Bad Kissingen und für das gesamte Kulturland Bayern“, sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU). Die Mischung aus gelebter Tradition und Moderne habe überzeugt. Die unterfränkische Stadt sei Teil der bedeutenden Kurstädte Europas und versinnbildliche den europäischen Gedanken der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. 

Matthias Pfeil: „Mit seiner mondänen Architektur von Max Littmann und von Friedrich von Gärtner gehört Bad Kissingen eindeutig zu diesen klangvollen Namen“, sagte der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil. „Die Idee, die die Menschen im späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert von Wellness und Spa hatten, ist in Bad Kissingen noch heute erlebbar.“

Maria Böhmer: „Die Mathildenhöhe ist ein weltweit herausragendes Beispiel visionärer Gestaltungskunst“, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. „Künstlerinnen und Architekten haben hier an der Nahtstelle von Jugendstil und Neuem Bauen Pionierarbeit geleistet.“ 

Bayern hat nun insgesamt neun Welterbestätten. Dazu zählen die Würzburger Residenz und der Hofgarten, die Wallfahrtskirche „Die Wies“ in Oberbayern, die Altstadt von Bamberg und Regensburg, die Grenzen des Römischen Reiches (Limes), die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen, das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth und das Augsburger Wassermanagement-System.

Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt ist seit Samstag, 24. Juli, Unesco-Welterbe. Sie kann sich künftig in einem Atemzug etwa mit den Pyramiden von Giseh in Ägypten und der Inka-Stadt Machu Picchu in Peru nennen. Die Auszeichnung wurde in Hessen mit Stolz und Freude aufgenommen.

Zuständiges Komitee der UN-Organisation traf Entscheidung in Fuzhou in China

„Die Mathildenhöhe ist einzigartig, nicht nur in Deutschland, sondern international“, sagte Kulturministerin Angela Dorn (Grüne). Die Stadt Darmstadt sei um einen großen Schatz reicher. Bei Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) war die Erleichterung und Freude spürbar: „Wir haben zehn Jahre hart daran gearbeitet.“ Es sei ein historischer Tag für die Stadt. Seit dem Beginn der Arbeiten 2011 wurden mehr als 40 Millionen Euro in das Ensemble investiert.

Die Mathildenhöhe in Darmstadt aus der Wende zum 20. Jahrhundert besteht aus dem Hochzeitsturm, einer russischen Kapelle, weiteren Gebäuden, einer Parkanlage und Skulpturen. Die Künstlerkolonie gilt als Schnittpunkt zur Moderne der Architektur - nicht einfach ein Jugendstil-Ensemble, sondern ein Schritt zum Bauhaus. Peter Behrens als einer der ersten Künstler war später Lehrer des Bauhausbegründers Walter Gropius.

Video: Elf Kurorte in Europa UNESCO-Weltkulturerbe

Die Intention zum Bau der Kolonie war im ausgehenden 19. Jahrhundert keineswegs nur kultureller, sondern handfester ökonomischer Natur. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig sah mangels Bodenschätzen einen Wirtschaftsaufschwung nur durch mehr Qualität in den Manufakturen gewährleistet und holte Künstler aller Couleur nach Darmstadt.

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Die Entscheidung über die Aufnahme des Donaulimes als Teil der Grenze des antiken Römischen Reiches in die Welterbeliste ist aufgeschoben worden. Das Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) entschied am Montag in seiner Sitzung im chinesischen Fuzhou, dass eine Arbeitsgruppe das weitere Vorgehen in den kommenden Tagen besprechen soll. In seinem bayerischen Abschnitt erstreckt sich der Donaulimes von Bad Gögging im Landkreis Kelheim über Regensburg und Straubing bis nach Passau. (dpa)

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