Vier Straftäter verurteilt

Corona-Demo in Unterfranken eskaliert - Kleinkind durch Pfefferspray verletzt

Mehrere Hundert Personen haben sich am Sonntagabend an einer Protestaktion gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung in Schweinfurt beteiligt. Bei der Aktion wurde ein vierjähriges Kind verletzt.

Update von 17.36 Uhr: Vier Teilnehmer der gewalttätigen Corona-Proteste in Schweinfurt sind am Montag in einem beschleunigten Verfahren zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden.

Die Mutter eines vierjährigen Kindes, das am Sonntag an einer Polizeiabsperrung durch Pfefferspray leicht verletzt wurde, wurde vom Amtsgericht Schweinfurt wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, wie die Justiz mitteilte.

Unterfranken: Vier Straftäter nach gewalttätigem Corona-Protest verurteilt

Gegen zwei Männer verhängte das Gericht wegen Widerstands, tätlichen Angriffs und Körperverletzung beziehungsweise versuchter Körperverletzung Bewährungsstrafen von zwölf und acht Monaten, gegen einen dritten Angeklagten wegen Widerstands und Beleidigung eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Erstmeldung vom 27. Dezember, 11.04 Uhr:

Schweinfurt - Wie die Polizei aus Unterfranken mitteilt, haben sich am Sonntagabend gegen 18 Uhr erneut mehrere Hundert Personen, die nach Auffassung der Beamten der Querdenker- und Impfgegnerszene zuzurechnen sind, in der Schweinfurter Innenstadt versammelt, um gegen die geltenden Corona-Maßnahmen zu protestieren.

„Unter die Masse der friedvollen Protestler mischten sich zahlreiche Krawallmacher, die bereits zu Beginn der Versammlung versuchten, die Menschenmenge gegen Anordnungen der Polizei aufzuwiegeln. Schon in der Anströmungsphase schlug den Einsatzkräften eine aufgeheizte, teils feindselige Stimmung entgegen“, teilt die Polizei mit. (Lesen Sie hier: „Corona-Spaziergänge in Osthessen - Hunderte gegen Maßnahmen auf der Straße)

Unterfranken: Corona-Demo von Querdenkern - Kind (4) verletzt

Trotz mehrfacher Mahnung der Polizei bezüglich der Maskenpflicht, des Abstandsgebotes und der Beschränkung, die Versammlung stationär zu halten, formierten sich immer wieder Gruppen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Aufzügen. Um entgegenzuwirken formierte die Polizei eine Polizeikette, welche einige Demonstranten aber nur noch mehr aufstachelte.

Wie hier in Schwerin fanden auch in Schweinfurt über die Weihnachtsfeiertage Protestaktionen gegen die Corona-Maßnahmen statt.

„Mehrere Aggressoren versuchten mit teils massiver Gewalt und tätlichen Angriffen gegen Einsatzkräfte die Absperrungen zu durchbrechen. Hierbei wurden insgesamt acht Polizeibeamte durch Faustschläge und Fußtritte teils mittelschwer verletzt“, teilt die Polizei mit. Gegen die Demonstranten wurden Schlagstöcke eingesetzt, wodurch ein 50-jähriger Mann eine Kopfplatzwunde erlitt und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Sechs weitere Personen wurden wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Gefangenenbefreiung, Körperverletzung und tätlichen Angriff gegen Polizeibeamte vorläufig festgenommen.

Darüber hinaus wurde eine Person, die der rechten Szene zuzuordnen ist, festgestellt, die ein Einhandmesser in der Versammlung mit sich führte. Auch diese wurde laut Polizei festgenommen.

44 Ordnungswidrigkeitsverfahren - Acht Festnahmen

Als die Versammlungsteilnehmer erneut versuchten, eine Polizeiabsperrung zu überwinden, setzten die Einsatzkräfte nach mehrfacher Androhung neben einfacher körperlicher Gewalt auch Pfefferspray ein. Ein vierjähriges Kind, welches von seiner Mutter, die aus den Reihen der Querdenker kommt, beim Versuch die Polizeiabsperrung zu überwinden mitgenommen wurde, kam mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt.

Das Kind sei danach umgehend durch polizeiliche Rettungskräfte medizinisch versorgt worden. „Nach wenigen Minuten und einer Augenspülung war das Kind wieder völlig beschwerdefrei. Gegen die Frau wurde Anzeige erstattet“, erklärt die Polizei.

Neben den acht Personen, die vorläufig festgenommen wurden, konnten Polizeibeamte insgesamt vier „Rädelsführer“ identifizieren, die den Protest organisierten. Gegen die Organisatoren wurden Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz erstattet. Gegen weitere 44 Personen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, weil sie sich nicht an die Beschränkungen gehalten hatten.

Beleidigt und bespuckt - Kommunikationsteams der Polizei können Lage nicht beruhigen

Das Fazit der Polizei Unterfranken fällt bezüglich des sonntäglichen Einsatzes mäßig aus: Den gesamten Einsatzverlauf hätten Kommunikationsteams den Versuch unternommen, verbal auf Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer Einfluss zu nehmen und die aufgeheizte Stimmung einiger Protestler zu beruhigen. „Der Großteil der sich Versammelnden wollte allerdings nicht mit sich reden lassen. Beamtinnen und Beamte aus den polizeilichen Kommunikationsteams wurden stattdessen durch Versammlungsteilnehmer beleidigt und bespuckt.“

Vier der acht festgenommenen Personen werden am Montagvormittag im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte der Hauptverhandlung zugeführt. Mit Urteilen gegen die drei Männer und eine Frau ist noch am späten Montagnachmittag zu rechnen. (akh, dpa)

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey

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